Grand Canyon / Flagstaff

Und auch heute sind wir, genau wie gestern und auch morgen in den Vereinigten Staaten von Amerika. In dem Land der unbegrenzten Plappermäuler. Entweder wir fallen einfach wirklich nicht auf oder dem gemeinen Amerikaner ist das egal. Wo wir auch vorstellig werden, überall haben wir ein Gespräch am Hals. Das ist meistens sehr lustig und unterhaltsam. Solange man die Zusammenhänge versteht oder wenigsten an den richtigen Stellen nickt, ist alles im grünen Bereich. Es fängt eigentlich immer gleich an. Sobald man auf die Frage: "How are you?" mit "Fine, thanks" antwortet und dann noch weiß was "order" und "That`s your tip!" heißt, schon hat man die Büchse der Amis geöffnet.

Da erfährt man meist immer etwas über die Wohnverhältnisse des betreffenden US-Bürgers. Also Wohnort, Kirchenzugehörigkeit und wenn man Pech hat, viele nützliche Reiseziele seiner Heimatstadt. Dann, wenn sie sich warm geredet haben, geht es weiter über ihre Reiseziele, bis hin zu Arbeitsstellung und den letzten verschreibungspflichtigen Medikamenten. So weit so gut, darauf können wir ja noch reagieren. Dann gibt es aber auch echte Cowboys mit den unterschiedlichsten Dialekten. Das klingt dann wie Englisch rückwärts. Das ist halt so. Ein Berliner versteht auch keinen Bayern oder Schwaben. Und so wie ein Amerikaner bei echtem sächsisch in sein Dictionary beißt und nur noch dümmlich grinst, so geht es uns dann bei so manchen Einheimischen hier im wilden Westen. Wobei die echten Einheimischen hier ja die Indianer sind. Die nehmen ihr Los unter der US-Regierung wenigsten mit Humor. Manche von ihnen haben am Straßenrand von Nationalparks kleine Stände, wo sie Souvenirs für die Reisenden verkaufen. Aber es halten natürlich nicht immer Leute an. Somit kommt es dann zu solchen sonderbaren und witzigen Werbeanzeigen: "Nice Indians ahead!" Nette Indianer voraus! Die ziehen einem nicht mehr den Scalp ab und wenn doch, dann wenigsten im feinsten Oxford-Englisch.



Grand Canyon / Flagstaff

Heute waren wir also unterwegs zum Grand Canyon. Auf dem Weg dahin kam uns ein Haus in zwei Teilen entgegen. Soll ich es noch einmal schreiben? Ein Haus kreuzte unseren Weg. Die bauen hier vier Wände aus Brettern und Sekundenkleber. Das Haus wird dann zerlegt und auf einem LKW gebockt. Dann geht es auf die Reise. Irgendwo ins Niemandsland. Dort werden die zwei Hälften mit Tacker zusammengekloppt und schon steht wieder ein Red-Wood als Hausersatz in der Pampa.


Grand Canyon / Flagstaff

Da schaut man echt nicht schlecht, wenn einem so ein Haus entgegenkommt. Es fehlen nur noch der Pool und die dazugehörige Pappmasche-Sprungschanze. Irgendwann waren wir natürlich am Grand Canyon. Ein Ausblick. Man kann so viel Zeiten der Erdgeschichte in diesen Felsen ablesen. Es ist wie ein Buch. Okay, für den Laien ist das wie ein auf dem kopfstehendes chinesisches Kochbuch. Aber faszinierend ist es trotzdem. Wir sind also ausgiebig gewandert. Die sind hier nicht von schlechten Eltern. Da fehlt schon mal die Absperrung und runter geht's und das im wortwörtlichen Sinne. Für über 250 Leute geht es hier im Jahr runter. So viele Menschen verunglücken pro Jahr am Grand Canyon. Nach der Statistik müsste es für Einen heute wieder bergab gegangen sein. Ich beneide ihn nicht. Ich würde aber an seiner Stelle den Parkeintritt zurück verlangen.

Fazit: Dieser Ausblick ist Welt- und Filmgeschichte. Man spürt förmlich die alten Siedler, was sie auf sich nahmen in der neuen Welt. Für diese Strapazen dürfen ihre Nachfahren manchmal etwas verrückt sein. Bei dieser Sonne lässt sich das nicht vermeiden.

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