Spielerparadies Las Vegas

Ein herzliches "Hi Dude" aus dem Land der unbegrenzten "vote for" Straßenschilder. Wenn du willst, dass jemand für dich stimmt, dann bastle ein Schild und verschandle damit die Landschaft und erzürne deine Nachbarn. Dieser Ur-Amerikanische Brauch ist hier in jeder Stadt zu finden. Hier kann man einfach für oder gegen jeden und alles sein. Meist geht es aber um die Wahl eines öffentlichen Amtes. Sheriff, Bürgermeister, Straßenlaternenanzünder oder Dorftrottel. Diesmal kam ich an zwei konkurrierenden Kandidaten zur Sheriffwahl nicht vorbei. Kenny, der Dorftrottel gegen Jerry den Laternenanzünder.

Mit dem Werbeslogan: "für eine friedliche Gerechtigkeit!". Ist doch genau so doof wie "Bomben gegen Ossis!" oder "Frauen an die Macht!" Es gibt auch Schilder auf denen steht, wer hier im verschlafenen Örtchen der Sheriff ist. Mit Bild! Hier kann man dann sehen, wem man also im Fall eines Falles den Strafzettel verdankt. Wer in Las Vegas Sheriff ist, wissen wir leider nicht, aber das diese Stadt widersprüchlich ist, dass wissen wir ganz genau. Wir waren 2 ½ Tage da. Manche sind länger hier, sehen aber in dieser Zeit kein Tageslicht. Wir dagegen sind durch die Stadt gesockt. Bei den Entfernungen kann man sich auch etwas verschätzen. Wir haben eine Menge Attraktionen mitgemacht und 60 $ im Casino verspielt. Gewonnen haben wir nichts, außer Erfahrungen. Dafür hat sich Matthias einen Wolf gelaufen (der Letzte war zu Bundeswehrzeiten) und Steffi schlief am Roulettetisch ein. Wenn die Amerikaner etwas können, dann ist es die perfekte Show, die perfekte Illusion.



Las Vegas

Las Vegas sollte man schon einmal gesehen haben. Hier gibt es wirklich alles. Das Auge kommt aus dem Staunen gar nicht mehr raus und im offenen Mund zieht es. Wir haben so einiges gemacht. Sind Achterbahnen um und in den Hotels gefahren, sind mit Star Trek auf Mission gegangen und haben bei Madame Tussauds an den Nippeln von Britney Spears gespielt. Nebenbei haben wir eine perfekte, aus Pressspan angefertigte Grabkammer von Tut`s Tomp besucht und haben Planet Hollywood ruiniert. Wir hatten nämlich einen Power Pass. Da bezahlt man vorab und bekommt dann freien Eintritt bei mehreren Attraktionen und von Planet Hollywood jeden Tag 20 $ geschenkt. Leider haben wir das erst am zweiten Tag richtig begriffen. Wir waren im Circus Circus Hotel untergebracht. Alles sah also wie bei einem Circus aus. Wer will, kam aber auch in die anderen Hotels und Casinos. Solange einen die Füße tragen können. Was in solch einem Casino dann los ist, kann man schwer in Worte fassen. Da sitzen hunderte Menschen, meist mit blutunterlaufenen Augen und zittrigen Fingern, vor den ewig blinkenden, tutenden und sehr selten klirrenden Automaten. Natürlich musste Matthias im Selbstversuch alles einmal testen. Die Automatenspiele fallen dabei einmal total durch. Da kann man sich auch in einen blinkenden Weihnachtsbaum stürzen. Das ist so stumpfsinnig. Da sagte ihm das Roulette etwas mehr zu. Wobei es auch hier wie auf dem Viehmarkt zuging. Die schmeißen da mit der Kohle rum, als hätte es gerade Gehaltsnachzahlungen gegeben.


Las Vegas

Und dann wird gesetzt auf Teufel komm raus. Wir hatten da so eine gelangweilte Koreanerin. Die hat nur so aus Spaß an der Freude mit ihren 100 $ Scheinen gewunken. Natürlich bleibt von der Kohle außer zwei Souvenirs nichts übrig, aber Spaß hat es gemacht. War ja auch nicht unser Geld. Sponsert bei Vati und Mutti. Nachts sind wir auf dem Las Vegas Boulevard lang gelaufen. Den so genannten Strip. Dort, wo Hotel an Hotel liegt. Dort, wo es nach mehr Essen riecht als in der Küche eines Restaurants. Somit bekamen wir also Hunger. Hier in den USA gibt es ja noch viel mehr Fastfoodketten wie in Deutschland. Viel viel mehr! Und da wir schon einmal hier sind, wollten wir ein Neues testen. "Dennis" heißt der Schuppen. Erster Schock, hier muss man sich brav in eine Schlange anstellen. Erst nach einiger Zeit wird man von der Bedienung zu seinem Platz geleitet. Ein Fastfoodladen mit Platzreservierung! Demnächst mit Smoking, Krawatte und hohe Absätze für die Herren. Aber Heinz Ketchup zu jeder Bestellung (und wenn es nur Wasser ist), dazu noch ein Strohhalm zu jedem Getränk. Steffi findet ja Las Vegas etwas verwirrend. Ist es auch in einigen Gegenden. Die Hotelanlagen sind so groß, da ist es nicht immer leicht, den richtigen Weg zu finden. Das wir aber prinzipiell immer den Falschen finden, grenzt schon an ein Wunder. Egal was wir machten, wir kamen nie da raus, wo wir hin wollten. Einmal standen wir vor einem Haufen Bauarbeiter, von denen nur der Anführer Englisch konnte und fragten nach dem Weg. Die haben uns durch eine komplette Baustelle und durch den Lieferanteneingang geschickt. Wenn all die Touris wüssten, wie es hinter den schicken Wänden aussieht. Auch sonst wurde der Lieferanteneingang ein guter Freund. Am Ende hatten wir es aber langsam drauf.


Las Vegas

Kommen wir noch einmal zu einigen der Attraktionen zurück. Da gibt es so eine Star Trek Show in 3 bis 5 D. Die ist so etwas von Klasse. Da ist alles, die ganze Show, total echt gemacht. Mit Schauspieler in Star Trek Uniformen und tollen Effekten. Star Trek Experience hat zwei Showeinlagen. Die gehen dann in etwa folgendermaßen: Man wird mit bis zu 20 Personen zu einer Vorführung an Bord einer Raumstation gebracht. Wie schon gesagt, alles Show. Auf einmal wackelt die Wand, Licht flackert und Monitore fallen aus. Wir werden angegriffen. Der Uniformierte bewaffnet sich und fordert uns auf, ihm zu folgen. Jetzt erlebt man einen Angriff der Borg hautnah und sehr realistisch mit. Vielleicht sogar zu realistisch. Sorgen macht man sich um den einen oder anderen Gast. Die lassen sich richtig fallen. Springen von rechts nach links, ducken sich und schauen sich nach Borgsoldaten um. Fehlt nur noch, dass die unseren Schauspielführer niederstrecken, sich den Plastelaser aneignen und mit lautem Geschrei die Korridore erstürmen. Ganz nebenbei Schauspieler-Borgs abschlachten und "Lebe lange und im Frieden" schreien. Ja ja, zu viel Realismus tut auch nicht gut. Uns hat es aber gefallen.


Las Vegas

Den meisten Bammel hatten wir nur vor den Stratoshere Tower. Der thront etwas sehr hoch über der Stadt. Trotzdem mussten wir die 112 Stockwerke mal hoch. Ein Powerlift schießt einen förmlich dort hoch. Der Liftboy war etwas sonderbar. Der wackelte immer von einen Fuß auf den anderen, kaute an den Fingernägeln und sah auch sonst etwas nervös aus. Platzangst? Da ist natürlich ein Lift der am wenigsten geeignete Arbeitsplatz in Las Vegas. Wobei, es gibt noch mehr. Als Kleptomane im Casino, als Star Wars Fan bei Star Trek Experience oder als Roy bei Siegfried und Roy. Am dritten Tag wird dann Las Vegas ohne Geld langweilig. Natürlich gibt es noch viel mehr zu sehen und zu erleben. Aber dafür müsste man einen Kredit aufnehmen oder Körperteile spenden. Aber ein Erlebnis, ein Erlebnis war es allemal. Fazit: Die ersten Tage TOP. Aber nachdem das Geld alle ist, ist es nur noch ein Blitzgewitter in der Wüste. Aber immer noch ein Schönes!

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