Palm Springs / Joshua Tree Park

Und erneut sind wir mitten drin. Im wilden Westen der USA. Im Land der unbegrenzten Reifenplatzer am Straßenrand. Hier kommen mehr Reifen zu Schaden als Tiere überfahren werden. Wobei wir nicht sagen wollen, dass es hier keine überfahrenen Tiere gibt. Die Amerikaner haben das Überfahren von Tieren zur wahren Kunstform erhoben. Das sieht schon beeindruckend aus, wenn eine dieser Höllenmaschinen so ein armes Tier zu Klump fährt.

Die Muster auf der Straße sind eine Ausstellung wert. Aber noch mehr als Tiere verenden Autoreifen auf den Freeways. Eigentlich vergeht keine Meile ohne Reifenfetzen. Manche bis in ihre Atome zerlegt. Dafür gibt es nur zwei Erklärungen, entweder fahren die alle mit billigen chinesischen Gummiimitaten oder es gibt doch noch den einen oder anderen Indianerstamm der mit Pfeil und Bogen auf die westwärts ziehenden Wagenkolonnen zielt. Wir wollen ja noch vom gestrigen Tag berichten. Wir waren nicht mehr im Zoo. Viel besser, wir waren auf einer Kakteen-Odyssee. Nachdem wir den Pool ausgetrunken hatten, wollten wir ein paar echte, wildlebende Kakteen fotografieren. Das dieser Plan nicht so leicht umzusetzen war, dämmerte uns erst, als wir auf dem Weg in den wilden Osten der Stadt echt auf ein paar sehr verlassene Straßen dahin fuhren. So ging es ein paar Stunden lang. Immer wo wir die Kakteen sahen, kamen wir einfach nicht hin.



Palm Springs / Joshua Tree Park

Es führte kein Weg ran - es war zum verzweifeln. Dabei wollten wir unbedingt Kakteen fotografieren. Als wir endlich eine Stadt anfuhren, begangen wir kurzerhand Hausfriedensbruch, rannten in den Garten und fotografierten ein paar Kakteen. Geschafft! Jetzt nichts wie ab nach Hause zum Hotel. Am Abend dann die Zweite Odyssee. Ein amerikanisches Einkaufszentrum. So groß sind manche Städte in Deutschland nicht. Selbst mit Karte kam man hier sehr langsam voran. Und diese Massen an Menschen. Eine Machete hätte gute Arbeit geleistet. Wir fanden aber alles was wir suchten. Nämlich ein Kino. Da der Zoo ja ausfiel, wollten wir wenigstens einen Film ansehen. Also nichts wie rein. Und man glaubt es nicht, im Land von Hollywood und "Double, double Burger" kamen wir in einen Kinosaal, den eine Kerze voll erleuchten konnte. Das war ein so kleiner Saal, da konnte man auf seinem Platz jeden weiteren Anwesenden die Hand reichen. Und dann der nächste Rekord. Filmriss nach nicht einmal 3 Sekunden. Das Bild war noch gar nicht da, da riss der Film. Rekord! Unschlagbar selbst für deutsche Verhältnisse. Als es nach einer Verzögerung endlich los ging, waren wir erst recht niedergeschlagen. Okay, die Leinwand sah von Anfang an nicht groß aus, aber wir hatten die Hoffnung, die öffnet sich noch. Doch jetzt erkannten wir unseren fatalen Fehler. Öffnen? Wohin? Die schauen ihre Filme doch nicht etwa im 4:3 Format? Da fehlte die Hälfte Links und Rechts. Der Sound holte aber alles wieder raus. Und als wir nach dem Film noch durch das Center streiften, konnten wir uns vor feilgebotenen Waren kaum retten. Die Kreditkarte glühte und aus dem Gesicht von Steffi schien die Konsumsonne.


Palm Springs / Joshua Tree Park

So lobt man sich das. Heute ging es nach Palm Springs. Die letzte Große (sehr große) Fahrt. Etwas über 330 Meilen. In dieser Zeit, da wird man schon älter. Wir fuhren noch durch den Joschua Tree Nationalpark. Da gibt es endlich freilebende Kakteen und eben diese Joschua Bäume. Die wurden von den damaligen Siedlern (Mormonen) so genannt, weil die Form dieser Bäume aussieht, wie der betende Prophet Josua. Aha, alle sieben Hände also weit ausgestreckt. Toller Prophet dieser Josua. Echt, sieben Hände! Also wir fanden, wir sollten den Park umbenennen. Die sahen nicht wie ein Prophet, nicht mal wie ein Türsteher aus. Ab heute ist das der Strubelpeter Nationalpark. Am Visitor-Center angelangt, parkten wir sehr vorbildlich neben dem Behinderten Parkplatz vor einem roten Marker. Es dauerte nicht lange und ein Parkranger stand vor uns. Mit zittriger Unterlippe und Hand am Revolver fragte er uns wo wir her kämen. "Germany, Sir!" "Ihr parkt da vor einem roten Marker!" "Yes, Sir!" "Das ist mein roter Marker!!!" Oh mein Gott, er war sichtlich erschüttert. Da parkt jemand auf seinem Parkplatz. Wir schauten uns um.

Alle Menschen schauten verstohlen weg, machten sich aus dem Staub ins Haus und lugten hinter den Vorhängen vor. Oh Gott, sein Parkplatz. Der ortsansässige Beerdigungsunternehmer nahm schon mal Maß. Wir blinzelten gegen die Sonne und warteten. Aber es passierte nichts… Sonntags schien der Ranger keinen erschießen zu wollen. "Das nächste Mal parkt ihr nicht vor einem roten Marker!" "Yes, Sir!" Wir fuhren weiter und schauten beim ausparken noch einmal den roten Marker an. Und wirklich, da stand weiß das Wort "Ranger" darauf. Es war sein Marker! Sein roter Marker! Weiter ging es also durch den Park und dann weiter nach Palm Spring. Jetzt sitzen wir in einem Waschsalon und waschen unsere Sachen. Muss ja auch mal sein. Was wir heute noch machen wissen wir noch nicht. Da wir aber 7 Stunden unterwegs waren, wohl nicht mehr viel. Ein Subway suchen, die Zeit miteinander verbringen und vielleicht noch etwas im Pool planschen. In diesem Sinne: wie nennt man einen weiblichen Kaktus? Kak-Tussi. Fazit: Phoenix scheint eine schöne Stadt zu sein, auch wenn wir davon nicht viel mitbekommen haben. Der Nationalpark war wie immer faszinierend und dessen Namensgebung eine helle Freude. Es wäre schön, wenn man mehr Zeit hätte. Das nächste Mal einfach ein paar Wochen mehr Urlaub beantragen.

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