San Simeon II

Der zweite richtige Tag im Land der fanatischen "Jesus fährt mit" Autoaufkleber und schon sieht man Zebras. Wir müssen noch einmal kurz den gestrigen Tag anschneiden. Da gab es noch etwas zu bestaunen. Als Steffi und ich so im Auto für Großwildjagden über den Asphalt schossen, redeten wir so über Gott und die Welt. Ich erwähnte meinen Wunsch eines eigenen Pools im Hinterhof, es kam nur ein mildes Lächeln.

Mein Vorschlag zum Weltfrieden wurde gar nicht gewürdigt, als ich aber die Zebras am Straßenrand erwähnte, flippte die Frau total aus. Ich musste voll auf die Eisen gehen. Steffis Augen weiteten sich und ihr Atem ging schwer. Ich kenne diese Symptome, gleich werde ich gelobt. Doch es waren die Zebras, die Steffis Adern pochen ließen. Das alles wegen einer Horde Zebras, die munter zwischen einer Herde Kühen graste. Moment mal... Zebras neben Kühe? Oder doch nur eine verrückte amerikanische, weiße Kuhrasse mit Streifen? Nein, das war ein Teil des entlaufenen Zoos von Herrn von und zu Hearst. Der hatte einmal einen Privatzoo, so wie ich eine private Playboy Sammlung hatte. So sammelte er eben Tiere. Als er endlich unter der Erde war, wurde der Zoo aufgelöst. So wie ich damals bei der Bundeswehr meine Sammlung auflöste. Nur eben die Zebras, die durften bleiben und frei durch die Gegend grasen. Und die lassen sich sehr selten sehen.



San Simeon

Tja, was soll ich sagen? Wir haben sie gesehen. Wenn ich so darüber nachdenke, eigentlich hätte ich nicht all meine Playboys verschenken sollen. Das tut hier aber nichts zur Sache... schnief! Kommen wir zurück zu William Randolph Hearst und sein Hearst Castle. Das war unser erstes Etappenziel am heutigen Tag. Ein Schloss hoch oben auf dem Berg. Erbaut von einem Millionär. Daraus ist ein wilder Mix aus den unterschiedlichsten Europäischen Epochen, gepaart mit der exzentrischen Vision eines reichen Mackers geworden. So kommt es einen jedenfalls erst einmal vor. Wunderschön, aber irgendwie total verstrahlt. Statt zu einem zu Hause, wurde es ein Museum. Alte Kunstwerke, Statuen und zwei Pools wie im alten Rom. Mit einer der vielen nackten Statuen hatte ich gleich nach der obligatorischen "don`t touch" Rede vollen Körperkontakt. Sie stand genau dort, wo ich hin wollte. Und sie war stärker, ihre Brüste aus Metall und ihr Zeigefinger, in den ich rannte, auch. Unser Tourguide schaute gleich ganz böse.


San Simeon

Ich rang nach Luft und versicherte allen Anwesenden, dass der Statue und mir nichts wichtiges gebrochen wurde. Dann ging es weiter über das Grundstück. Echt, wie die alten europäischen Schlösser auf Speed. Überall das Schönste zusammengetragen und dann noch einen Hauch von Kitsch drauf. Dazu eine Busladung französischer Rentner, die sich aufgeregter unterhielten, als ein Nonnenausflug auf St. Pauli. Die konnten keine Minute die Luft anhalten. Kein Wunder, dass sich kein Zebra sehen ließ. Alles in allem viel Dekadenz, dachten wir. Doch als wir noch den eigens für das Schloss gedrehten IMAX Film, im eigen für das Schloss erbauten IMAX Theater ansahen (wer redet hier von Dekadenz?) und uns vor lauter Freude für den Erbauer die Nase lief, da wussten wir: William Randolph Hearst war ein Visionär, einer der ganz Großen. Ja ja! Einer, der seinen Traum baute. Für sich und für all die Zebras dieser Welt. *Schnief*. Danach ging unsere Reise nach San Francisco. Ein langer Weg und zu weiten Teilen über den "17 Miles Drive" etwas beschwerlich, da sehr kurvig. Mit Automatik im Auto hat die Sache nur halb so viel Spaß gemacht, aber immerhin. Danach kam die Einöde der amerikanischen High- und Freeways.


San Simeon

Von 55 bis 65 Mps kann man da schnell fahren. Kann man sich das vorstellen? Stundenlang 65 Meilen pro Stunde (104 Kmh) über die Autobahn. So auf Anhieb kann ich mir nichts langweiligeres als das vorstellen. Tempomat auf 65 gestellt und dann kann man sich genüsslich das rechte Bein amputieren. Mir fielen nach ein paar Stunden echt die Augen zu. Da bleibt jede Konzentration auf der Stecke. Da ist jede Bodenwelle, oder jede Wolke, die aussieht wie das Hinterteil von George W. Bush, eine gelungene Abwechslung. Bodenwellen waren öfters anzutreffen, Bushs Hinterteil war da schon seltener. Unterwegs ein kleiner Sparziergang durch einen Wald. Wo in Deutschland ein Schild steht "Vorsicht vor der bösen Hexe", steht hier eins mit der Warnung: "Keine Waffen erlaubt!". Das wird die Hexe aber freuen! Jetzt ist es wieder am Abend. Wir haben uns erfolgreich durch San Francisco zu unserem Hotel gekämpft. Jetzt sind wir müde, deswegen mache ich an dieser Stelle Schluss. Immerhin wird morgen ein harter Tag. Es steht eine Stadttour auf dem Plan. Fazit: Fünf neue Straßenhummer, plus vier neue Jesusaufkleber am Auto gesehen. Na dann, Amen. Hearst Castle ist ein besonderes Beispiel amerikanischer Geschichte. Wie man sie hier auslebt und zelebriert ist schon ein Genuss. Und die Zebras waren ein schöner Anblick.

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