Valley of fire
Willkommen im Land der unbegrenzten Sonne. Heute regnet es. Aber in all den Tagen ist es wirklich das erste Mal, das Wasser vom Himmel fällt. Preiset den Herren!! Ansonsten sind hier, laut Autoanzeige, immer zwischen 70-100 ° Fahrenheit. Was das in Grad Celsius ist, wissen wir nicht. Aber es ist heiß! Heute also eine willkommene Abwechslung. Bevor wir aber zum heutigen Tag kommen, noch eine kleine Geschichte über amerikanische Kleinstädte und deren Hintergärten. Es scheint hier so einen Wettbewerb zu geben: wer den größten Schrottplatz hinterm Haus hat, der gewinnt einen freien Tag im Schrottplatz Adventure Park. Und das wollen anscheinend alle. Die sammeln wirklich alles. Da steht von verrosteten Motoren bis hin zu halb verrotteten LKWs alles im Schrebergarten.
Ganze Hinterhöfe voller verbogenen und verrosteten Männerspielzeug. So kommt es nicht selten vor, dass in den einen oder anderen Ziergärten ein Boot vor sich hin rostet. Wie muss man bitteschön drauf sein, um in der Wüste ein Boot hinter dem Haus stehen zu haben? Oder warten die alle auf Gottes zweite Sinntflut? Dann kann man schnell den dicken Hund, die Kinder und die Frau ins Boot rollen und sich nur noch um die Pegelstände kümmern. Preiset den Herren!! Wenn man sich hier umsieht, scheinen die alle etwas zu wissen, was wir nicht wissen. Wir glauben langsam auch, das Ende ist nah. Auch wir werden uns morgen Schwimmwesten kaufen und ein "Jesus lebt" Schild aufs Auto kleben. Man weiß ja nie, wann der Regen wieder aufhört. Amen!!! Heute schauten wir auch kurzzeitig einem TV-Prediger zu. Der hatte die Weste schon um. Insgeheim hoffen wir, dass es nicht die Schwimmweste war. Preiset die Errungenschaft der Irrenanstalt. "Heal, heal! Touch the screen…".
Der heutige Tag fing ja etwas kälter an. Zum Glück können Klimaanlagen aber auch anderes. Bei 25°C ist es hier schon ziemlich kalt. Wir sind dann also wieder mal in einen Nationalpark gefahren. Es gibt ja so viele von denen hier, da kommt man schon auf die Idee, das alles das Gleiche ist. Jetzt nicht falsch verstehen, denn jetzt kommt wieder eine Geschichte.
Wir springen zurück zu gestern. Wir saßen also wieder im Auto, die Klima arbeitete am Limit und wir schlichen so den x-ten Freeway auf der x-ten Spur dahin. Da stand auf einmal ein Schild mit der Aufschrift: "Valley of Fire Park". Man muss wissen, wir haben einen Nationalpark-Pass. Das ist eine Eintrittskarte für 1 Jahr in alle Nationalparks der USA. Ja, man muss hier dafür bezahlen, da zusein und rumlaufen zu können. Wir bezahlten also 50$ "that`s a lot of money I found". Da wir also diesen Pass hatten, fuhren wir vom Freeway ab und machten einen gewollten Umweg in den "Valley of Fire Park". Nichts ahnend, dass es noch 20 Meilen bis zum Park sind. Maximum-Speed 35 Meilen! Das ist eine ganz einfache Rechnung. 35 Meilen Geschwindigkeit macht 35 Meilen in der Stunde. Bei 20 Meilen Entfernung! Na, da strengt Eure Finger mal an. Warum 35 Meilen Höchstgeschwindigkeit? Hier kann man nichts umfahren! Hier lebt nämlich nichts. "Auf den nächsten 20 Meilen kein Lebewesen, bitte trotzdem schleichen… man weiß ja nie!" Als wir endlich angekommen waren und den Parkpass vorzeigten, sagte der nette Ranger, wohl der einzig Lebende hier, dass dieser Pass nur für die Nationalparks gilt. Äh? Dieser Park ist aber ein State Park und kostet somit 6$ pro Fahrzeug. Hat die Sonne dein Gehirn geröstet? Kein National, sondern ein State Park? Liegen die anderen Parks nicht alle in irgendeinem State (Bundesstaat) und liegt dieser Park nicht in einer Nation (Land wie die USA). Für was zahlen wir 50$? Zurück wäre doof, denn nur geradeaus kommt man zurück auf den Freeway und hat ein paar Kilometer gespart. Leider war auch im Park 35 Meilen Geschwindigkeit! "Vorsicht! Reptilen könnten auf der Fahrbahn stehen!" Man waren wir erleichtert, Kühe hätten echte Beulen gemacht. Alles in allem waren wir gestern 6 Stunden im Auto unterwegs. Zusammen mit dem verrückten LKW-Fahrer, der uns bergab und "fullspeed" vor einer Kurve überholen musste. Natürlich kam etwas von Vorne und er ging voll in die Eisen. Mit dem Erfolg, dass das Fahrerhaus neben uns stand, aber die Hinterachse hinter unserem Auto qualmte. Erst ging Matthias voll auf die Eisen, damit das Arschloch vorbei kommt. Als der Truck dann selbst bremste, als gebe es kein Morgen, ging nur noch die Flucht nach Vorne, um einen Massencrash zu verhindern. Das hätte Hollywood nicht besser machen können. Nur die Schauspieler wurden dieses Mal nicht gedoubelt.
Nach dem Schock also heute zum Bryce Canyon, davor mit Affenzahn durch den Zion National Park (diesmal mit gültigem Pass!). Die gleiche Idee zum Bryce zu fahren, hatte auch eine Busladung Asiaten. Somit stritten wir uns also um die besten Plätze am Aussichtspunkt. Da aber auf der asiatischen Seite auch ein paar Kamikaze-Veteranen dabei waren, haben die wohl eindeutig die spektakuläreren Bilder. Überhaupt: Kamikaze-Veteranen?! Da hat man seinen Beruf aber auch verfehlt. Dann fing es auch noch an zu regnen. Wir also sofort ins nächste Motel nach Page. Page ist sehr bekannt für seine Landschaft, für seinen Antelope Canyon und diesen Staudamm eben (siehe Bild). Und was machen wir? Wir erforschen unseren ersten Wal-Mart, den wir in den USA gefunden haben. Das ist unser Einkaufsnationalpark. Wir hätten ein Leader mieten können, so groß ist das Teil. Steffi buchte die Survival-Tour durch die Kosmetikabteilung, während ich am Aussichtspunkt neben dem Werbemonitor zurück blieb. Dann kämpften wir uns durch die Elektroabteilung bis hin zum Wurststand. Hier und bei der Schokolade trafen wir auf ein paar Ureinwohner. Von da aus konnten es nur noch ein paar Meilen bis zu den Kassen sein. Am Ende noch ein paar Fotos, dass man es geschafft hat und raus hier. Wenn es nach uns geht, sollte man im Wal-Mart auch solche Karten mit Tourangaben verteilen. Tour 1: vom Eingang bis zur Gemüseabteilung = Leichter Schwierigkeitsgrad. Tour 2: vom Eingang über die Wurstabteilung, durch den Schokoladencanyon und am Ende durch die Colabucht = höchster Schwierigkeitsgrad. Tour 3: vom Eingang bis zum Ausgang, durch alle Abteilungen außer die Obst und Gemüsehügel = Schwierigkeitsgrad: nur für Lebensmüde zu empfehlen! Fazit: In den USA ist entweder alles schnell und groß oder eben langsam, klein und niemand zu sehen. Die Landschaft ist wie immer ein Anblick, das Kino in Page hatte aber nur 2 Filme. Tja, man muss sich halt daran gewöhnen.