Reisebericht Yosemite

Und erneut geht ein Tag, im Land der nicht enden wollenden Drive Thru Durchfahrten, zu Ende. Es war ein harter Tag. Dazu aber später mehr. Kommen wir erst einmal zu den neu entdeckten Besonderheiten im Land unter dem Sternenbanner. Es ist ja so...,wenn man hier nicht aussteigen will, muss man hier auch nicht aussteigen. Es ist nichts besonderes hier am Durchgangsschalter vorzufahren, kurz das Fenster runter zu lassen und die Ware oder Dienstleistung direkt am Schalter entgegen zu nehmen. In Deutschland kennt man das z.B. vom McDonalds. Da fährt man ran, brüllt seine Bestellung in eine Ronald McDonald Plastikfigur, fährt bis zum Fenster vor und nimmt sich seinen Big Mac entgegen. Hier geht das fast mit allem. Vom Fastfood mal abgesehen, kann man hier ohne Probleme an den nächsten Bankautomaten vorfahren, seine Medikamente kaufen ("die blauen Pillen zum vögeln bitte!" "Okay, am Schalter 4"), oder gleichgeschlechtlich Heiraten. Echt, warum Füße, wenn uns der Gott namens Ford den Viertakter geschenkt hat. Das führt dann sogar soweit, dass in dem heutigen McDonalds mehr Personal im Laden als Gäste waren.

Der Rest der Kundschaft stand im Leerlauf vor der Hütte. Und eh war das heute ein sehr komischer McDoof. Wir hatten das Gefühl, er wurde von Praktikanten geleitet. Da standen so ein paar junge Dreipfünder in der Küche und experimentierten mit unserem Essen rum. Mit zittrigen Händen noch eine Käsescheibe drauf, mit den Daumen prüfen, ob das Fleisch durch ist und beim verpacken der Köstlichkeiten anstellen, als hätte man ein 5.000 Teile Puzzle der Milchstraße vor sich. Eine Offenbarung, aber hey, die Lehre kann auch nicht länger als 3 Jahre gehen. Zurück zur Bewegungsfaulheit der Amerikaner. Sollte man hier zu der nicht genau definierten Anzahl von "Gewichtsbevorteilten" gehören, hat der Staat sich auch bei den Sehenswürdigkeiten etwas einfallen lassen. Sollte es also bergauf gehen, bevor man sich etwas ansehen kann, steht 100%ig irgendwo ein Shuttlebus frei zur Verfügung. Überall, egal wo. Auf Alcatraz war es ein 2000 PS starker Golfwagen mit zwei großen Anhängern. Dann gibt es immer ein paar Leute, die die dankbare Aufgabe haben, die anstehenden Massen (auch wenn es nur 2 sind!) einzuschaufeln und dann im 1. Gang und 5000 Umdrehungen den Berg hochzubringen. Ein Anblick für die Götter. Da hört man schon vom weiten so einen heulenden Motor und hinten auf dem Anhänger sitzen sie dann. Man beachte, immer mit einer Wasserflasche bewaffnet. Der Golfwagen könnte ohne Last locker 200 Sachen fahren, aber so kommt er nur im Schritttempo voran. Oben angekommen, sind die Herren und Damen dann so erschöpft, dass zu dem Wasser gleich noch eine Chiptüte gekillt wird.



Yosemite

Im Yosemite Nationalpark gab es kostenlose Busshuttle zu den einzelnen Klippen, Wasserfällen und Berggipfeln. Und wer eben gar nicht laufen will, der kauft sich einfach die Postkarten aus dem Visitor Center und fährt lustig im Kreis. Wir aber nicht. Nein, wir zogen die Landschaft beim wandern förmlich in uns auf. Diese Gegend ist ein Geschenk Gottes an die Amerikaner und uns lassen sie daran teilhaben. Diese Berge, diese Wälder, die Flüsse und die Seen. Diese Schönheit, diese Ruhe. Eichhörnchen, Vögel und Bären. Unberührte Landschaft. Der Nationalpark ist echt riesig und voll von Menschen. Die klettern die Berge hoch und runter oder aber fahren lustig mit dem Bus im Kreis. Was man da zu sehen bekommt, ist aber auch eine Augenweide. Ein Hoch auf meine Wanderschuhe. Immerhin haben die mich schon auf der ganzen Welt gut getragen. Angefangen von Neuseeland, Berlin <-> Potsdam und jetzt eben Kalifornien. Gute Schuhe, brave Schuhe.


Yosemite

Im Yosemite Nationalpark gibt es ja auch den Parkranger. Das ist die Parkpolizei. Alles Note Eins Abgänger im Pfadfinderlager. Diese Leute können durch pures kosten einer Stuhlprobe einen Specht von einem Bären unterscheiden. Manche können sich mit Eichhörnchen unterhalten, andere haben eins geheiratet. Ranger haben eine schöne Uniform (Tarngrün), mit einem tollen Hut. Für sie wurde extra ein kleines Dorf mitten im Nationalpark errichtet. Dort können sie sich ungestört fortpflanzen. Wir haben auch eine Bärenfalle gesehen. Mit Tausenden Warnschildern. "Nicht reinkriechen, auch wenn darin etwas zu Essen liegt! Es ist eine Bärenfalle!" Möchte nicht wissen, wie viel Leute nicht widerstehen können. Die Fahrt durch den Park war wieder einmal eine Freude. Trotz alledem war der heutige Tag sehr hart. Seit 5 Uhr 30 auf den Beinen, über 250 Meilen im Schneckentempo über die Landstraßen und dann noch durch den Park. Wir finden, wir haben das Pfadfinderabzeichen 1. Klasse verdient. Jetzt sind wir wieder in einem Motel und was kommt da für ein Bus voller Rentner? Aus dem Harz. Volle Granate Thüringer, die sich im Pool über die Europreise streiten und über Rabatte diskutieren. Ein tolles Treiben! Kaum ist die Mauer weg, schon schwärmen die Thüringer und auch so mancher Erzgebirgler aus und besetzen den Pool. Typisch! Fazit: Der Yosemite Nationalpark ist für jeden Naturliebhaber und/oder Amerikaner ein Muss. Hier kann man alle Sorgen vergessen und einfach nur die Wunder der Natur genießen.

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