10. Tag - Arches NP – Natural Bridges NM – Goosenecks SP – Monument Valley
Wie tags zuvor schon beschlossen krochen wir heute früh aus den Federn. Das nochmalige Fahren in den Arches NP hatte ich nämlich bei meiner Streckenführung nicht eingeplant, und für den heutigen Tag stand ohnehin schon eine umfangreiche Besichtigungstour auf dem Programm. Hier zeigte sich zum ersten mal, dass es für mich die erste selbstgeplante Rundreise war und ich damit noch nicht so große Erfahrung hatte – ein zusätzlicher Tag in den Nationalparks hätte das ganze Programm entzerrt...
So frühstückten wir also noch im Days Inn – gemessen an dem üblichen Donut/dünner-Kaffee-Standardfrühstück der Motels war es sogar ziemlich gut und die Auswahl ansprechend – nebenbei las ich noch ein wenig Zeitung (man will ja schließlich wissen, was in der Welt sonst noch so vor sich geht).
Gegen 08.00 Uhr starteten wir dann in den Arches NP und fuhren gleich durch bis zu dem Punkt, an dem wir tags zuvor unsere Tour beendet hatten. Wir wanderten ein kleines Stückchen und erreichten einen weiteren imposanten Bogen: Skyline Arch
Dieser Arch war bis Mitte des 19. Jahrhunderts viel kleiner, ehe 1940 ein weiteres großes Stück herausbrach und den Bogen so deutlich vergrößerte. Die massiven Gesteinsbrocken, die damals herunterfielen, sind wirklich beeindruckend...
Anschließend fuhren wir weiter zum Trailhead des „Devil’s Garden“.
Wir wanderten also los und erreichten nach kurzer Zeit Tunnel Arch und Pine Tree Arch. Ein Stück weiter trafen wir dann auf den meiner Meinung nach schönsten und filigransten Bogen: Landscape Arch
Auch aus ihm ist vor gar nicht allzu langer Zeit, am 1. September 1991, ein Stück herausgebrochen (erkennbar an der etwas helleren, dünnen Stelle halbrechts), und das auch noch zu einer Zeit, als Touristen darunter standen. Diese vernahmen kurz bevor das Gestein herabstürzte ein Knacken und rannten logischerweise um ihr Leben – wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Ein Schweizer Tourist hielt „den Moment“ sogar noch mit einer Videokamera fest – der Mann muss Nerven haben...
Nach etlichen Fotos wanderten wir weiter und erreichten schließlich eine Stelle, an der das Wandern in Klettern überging – Claudia zog es vor, hier zu warten, weniger wegen der Kletterei als vielmehr wegen des suboptimalen Schuhwerks... Ich ging also allein weiter und wanderte noch das kurze Stück bis zum Wall Arch – ebenfalls ein recht schönes Exemplar. Am Bogen selbst war außer mir nur ein einziger weiterer Tourist, der ausgiebig Fotos schoss. Irgenwann drehte er sich zu mir herüber und meinte: „Amazing, isn’t it?“ – Ich hätte nun selbstverständlich auf Englisch antworten können, habe aber den „Braten“ in Form des deutlich vernehmbaren ostdeutschen Akzents schon gerochen und deshalb nur geantwortet: „Allerdings...!“. Nach einem kurzen Moment des Erstaunens meinte mein Gegenüber aus Thüringen dann lapidar: „Na, dann können wir uns ja gleich auf Deutsch unterhalten!“ und wir lachten beide laut los.
Wir schossen dann noch gegenseitig Erinnerungsfotos und nach einiger Zeit beschloss ich, zur wartenden Claudia zurück und zum Auto zu gehen – unser Zeitplan erlaubte leider nicht mehr die komplette Erkundung des Devil’s Garden.
Der Arches NP sollte uns beiden, vor allem mir, später auch als der schönste Nationalpark in Erinnerung bleiben. Sollte mich eine meiner Reisen nochmal in die Gegend um Moab führen, werde ich den Park sicherlich noch ausgiebiger erwandern. So fuhren wir aber aus dem Park und erreichten nach einiger Fahrzeit unser nächstes Ziel:
Dieser recht kleine Naturpark besteht hauptsächlich aus drei „natürlichen Brücken“ – im Unterschied zu den Arches ist die Ursache für dieses Phänomen nämlich nicht natürliche Erosion durch Regen und Wind, sondern ein darunter hindurchlaufendes fließendes Gewässer.
Gleich an der ersten „Brücke“ kletterten wir einen kleinen Wanderweg halb nach unten, um dort bessere Fotos schießen zu können.
Dass es sich hierbei nicht um einen komfortabel ausgebauten Wanderweg handelte, wird vielleicht daran deutlich, dass dort auch mehrere Leitern zur Bewältigung von steileren Passagen aufgestellt sind.
Man könnte über den Trail auch bis ganz nach unten unter die „Brücke“ wandern; Auf- und Abstieg würden aber mehrere Stunden in Anspruch nehmen, und... ihr wisst schon, es warteten noch mehrere Ziele...
So beließen wir es bei den anderen beiden Natural Bridges bei Fotos von den Viewpoints aus und verließen das National Monument wieder. Es war schon Nachmittag geworden und wir fuhren bei strahlendem Sonnenschein den Highway 261 nach Süden. Doch was war das? Plötzlich tauchte vor uns ein Abgrund auf – wir befanden uns auf einer Art Tafelberg, und dieser fiel steil ab nach unten. Ich begann schon innerlich auf den Rand McNally RoadAtlas zu schimpfen (dieser hatte hier schließlich eine durchgehende Straße eingezeichnet), als ich feststellte, dass tatsächlich eine winzige Schotterstraße in engen Serpentinen nach unten führte. Unten ging die Straße dann weiter – von oben sah diese allerdings aus, als hätte man einen gigantischen Meterstab in die Landschaft gelegt...
Kurz vor Befahren der Schotterstraße fiel mir plötzlich ein, dass im Mietvertrag des Leihwagens von Hertz irgendwas von einem Verbot zum Befahren unbefestigter Straßen stand – um kurz darauf zu beschließen, dass ich das ja mittlerweile schon vergessen hatte...
Wir fuhren also über die Schotterstraße nach unten und amüsierten uns köstlich über die strikten Geschwindigkeitsbeschränkungen auf dieser Straße – als ob man dort überhaupt schneller fahren hätte können, und selbst wenn: Welcher Cop würde hier schon eine Radarmessung durchführen...?
Kurz darauf erreichten wir den Goosenecks SP. Nomen est omen – die Windungen des San Juan River sehen hier tatsächlich aus wie ein Gänsehals. Fotografieren vom einzigen Aussichtspunkt dieses winzigen State Parks war allerdings durch die tiefstehende Sonne des Spätnachmittags nicht einfach... Trotzdem bot sich ein beeindruckendes Bild – wie viele Jahrtausende muss sich der Fluss hier wohl schon so eingraben...?
Weiter ging’s. Kurz vor der Ortschaft Mexican Hat trafen wir dann auf den Felsen, der offensichtlich dem Ort den Namen gegeben hat – Mexican Hat Rock. Kaum zu glauben, dass die Natur diesen Felsen so geschaffen hat, und ein Wunder, dass der "Hut" nicht irgendwann runter fällt...!
Wir hielten uns aber nicht lang auf – schließlich wollten wir unser heutiges Hauptziel noch bei Tageslicht erreichen: Monument Valley!
Schon beim Zufahren auf dieses weltbekannte Tal schoss ich natürlich die ersten Fotos....
Am Parkeingang entrichtete ich dann meinen Obolus – schließlich befindet sich ja Monument Valley auf Indianergebiet, somit hat der National Parks Pass keine Gültigkeit – und lehnte ein Angebot, von den Indianern mittels Pick-Up-Truck durchs Tal gefahren zu werden, dankend ab.
Warum sollte ich dieses nicht gerade günstige Angebot auch annehmen; schließlich hatte ich mich im Verlauf des heutigen Tages schon einmal von der Geländegängigkeit des GrandAm überzeugt... ja, ja, ich weiß... Fa. Hertz wird’s verkraften...
Gleich nach dem Parkeingang befinden sich die berühmtesten der „Buttes“, wie diese Gebilde genannt werden: East und West Mitten Butte sowie Merrick Butte
Endlich standen wir vor diesen Felsen, die wir schon zig mal im Fernsehen in diversen Western gesehen hatten!
Weiter ging die Fahrt an den verschiedenartigsten Felsformationen weiter. Diese tragen, wie in den USA üblich, natürlich phantasievolle Namen, wie Elephant Butte, Camel Butte oder Totem Pole. Wieviel "Feuerwasser" im Spiel sein muss, bis ein Indianer dieses Gebilde als Kamel betrachtet, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis...
Etwa eine Stunde fuhren wir so im Valley umher, bis wir alles gesehen hatten. An einer Art Aussichtspunkt erklärte gerade ein Indianer, offensichtlich Führer einer der vorher erwähnten Touren, den Touristen die verschiedenen Felsen des Tals. Einen der Touristen konnte ich zu einem Erinnerungsfoto überreden...
Wir fuhren wieder Richtung Eingang des Tals und hielten noch einmal bei den drei berühmten Buttes. Jetzt zahlte es sich aus, dass wir am Nachmittag „auf die Tube“ gedrückt hatten: Wir erwischten jetzt nämlich das wundervolle Licht der Abenddämmerung, um die Buttes noch einmal zu fotografieren.
Wir verweilten noch bis fast zur Dunkelheit dort und genossen den atemberaubenden Anblick. Fast wäre es schon zu spät geworden, denn die Einfahrt zum Park war schon zugesperrt und weit und breit kein Indianer in Sicht... Abhilfe brachte aber ein kleines Schildchen, das einem den Weg zu einem kleinen Nebenausgang wies.
Wir fuhren dann weiter durchs nächtliche Arizona und wollten uns in Kayenta eine Bleibe suchen – das Vorbuchen der im Tal befindlichen Gouldings Lodge hatte ich wegen der doch recht hohen Preise bleiben gelassen. Leider war trotz intensivster Suche in Kayenta kein Zimmer mehr aufzutreiben, so dass uns nichts übrig blieb, nach einem kurzen Abendessen bei BurgerKing weiterzufahren. Kurz darauf entdeckten wir aber, etwa 10 Meilen hinter Kayenta, eine kleine Trading Post am Rand des Highway, an die auch ein Motel angeschlossen war. Das „Anasazi Inn“ bestand zwar eher aus einem von außen alles andere als schönen Containerdorf, aber letztlich waren wir froh, noch eine Unterkunft gefunden zu haben. Beim Betreten unseres „Zimmers“ (Containers?) waren wir dann allerdings positiv überrascht – die Ausstattung umfasste eine komplette kleine Küche, einen großen Kühlschrank und ein großes, komfortables Bett. Hätte man so von außen gar nicht vermutet...
Hundemüde fielen wir nach einer Dusche auch recht schnell ins Bett; und ein weiterer ereignisreicher Tag lag hinter uns.
11. Tag - Kayenta – Page – Grand Canyon – Williams