15. Tag - San Diego
Nach dem Aufstehen versorgten wir uns in der Lobby wieder mit den selbstgebackenen Waffeln und dem wie üblich dünnen Kaffee. Anschließend stellten wir fest, dass wir die Pläne für den heutigen Tag wohl ad acta legen können. Ursprünglich hatten wir nämlich ins Auge gefasst, einen Faulenzer-Tag einzuschieben und diesen am Strand der Halbinsel Coronado zu verbringen, der ja nach Hawaii der schönste Strand der USA sein soll.
Wie schon die letzten beiden Tage regnete es aber immer noch, so dass ein Strandaufenthalt keinen Sinn gemacht hätte. Nun kam uns in den Sinn, dass wir an der Stelle, an der die Kreuzfahrtschiffe anlegen, eine Haltestelle der „Old Town Trolley Tours“ gesehen hatten; dies sind Stadtrundfahrten mit urigen, alten Kleinbussen. Weil wir außer dem Gaslamp Quarter und Sea World ohnehin noch nicht viel von San Diego gesehen hatten, beschlossen wir, eine solche Tour zu mitzumachen.
Nach einigem Warten auf den Bus, bei dem wir neben dem strömenden Regen auch noch von Sturmböen vom Atlantik her eingedeckt wurden, kam der „Trolley“ dann auch an. Wir stiegen in den Wagen ein und fuhren mit. Wie man auf dem Bild deutlich erkennen kann, sank nach unserem Einsteigen das Durchschnittsalter im Bus um ca. 15 Jahre...
Hier muss gesagt werden, dass die Trolley Tours in San Diego nach dem hop-on / hop-off Verfahren betrieben werden – man kann an jeder der insgesamt acht Haltestellen aussteigen, sich dort aufhalten und irgendwann mit dem nächsten Trolley mitfahren. Eine schöne Einrichtung, wie wir fanden.
Wir fuhren also los und kamen beim nächsten Stop am Seaport Village an. Das Village stellt eine Ansammlung von diversen Läden dar, die hauptsächlich Geschenkartikel, Souvenirs und ähnlichen Krimskrams verkaufen. Von dort aus hat man aber auch einen schönen Überblick auf den Militärhafen in der San Diego Bay. Der Fahrer des Trolleys, der gleichzeitig als Führer fungierte, erklärte uns, dass in San Diego traditionell das „Rückgrat der amerikanischen Pazifik-Flotte“ vor Anker liegt. Aktuell lagen gerade zwei der größten Flugzeugträger der Welt im Hafen: die „USS Abraham Lincoln“ und die brandneue „USS Ronald Reagan“ (links). Beide haben etwa eine Länge von 380 m und würden, auf die Spitze gestellt, etwa gleich hoch sein wie das Empire State Building. Wer die Schiffe allerdings in dieser Weise aufstellen sollte, hat er uns dann nicht verraten...
Wir setzten unsere Fahrt fort und kamen als nächstes bei der „USS Midway“ vorbei – dieser Flugzeugträger liegt zwar auch hier vor Anker, aber er ist dekommissioniert, d. h. außer Dienst gestellt und wird heute nur noch als Museum genutzt. Die „Midway“ ist der am längsten genutzte Träger der US-Geschichte, er war ab 1945 im Einsatz und wurde zuletzt in der Operation „Desert Storm“ 1991 genutzt.
Weiter führte uns die Fahrt am Convention Center vorbei in Richtung Innenstadt. Der Fahrer zeigte sich nun von seiner lustigen Seite; denn je nachdem, welcher Stadtteil gerade befahren wurde, setzte er sich eine neue Kopfbedeckung auf. In einem Neubaugebiet einen Bauarbeiterhelm, am Qualcomm Stadium der San Diego Chargers eine Fan-Kappe des Teams usw.
Der Weg führte uns nun ins Zentrum, und am uns schon bekannten Horton Plaza gab es ebenfalls eine Haltestelle. Da es mittlerweile Mittag war, beschlossen wir, eine kleine Stärkung zu uns zu nehmen. Neben dem Einkaufszentrum entdeckten wir den Gasthof zum goldenen „M“ und beschlossen, ausnahmsweise hier mal eine Kleinigkeit zu essen. Im Restaurant selbst war ich absolut positiv überrascht: Statt der üblichen hässlichen Plastikbestuhlung gab es hier massive und formschöne Holzmöbel, der Boden war mit Marmorplatten gekachelt und in der Ecke stand neben einigen Pflanzen sogar ein Konzertflügel (!). Das ganze Ambiente wurde durch dezente Hintergrundmusik in Form von Klassik à la Beethoven und Mozart abgerundet. Leute, ich kann Euch sagen: So stilvoll habe ich noch nie einen Quarterpounder verzehrt...
Nach dem Essen nahmen wir wieder den nächsten Trolley, der uns schnurstracks über die Coronado Bay Bridge auf die gleichnamige Halbinsel brachte. Während der Fahrt erzählte der Fahrer von den horrenden Grundstückspreisen auf Coronado, die zur Folge haben, dass sich nur die wirklich Gutbetuchten Kalifornier dort ein Anwesen leisten können. Höhepunkt der Insel ist selbstverständlich das berühmte „Hotel Del Coronado“, bekannt aus dem Film „Manche mögen’s heiß“. Leider konnten wir aufgrund des Regens auch nur einen kleinen Blick darauf erhaschen, aussteigen war uns dann doch zu feucht...
Wir blieben also an Bord des Trolleys und fuhren zurück über die Brücke. Die nächste Station war der berühmte Zoo von San Diego, der angeblich einer der besten der Welt sein soll. Wir besichtigten aber den Zoo selbst nicht, weil wir für den Folgetag schon andere Pläne hatten und es zudem schon Nachmittag war. Durch den Balboa Park führte der Weg weiter zum Old Town State Park, ein historischer Distrikt von San Diego. Diese sehr nett angelegte Anlage besteht aus kleinen alten Holzhäusern, in denen sich Läden, kleine Museen und Saloons befinden. Natürlich fehlen auch die allgegenwärtigen Souvenir-Shops nicht. Ein wenig wirkt hier alles wie eine alte Westernstadt.
Wir betraten einen schönen Saloon und tranken ein paar Bier, während wir mit dem Barkeeper plaudern. Nach der obligatorischen Frage, woher wir kommen würden, meinte er sinngemäß: „Ach ja, der Herbst ist wieder angebrochen. Jetzt kommen die europäischen Touristen, vor allem Deutsche und Franzosen.“. Ich fragte diesbezüglich näher nach und es stellte sich heraus, dass er seit Jahren dieses Phänomen beobachtet, dass „die Europäer“ erst nach der Hauptreisezeit im Sommer kommen würden. Das war mir selbst zwar auch neu, ich dachte mir aber, dass es wohl an den sehr hohen Flugpreisen im Sommer liegen muss.
Nach etwa zwei Stunden nahmen stiegen wir wieder in einen Trolley ein und fuhren weiter. Die nächste Station war dann wieder das „Cruise Ship Terminal“, also die Haltestelle, an der wir die Rundfahrt begonnen hatten.
Am Abend hörte es dann zu regnen auf und die Sonne kam sogar kurz heraus. Wir nutzten diese schon nicht mehr für möglich gehaltene Wetterlage, um einen Spaziergang am Hafen zu machen. Neben den großen Kreuzfahrt- und Kriegsschiffen gibt es in San Diego natürlich auch noch haufenweise Fischkutter, die hier vor Anker liegen...
Nach dem Spaziergang statteten wir dem Hard Rock Cafe San Diego noch einen Besuch ab, das aber meiner Meinung nach gegenüber den meisten anderen Ablegern dieser Kette stark abfällt – sehr klein und nicht wirklich schön ausgestattet...
Am Abend sahen wir uns dann in einer Sportsbar wieder das Baseball-Spiel an. Die Red Sox schafften tatsächlich die Sensation und kickten die Yankees nach 3-0 Rückstand noch mit 3-4 Spielen aus der Meisterschaft. Obwohl mich Baseball bis zu diesem Zeitpunkt eher peripher interessierte, fieberte ich richtig mit, schließlich hatte ich Boston als Stadt seit meinem ersten USA-Trip 1997/98 ins Herz geschlossen.
Insgesamt war heute kein wirklich aufregender Tag – unser geplanter Strandurlaub fiel buchstäblich ins Wasser und so mussten wir halt improvisieren. Gottlob sollte dies aber dann auch der letzte Regentag der Reise gewesen sein...
16. Tag - San Diego – Wild Animal Park – Los Angeles