19. Tag - Monterey – San Francisco
Der Tag begann so ähnlich, wie der letzte aufgehört hatte – mit einem Besuch im “Denny’s”, diesmal natürlich zum Frühstücken. Dabei fiel mir ein Angebot der Kette auf, das mir wirklich in Erinnerung blieb: Kinder unter 12 frühstücken in Begleitung eines Erwachsenen komplett gratis – das nenne ich mal Kinderfreundlichkeit, da könnte sich so manches Restaurant in Deutschland eine Scheibe abschneiden! Wir selbst hatten von diesem Angebot natürlich nichts, der nette Herr am Nebentisch machte aber dafür umso mehr Gebrauch davon, hatte er doch als ein einzelner Erwachsener gleich sechs (!) kleine Schreihälse dabei, die sich alle auf Kosten der Kette mit dem gelben Schild die Mägen vollschlugen. Offensichtlich hatten ihm alle Nachbarn, die länger ausschlafen wollten, ihren Nachwuchs vorbeigebracht, und er hatte die Rasselbande jetzt am Hals. Wir schauten genüsslich der Szene zu und konnten uns ein Schmunzeln nicht verkneifen...
Nach dem Frühstück fuhren wir zum Old Fisherman’s Wharf und parkten in der Nähe unser Auto.
Wie auch in San Francisco gibt es hier Dutzende von Souvenirläden und Restaurants mit Seafood. Wir beließen es aber bei einem kurzen Spaziergang und setzten unseren Weg fort zum eigentlichen Hauptziel des heutigen Tages:
Wir entrichteten am Eingang das Eintrittsgeld von knapp $20 pro Person, was mir auf den ersten Blick etwas happig vorkam. Von SeaWorld und den Universal Studios abgehärtet nahm ich aber auch das noch in Kauf, und wir sollten es nicht bereuen.
Nach dem Eingang fällt einem sofort die Hauptattraktion des Aquariums auf: Das große runde Becken mit einem Wald aus Seetang und hunderten Fischen darin, genannt „Kelp Forest“.
Dieser gigantische Wassertank ist wirklich atemberaubend. Mit einer Höhe von etwa 8,5 m erstreckt er sich über drei Stockwerke und beherbergt ganze Schwärme von Fischen. Wir verbrachten insgesamt wohl etwa eine halbe Stunde nur staunend davor und betrachteten das Leben im Tangwald. Allein schon diese Attraktion ist das Eintrittsgeld in jedem Fall wert.
Danach sahen wir uns die kleineren Becken an. Hier wird einem die Vielfalt der Unterwasserwelt hautnah präsentiert.
Auffallend war, dass die Becken nicht nur strikt wissenschaftlich dargestellt wurden, sondern auch spielerisch-einfache Erklärungen für Kinder vorhanden waren. Da es sich ja um ein Wochenende handelte, waren diese auch reichlich vorhanden und hatten sichtlich Spaß mit den Becken.
In einem anderen Bereich gab es eine größere Ausstellung mit „Jellyfish“, also Quallen. Diese Becken waren in einer speziellen Art beleuchtet und so erstrahlten die exotischen Meeresbewohner in leuchtenden Farben. Es war übrigens ziemlich schwierig, ein annähernd authentisches Bild mit der Kamera zu schießen; das Blitzlicht nahm der Szene nämlich vieles der Farbenpracht. Unter anderem gibt es dort auch die „Upside-Down-Jellyfish“, die immer mit dem Kopf nach unten schwimmen. Andere Quallen haben meterlange Tentakeln, und es grenzt schon an ein Wunder, dass sich diese in dem Aquarium nicht heillos ineinander verknoten...
Ein anderes Becken war die Heimat von etwa zwei Dutzend Moränen, die in durchlöcherten Felsen hausten. Bis auf wenige Zentimeter kam man hier an diese Raubfische heran, und wir staunten nicht schlecht, wie viel unterschiedliche Farben und Größen es von diesen schlangenartigen Fischen gibt.
Im Monterey Bay Aquarium gibt es auch einen Außenbereich, wo man Seevögel und Robben im Pazifik besichtigen kann – wegen des schlechten Wetters war dort allerdings nicht allzu viel zu sehen. Weitere Becken beheimaten Rochen, Hammerhaie und ganze Rifflandschaften.
Wir blieben insgesamt gute zwei Stunden im Aquarium und sahen uns alles genau an. Danach schlenderten wir noch ein wenig in der „Cannery“ (bekannt aus John Steinbeck’s „Die Straße der Ölsardinen“), in der früher Fisch verarbeitet wurde. Heute befinden sich kleine Läden, eine Ausstellung und – wie könnte es anders sein – etliche Restaurant darin. Wir nutzten dies dazu, uns bei der „Starbüchse“ zwei große Becher Kaffee zu organisieren.
Danach machten wir uns auf den Weg zum „17-Mile-Drive“, einer Rundfahrt in und um Monterey und Pebble Beach. Am Beginn des „Scenic Drive“ waren erst mal $8,50 zu entrichten – wer dieses Eintrittsgeld einstreicht und für was es ausgegeben wird, ist mir bis heute nicht klar. Was soll’s – die acht Kröten machten das Kraut auch nicht fett und so fuhren wir, ausgestattet mit einer „wertvollen, mehrseitigen Farbbroschüre“ in die Rundfahrt ein.
Zuerst führt die Rundfahrt durch Huckleberry Hill, einem Ort, in dem sich viele schwerreiche Kalifornier ihre Villen errichten ließen. Nach kurzer Zeit kommt man direkt am Pazifik an. Wir stiegen aus und gingen an den Strand, um dort die starke Brandung zu beobachten.
Das Meer erzeugte hier eine starke Gischt, und es lag haufenweise gestrandeter Tang, Äste und anderes Treibgut im Sand.
Weiter führte der Weg an Golfplätzen vorbei an der Küste entlang. Immer wieder traf man auf schöne Aussichtspunkte, die zum Verweilen und Fotografieren einluden. Einer der berühmtesten ist dabei die „Lone Cypress“, ein Baum, der schon seit etwa 250 Jahren allein auf einem Felsen stehend Wind und Wetter trotzt.
Nach der Rundfahrt machten wir uns auf den Weg in Richtung San Francisco. Nach gut zwei Stunden Fahrzeit bei traumhaftem Wetter auf dem Highway N°1 erreichten wir schließlich die Stadt, in der unsere Reise vor gut zwei Wochen begonnen hatte – diesmal fuhren wir allerdings an der Pazifikküste in die Stadt hinein.
Da es schon Spätnachmittag war, fuhren wir nicht gleich zu unserem Hotel – Lage und Erreichbarkeit war uns ja schon von der ersten Nacht her bekannt – sondern steuerten schnurstracks den Coit Tower an, den wir heute noch besichtigen wollten. Dabei ging es zum zweiten mal über die weltberühmten Kurven der Lombard Street.
Nach einigem mühsamen Suchen konnten wir am Coit Tower schließlich auch einen Parkplatz ergattern. Der Turm selbst ist ein Geschenk von Lillie Coit, die Witwe des schwerreichen Howard Coit, an die Stadt und die Feuerwehr der Stadt San Francisco. Wir fuhren mit dem Aufzug hinauf in die Spitze und genossen dort den Sonnenuntergang und den wunderschönen Ausblick auf die Skyline von San Francisco und die Bay.
Nach dem Besuch des Coit Tower fuhren wir zu unserem Hotel. Wie auch am Beginn der Reise war der Checkin einfach und problemlos, schließlich hatte ich ja vorgebucht. Wir gingen dann die paar Blocks zurück bis zur Hyde Street und warteten dort auf eine der berühmten Cable Cars. Nach einigen Minuten, die ich damit verbrachte, mir die kuriose Konstruktion des unter der Straße laufenden Kabels anzusehen, traf dann auch mit lautem Getöse ein Wagen ein. Wir stiegen auf die Plattform und los gings...
Es war schon erstaunlich, wie zügig die Cable Car trotz des recht spektakulären Antriebs die Hügel hinauf- und wieder hinunterfuhr. Ein gesundes Gottvertrauen musste man dabei aber schon haben, anfangs war ich mir nämlich nicht sicher, ob der „Gripman“ in der Mitte das Vehikel bei abschüssiger Straße noch rechtzeitig bremsen kann...
In der Innenstadt angekommen schlenderten wir zum Steakhouse „Alfred’s“ nahe der Transamerica Pyramid. Bei meinen Planungen für die Reise war ich auf die Homepage des Restaurants gestoßen, dessen Speisekarte auch ein 60-Unzen-Steak (!) beinhaltet. Leider war kein Tisch frei, und eine Wartezeit von mindestens einer Stunde war uns zu viel. So suchten wir uns ein anderes Restaurant und wurden auch prompt fündig. In der Mason Street unweit des Union Square stießen wir auf „Lori’s Diner“, einer kleinen Restaurantkette in San Francisco. Das Restaurant war richtig gemütlich im Stil eines 50er-Jahre-Diners eingerichtet, und die Preise wirkten für Innenstadtverhältnisse keineswegs überzogen.
Nach dem Essen spazierten wir noch ein wenig am Union Square umher. Interessant am Rande: Das mondäne Crowne Plaza Hotel wurde in diesen Tagen bestreikt, die gesamte Belegschaft stand demonstrierend mit Trillerpfeifen und Transparenten vor der Nobelherberge und machte Passanten auf die unmoralischen Geschäftsmethoden der Firmenleitung aufmerksam. Unter anderem wollte diese Gehaltskürzungen und Arbeitszeitverlängerungen durchsetzen (wieso kommt mir das so bekannt vor...?). Übrigens wurde der Streik während unserem gesamten Besuch in San Francisco aufrechterhalten – wie viel Geld allein in diesem Hotel dem Konzern dadurch entgangen ist, wäre mal interessant zu erfahren.
Etwas später traf ich auf zwei Polizisten des San Francisco Police Department, die mit Mountainbikes auf Fahrradstreife waren. Natürlich hielt ich mit den Berufskollegen gleich mal eine Viertelstunde lang Smalltalk, und man tauschte Erfahrungen aus. Wirklich nett, wie sich dort um Touristen gekümmert wird. Interessant auch, dass ich zum ersten Mal auf Amerikaner traf, denen zu den Begriffen „Bavaria“ und „Munich“ was anderes einfiel als „Oktoberfest“ – die bayerische Landeshauptstadt war für einen der beiden vor allem wegen seiner Museen und der schönen Innenstadt bekannt. Mit einer Empfehlung für eine gute Sportsbar verabschiedeten wir uns und genossen noch ein paar Drinks in eben jenem Lokal.
Mit dem Taxi ging es danach zurück zum Hotel, in dem wir diesmal ein schönes ruhiges Zimmer im dritten Stock bekamen. Die Aussicht auf einen Garagenhof war zwar nicht wirklich berauschend, aber allzu viel Zeit sollten wir ohnehin nicht auf dem Zimmer verbringen.
20. Tag - San Francisco – Muir Woods – Napa Valley