1. Tag: München - Flug nach San Francisco
Nachdem wir uns wochenlang schon auf die Reise gefreut hatten, und sowohl das Oktoberfest (für mich hieß das nur viel Arbeit) als auch die Hochzeit eines eng befreundeten Paares am 03.10.04 gut „über die Bühne“ gebracht war, ging es am Morgen des 06.10. endlich los. Das kurze Stück (etwa 30 km) bis zum Flughafen MUC wurden wir von einem Bekannten gefahren, und angesichts des miserablen Wetters hier in Bayern waren wir froh, nun in wärmere Gefilde fliegen zu können.
Es war zwar für uns keineswegs die erste Flugreise, aber dennoch eine Premiere: Zum ersten Mal hatte ich keine richtigen „Tickets“ in der Hand, sondern war über E-Tickets gebucht. Meine Befürchtungen, wir würden mit gepackten Koffern am Flughafen stehen und es wäre keine Buchung vorhanden, bestätigten sich aber gottlob nicht: Die Buchung war von dem Reiseveranstalter mit den drei „o“s genau so vollzogen worden, wie von uns beauftragt. Leider war der Direktflug von München nach San Francisco nicht mehr erhältlich, so dass wir erst den kurzen Zubringerflug nach Frankfurt auf uns nehmen mussten, bis wir in den „richtigen“ Vogel steigen konnten: Die Boeing 747 „Hamburg“ der Lufthansa...
Der Flug gestaltete sich recht angenehm, obwohl ich zu meinem Ärger feststellen musste, dass wir in der Sitzreihe gleich vor den Toiletten saßen – geruchsmäßig kein Problem, aber unglücklicherweise ließ sich dadurch die Rückenlehne nur minimal nach hinten verstellen. Was soll’s – ich kann im Flieger eh nie schlafen, schon gar nicht bei Tag. So brachte ich die approximativ 11 Stunden Flug damit herum, zu lesen („Volle Deckung, Mr. Bush“ – wie passend...) und mit meinem Sitznachbarn zu plaudern. Wie sich herausstellte, war dieser ältere Herr ein pensionierter Lufthansa-Flugkapitän aus der Frankfurter Gegend, der seine Stammtischrunde zu einem Westküsten-Trip eingeladen hatte: Flugtickets pro Person für sage und schreibe 60.- €uro – was doch Firmenzugehörigkeit für Vorteile haben kann...
Jedenfalls erfuhr ich von ihm, dass er früher exakt die selbe Strecke (FRA-SFO) x-mal selbst mit der 747 geflogen ist und so konnte er mir auch haufenweise technische Details über die Boeing und Anekdoten von früheren Flügen erzählen – eine echte Auflockerung, wie ich fand.
Die Flugroute führte, wie üblich, über die britische Insel, Grönland, Thunder Bay und Salt Lake City direkt zum Flughafen San Francisco.
Gegen 14.00 Uhr Ortszeit war es dann so weit: Landung in Kalifornien. Bei der Immigration lernten wir dann gleich die neueste Waffe im „Kampf gegen den Terrorismus“ kennen: Die Abnahme biometrischer Daten bei der Einreise. Meine Befürchtungen, es würde eine komplette erkennungsdienstliche Behandlung durchgeführt, bestätigten sich allerdings nicht: Lediglich beide Zeigefinger wurden gescannt und ein Foto mit einer Art Mini-Kamera wurde gefertigt. Die ganze Prozedur dauerte nicht viel mehr als 30 Sekunden, und so kam es dann auch zu keinen nennenswerten Schlangen bei der Einreise.
Nach dem Passieren der Zollkontrolle war mir dann schon bedeutend wohler – unser Gepäck wurde nicht kontrolliert... Da war doch noch was mit 25 Dosen Paulaner Weißbier in unserem Gepäck; und hatte ich auf dem Zollformular nicht etwas von „maximum one liter alcoholic beverages per person“ gelesen? Egal, meine „basic fundamental nutrition“ hatte die Kontrolle ohne Deklarierung überlebt und nun hieß es, sich um den Mietwagen zu kümmern.
Hier zeigte sich zum ersten Mal, wie modern und fortschrittlich der Flughafen SFO doch ist – mit dem kostenlosen AirTrain war es trotz mehrerer schwerer Gepäckstücke kein Problem, zum Car Rental Center zu gelangen – lustigerweise war auch hier der pensionierte Flugkapitän wieder mit uns im Abteil.
Im Car Rental Center angekommen traf mich fast der Schlag: Endlose Schlangen bei allen Vermietern – das hieß erst mal warten. Die Abfertigung erfolgte dann aber zügig und nach etwa einer halben Stunde waren wir bei Hertz an der Reihe: Ohne Probleme erhielt ich unseren Schlüssel und ging in die Garage – dort erwartete ich den von mir bestellten „Compact“. Auf dem zugewiesenen Parkplatz stand aber zu meiner Freude ein goldfarbener Pontiac GrandAm, frisch gewaschen und fast nagelneu (ca. 4000 mls auf dem Tacho). Wie sich später herausstellte, verkauft diesen Hertz normalerweise als Midsize – kein schlechter Deal also für uns.
Genussvoll fuhr ich also mit dem GrandAm, dessen V6-Maschine mich durchaus überzeugen konnte, Richtung Downtown San Francisco. Ohne großes Suchen fanden wir auch das von uns vorgebuchte „Buena Vista Motor Inn“ an der Lombard Street. Einchecken ging ebenso problemlos wie schnell, und kurz darauf saßen wir in unserem Zimmer, das gemessen am niedrigen Preis wirklich sehr schön war.
Claudia packte erst mal ihre Tasche aus, und schon der erste Schocker: Eine der Dosen mit meiner ernährungstechnischen Grundversorgung hatte die rüde Behandlung der Gepäckstücke an einem der Flughäfen nicht überlebt und so waren ein paar von Claudias Wäschestücken jetzt mit dem begehrten Gerstensaft getränkt. Das sorgte natürlich erst mal für Missstimmung – bei Claudia wegen der Wäsche, bei mir... na ihr wisst schon.
Die besagten Teile wurden dann aber flugs mit einem Schuss „Rei in der Tube“ (oder so was ähnliches) im Waschbecken eingeweicht, und wir schlenderten nach dem Umziehen gleich mal zum nahegelegenen Fisherman’s Wharf. Was für ein herrlicher Anblick – endlich am Ziel der Träume! Die sonnige Bay, das lauwarme Wetter und nicht allzu viel Betrieb. Wir genossen erst mal die Impressionen und schlenderten ein wenig umher...
Um punkt 18.00 Uhr fanden wir uns dann vor dem Hard Rock Café ein – und trafen dort auf meinen Arbeitskollegen nebst seiner Freundin! Wer nun an irgendeinen Mega-Zufall denkt, ist auf dem Holzweg: Das war von uns so abgemacht. Martin und Steffi haben eine sehr ähnliche Tour etwa zwei Wochen vor uns gemacht und waren am Schluss ihrer Reise zu Besuch bei Steffis Bruder, der in Davis bei Sacramento lebt. So entstand die Idee, sich doch mal in Kalifornien auf ein Bierchen zu treffen. Unser erster Tag und deren vorletzter Tag stimmten überein, und so saßen wir kurz später beim ersten Burger mit Fries im HRC und ich genoß ein kühles Sam Adams. Die beiden erzählten uns einige ihrer Eindrücke aus den letzten zwei Wochen, was unsere Vorfreude auf die vor uns liegende Reise noch steigerte.
Gegen 19.30 Uhr Ortszeit (für unsere innere Uhr war es ja schon 04.30 Uhr morgens!) waren wir dann aber doch so müde, dass wir zurück zum Hotel gingen und vollkommen fertig ins Bett fielen.
2. Tag - San Francisco – Sacramento – Lake Tahoe