20. Tag - San Francisco – Muir Woods – Napa Valley
Morgens schlenderten wir die etwa 10 Minuten Fußmarsch hinunter zum Fisherman’s Wharf, wo uns der Weg zuerst zu dem kleinen Gebäude der “Blue and Gold Fleet” führte. Wir erkundigten uns nach Karten für die Überfahrt nach Alcatraz und erfuhren, dass trotz der Nachsaison für den aktuellen Tag keine Tickets mehr erhältlich waren. Bei meinen Reiseplanungen hatte ich von der Knappheit der Karten schon gehört, so dass mich dies nicht mehr wirklich überraschte. Wir reservierten also Tickets für den Morgen danach vor, bezahlten diese und begaben uns dann erst mal in den nahegelegenen „Starbuck’s“, um dort einen Kaffee zu genießen.
Da es ja mit der Besichtigung von „The Rock“ heute nichts mehr werden würde, beschlossen wir, den Tag für einen Trip in die Gegend nördlich der Bay zu nutzen. So gingen wir zurück zum Hotel und fuhren die Lombard Street Richtung Westen hinunter, schnurstracks auf die weltberühmte Golden Gate Bridge zu. Vieles hatte ich in der Vergangenheit, vor allem während der Planungsphase für diese Reise, von der Brücke schon gehört und gelesen, und heute sollten wir sie ganz aus der Nähe zu Gesicht bekommen.
Wir fuhren also kurz vor der Brücke rechts ab, wo sich das kleine Visitors Center der Golden Gate Bridge befindet. Dort ergatterten wir auch recht schnell einen Parkplatz und lasen uns die diversen Informationstafeln über die Brücke durch. Ein Erinnerungsfoto durfte natürlich nicht fehlen.
Die Ausmaße der Brücke sind wirklich beeindruckend: 227 m ragt jeder der beiden Pfeiler aus dem Wasser, die Gesamtlänge der Brücke, inklusive der Auf- und Abfahrten beträgt 2737 m, und der Durchmesser des 2332 m langen Hauptkabels liegt bei sagenhaften 92 cm. Gemessen an der Bauzeit der Brücke vor 1937 sind dies wirklich gigantische Ausmaße.
Wir blickten uns noch in dem Souvenirladen vor Ort um, fanden aber nichts wirklich Kaufenswertes. Anschließend fuhren wir zurück auf die Straße, um endlich selbst die Brücke zu überqueren. Ich passte einen geeigneten Moment ab, in dem im ohnehin nur schwachen Verkehr eine größere Lücke entstand, und so konnte ich quasi im Schneckentempo über die Golden Gate fahren, ohne jemanden zu behindern. Claudia knipste indessen mit unserer Canon, dass die Linse glühte – das war natürlich während der Fahrt nicht immer einfach. Trotzdem entstanden schöne Aufnahmen von den Brückenpfeilern...
Nachdem wir die Nordseite der Bucht erreicht hatten, fuhren wir noch ein kleines Stück weiter und fuhren bei Mill Valley zu unserem letzten Nationalpark der Rundreise:
Am Visitors Center nutzten wir noch einmal unseren National Parks Pass und erhielten wie immer nützliches Karten- und Infomaterial. In den Muir Woods sind die sog. Coastal Redwoods Mammutbäume beheimatet. Diese weisen im Gegensatz zu den Sequoias, die wir im Mariposa Grove bestaunt hatten, viel schlankere Stämme auf, erreichen aber dafür Höhen von bis zu 120 m.
Wir wanderten auf dem schattigen Trail durch den Nationalpark und schauten uns die Baumriesen an. Immer wieder trafen wir auf kleinere Gruppen, denen von einem Park Ranger die Bäume, Farne und auch Tiere des Parks erklärt wurden. Wir hörten dann oft gespannt zu und erfuhren so einiges Wissenswerte.
Die Coastal Redwoods waren früher an der gesamten Westküste beheimatet. Sie versorgen ihre Wurzeln mit Wasser, indem der vom Pazifik hereinziehende Nebel an den Nadeln der Baumwipfel kondensiert und dann heruntertropft. Heute gibt es nur noch geringe Bestände der Redwoods, da diese sich gut als Bauholz eigneten und deshalb in der Pionierzeit und während des Goldrauschs dem Kahlschlag zum Opfer fielen. Die Bäume in den Muir Woods verdanken ihr Überleben einzig und allein der Tatsache, dass dieser Hain so schlecht zugänglich war, dass man auf den Einschlag dieser Bäume verzichtete – der Abtransport wäre zu umständlich gewesen.
Unter anderem gibt es im Park auch eine Art grüner Nacktschnecken, die giftig sind und beachtliche Größen erreichen können – hier ein kleineres Exemplar davon...
Wir wanderten noch eine ganze Zeitlang im Park und verließen diesen nach etwa zwei Stunden wieder. Beim Verlassen des Parks waren wir ganz froh, die Besichtigung bereits hinter uns zu haben – während wir recht unbehelligt durch den nur spärlich besuchten Hain hatten wandern können, strömten jetzt ganze Heerscharen von Touristen herein, und mit der Ruhe war’s natürlich vorbei...
Mittlerweile war es Mittag geworden, und es herrschte ein herrliches Wetter in der Bay Area. Wir hielten an einem Ableger der „Subway“-Kette und teilten uns ein Footlong-Sub.
Weiter führte uns der Weg durch Sonoma und Napa Valley. Diese Weinanbaugebiete Kaliforniens wurden im 19. Jahrhundert vor allem durch eingewanderte Italiener begründet und zählen nicht zuletzt wegen des hervorragenden Klimas heute zu den besten Weinanbaugebieten der Welt. An einer der zahlreichen Winzereien, der „Charles Krug Winery“ machten wir Halt und ließen uns zu einer kleinen Weinprobe überreden. Für $5 pro Person testeten wir die Erzeugnisse des 1861 gegründeten Hauses, welche durchaus zu überzeugen wussten. Generell ist hier zu sagen, dass die kalifornischen Weine im Allgemeinen viel gehaltvoller und schwerer sind als die Deutschen oder auch die Italienischen Tropfen.
Nach der Weinprobe hätte man selbstredend die Möglichkeit zum Kauf der hauseigenen Produkte gehabt; Flaschenpreise von $15 aufwärts waren uns dann aber doch zu happig – da bleibe ich doch lieber beim soliden trockenen Riesling aus Rheinhessen...
Wir fuhren weiter durch die Weinanbaugebiete und kamen so am Spätnachmittag zurück zur Bay, wo wir aber nicht gleich wieder über die Golden Gate Bridge fuhren, sondern uns erst einmal rechts hoch Richtung Marin Headlands orientierten. Dieser Vista Point ermöglicht einem den wohl spektakulärsten Ausblick auf die Brücke und die Silhouette der Stadt dahinter. Das Wetter war zwar mittlerweile nicht mehr wirklich optimal, aber zumindest herrschte kein Nebel, der die Sicht verdeckt hätte. Die beginnende Dämmerung tauchte die Szene dann auch in ein wunderbares Licht.
Nach einiger Zeit, es war mittlerweile schon 19.00 Uhr, erschien ein Park Ranger und machte die wenigen Besucher darauf aufmerksam, dass der Bereich wie jeden Abend nun geschlossen wird. Wir fuhren deshalb etwas weiter nach unten, wo eine weitere Perspektive der Brücke zum Fotografieren einlud.
Nun hatte ich die Idee, uns selbst vor der schönen beleuchteten Brücke ins Bild zu bringen – aber irgendwie wollte es mir nicht recht gelingen. Bei zugeschaltetem Blitz sah man nur uns beide im Vordergrund, während bei abgeschaltetem Blitz und aufgelegter Kamera nur die Lichter der Brücke, nicht aber wir selbst im Vordergrund erkennbar waren. Hier zeigte sich einmal mehr die Hilfsbereitschaft der Amerikaner: Außer uns beiden waren noch zwei junge Texanerinnen an dem Aussichtspunkt, die meine verzweifelten Bemühungen auch bemerkten. Sie fragten mich sofort, ob sie helfen könnten, und nach einiger Überlegung kam mir eine Idee: Nach kurzer Rücksprache halfen mir die beiden mit dem Fernlicht ihres Cabrios, den Vordergrund zu beleuchten, und so schaffte ich mit ausgeschaltetem Blitz, Selbstauslöser, langer Verschlußzeit und aufgelegter Kamera schließlich, ein einigermaßen brauchbares Bild von uns beiden zu erstellen...
Wir bedankten uns herzlich bei den Beiden, die an der Erstellung des Fotos übrigens auch sichtlich Spaß hatten. Anschließend fuhren wir endgültig von Marin Headlands hinunter – der Park Ranger saß uns nämlich auch schon wieder im Nacken – und den kurzen Weg hinüber zur Ortschaft Sausalito. Dieses einstige Fischerdorf stellt heute eine noble Flaniermeile mit exzellenten Restaurants und Geschäften dar. Wir parkten unser Auto und schlenderten ein wenig umher, in der Hoffnung, ein Restaurant zu finden. Einige wenige hatten tatsächlich geöffnet, einzig ein Blick auf die Bekleidung der anderen Gäste und die Feststellung, dass meine Kreditkarte für derartige Gourmettempel wohl die falsche Farbe besitzt, hielt uns vom Betreten ab. Schließlich beschlossen wir, zurück zum Hotel zu fahren und uns am Fisherman’s Wharf etwas preisgünstigeres zu suchen – ein Seafood-Lokal sollte es ohnehin sein, und davon gibt’s wohl am Pier 39 mehr als genug...
Wir fuhren also in Richtung Golden Gate Bridge und durften an der Auffahrt erst einmal die fälligen $5 Brückenmaut entrichten. Ein wahrhaft stolzer Preis, mich hätte in diesem Moment interessiert, wie oft die Brücke durch die Maut wohl schon abbezahlt worden ist. Das Auto stellten wir gleich am Hotel ab und gingen zu Fuß hinunter zum Fisherman’s Wharf. Dort fanden wir auch gleich das, was wir suchten: In der Taylor Street warb ein Angestellter des „Sabella & LaTorre“ Restaurants, und wir ließen uns auch nicht lange bitten. Das Essen dort war wirklich hervorragend, ich genoss z. B. ein mir bis dahin unbekanntes Gericht mit ausgelösten Stücken Lobster-Tail. Claudia hielt sich mehr ans „Klassische“ und bestellte sich eine Portion Fish & Chips.
Nach dem Essen gingen wir noch in die benachbarte Bar „Joe’s Crab Shack“, eine recht lustig im Stil einer Seemannskneipe eingerichtete Sportsbar. Am Tresen kamen wir mit einem Geschäftsmann aus Boulder/CO namens „John“ ins Plaudern – übrigens wieder einmal ein Amerikaner, der nicht müde wurde, über die Dummheit, Ignoranz und Unfähigkeit der Bush-Administration zu schimpfen.
Einige Drinks später traten wir dann den Heimweg an; schließlich hatten wir ja für den Folgetag gleich für die erste morgendliche Überfahrt nach Alcatraz Karten gebucht...
21. Tag - San Francisco