22. Tag - San Francisco

Gegen 09.00 Uhr wurden wir vom Zimmermädchen geweckt – obwohl wir das in keinster Weise gewollt oder in Auftrag gegeben hatten. Ich als passionierter Morgenmuffel hatte dann auch einige geharnischten Worte für die Dame parat, was zwar wahrscheinlich nicht den höflichsten Eindruck machte, aber zumindest den Zweck nicht verfehlte – nach einer rasanten Kehrtwendung zog sie es nämlich vor, von dannen zu ziehen.

Wir packten unsere Reisetaschen mit den im Hotelzimmer befindlichen persönlichen Dingen und gingen danach gleich zur Rezeption, um auszuchecken. Dies ging wie immer reibungslos, und nach dem Verladen unserer Siebensachen ins Auto fuhren wir los.

Erstes Tagesziel war der Hügel Twin Peaks, von dem aus man den besten Überblick über die Stadt haben soll. Erst einmal galt es aber, überhaupt hinzukommen. Dies gestaltete sich nicht allzu einfach, weil wir erst nach längerem Suchen die recht unscheinbare Auffahrt fanden. Schließlich erreichten wir aber doch das ersehnte Ziel.

San Francisco


Der Ausblick von hier oben war wirklich gigantisch, und man erkannte gut den Verlauf der Market Street, die Transamerica Pyramid und die anderen wichtigen Gebäude der Stadt. Überhaupt war dank des hervorragenden Wetters der Überblick über die Bay beeindruckend. Richtete man den Blick nach Norden, konnte man gut die rot glänzende Golden Gate Bridge erkennen.

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Leider wurde der tolle optische Eindruck von dem Geschrei und Gekicher der japanischen Touristen, die hier in ganzen Hundertschaften eingefallen waren, etwas getrübt. So fotografierte ich noch schnell den Sutro Tower, der auf dem gleichnamigen Hügel gleich nebenan steht und einer überdimensionierten Kartoffelschäl-Gabel ähnelt.

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Anschließend verließen wir den Hügel wieder und fuhren Richtung Golden Gate Park. Da wir das Frühstück im Motel ausgelassen hatten (allein der Gedanke an die Muffins und den dünnen Kaffee erzeugte mittlerweile bei uns schon Brechreiz), suchten wir uns ein kleines Restaurant, das auch Frühstück anbot und zudem gut besucht war. Wir erhielten dort dann wirklich ein leckeres Frühstück mit Bratkartoffeln, Spiegelei und gebratenen Speck. Kostenlose Refills beim endlich mal ordentlich starken Kaffee waren ebenfalls inklusive. Leider kann ich mich weder an den Namen noch die Adresse erinnern (es lag in irgendeiner Nebenstraße nahe des Golden Gate Parks), sonst würde ich hier eine Empfehlung abgeben.

Wir suchten uns dann einen Parkplatz und wurden unmittelbar an der „Panhandle“, also die schmale Verlängerung des Golden Gate Park in Richtung Osten, fündig. Von dort aus starteten wir bei warmem und sonnigem Wetter unseren Spaziergang durch den Park. Obwohl dieser weitaus weniger bekannt ist als der Central Park in New York City, ist er diesem in Größe und meiner Meinung nach auch in Sachen Schönheit und Angeboten überlegen. Zuerst schlenderten wir einfach mal ohne explizites Ziel los in Richtung Westen. Im Park war wegen des Werktags nicht allzu viel los, aber einige Leute lagen in der Sonne und lasen Bücher; andere amüsierten sich mit dem Zuwerfen eines Footballs. Zwischendurch kam ein Schwarzer auf mich zu und bot mir „some weed“, also Marihuana, zum Kauf an – ich lehnte dankend ab und dachte mir mit einem süffisanten Grinsen: „Junge, wenn Du wüsstest, als was ich in Deutschland arbeite, hättest Du mir bestimmt nichts angeboten...“ – Claudia musste ebenfalls herzhaft lachen.

Nach etwa einer Stunde spazieren gehen erreichten wir den Japanese Tea Garden. Bei den Planungen für die Reise hatte ich von der Schönheit dieses Gartens gelesen und so beschlossen wir, auch diesen zu besichtigen. Hinein in den Garten ging man gleich durch ein im japanischen Stil gehaltenes Tor.

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Nach der Entrichtung des Eintrittsgeldes spazierten wir durch den Garten, der wirklich sehr schön war. Neben einem Teehaus, das dem Garten letztlich auch den Namen gab, sind mehrere kleine Teiche, Brücken und liebevoll gepflegte Pflanzen, aber auch japanische Pagoden und Statuen zu sehen.

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In den Teichen wohnen Populationen von Koi Goldfischen und Enten. Der Garten hatte eine unheimlich entspannende Wirkung und es machte wirklich Spaß, sich dort aufzuhalten und alles anzusehen.

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In einem Bereich des Garten befindet sich eine Stelle, an der Steine und Büsche in einer bestimmten Anordnung platziert wurden – dabei soll es sich um einen Ort mit einer spirituellen Bedeutung handeln.

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Ein paar Meter weiter trifft man auf eine Buddha-Statue – soweit ich mich erinnere, ist diese ein Geschenk Chinas; in Japan ist ja der Buddhismus nicht so stark verbreitet.

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Wir blieben noch eine Weile im Garten und schlenderten umher. Was mich ein wenig irritierte, war die Tatsache, dass man direkt neben dem Teehaus, das eigentlich Ort der Entspannung sein sollte, ein Häuschen mit einem Souvenirartikelverkauf platziert hatte, aus dem auch noch penetrantes Gedudel irgendwelcher Spieluhren drang – so etwas gehört meiner Meinung nach vor den Eingang. Ansonsten ist der Garten aber durchaus einen Besuch wert, auch wenn ich ihn mir größer vorgestellt hatte.

Anschließend verließen wir den Garten und gingen weiter. Gleich neben dem Garten befand sich der Eingang zum „San Francisco Botanical Garden“. Eine Informationstafel neben dem Eingang besagte, dass jeden Mittwoch um 14.00 Uhr Gratisführungen durch den Botanischen Garten durchgeführt werden, die hier starten. Hm... Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet mir, dass es exakt 13.50 Uhr war; und Mittwoch noch dazu. Bingo!

Kurz darauf traf tatsächlich ein Angestellter des Parks ein, der uns durch den Garten führte und alles genau erklärte.

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Der Garten ist nicht nur ein Highlight für Besucher, sondern es wird hier auch sehr viel Forschung betrieben, u. a. wird versucht, ausgestorbene Pflanzen nachzuzüchten. So steht im Park auch ein eigentlich unscheinbarer Baum, bei dem es sich aber um die Urform der Mammutbäume handelt – von ihm sollen also die Sequoias und Redwoods abstammen.

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Daneben gibt es Pflanzen aus aller Herren Länder. Der Strauch unten beispielsweise ist aus Chile.

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Neben unzähligen Pflanzen gibt es auch einen größeren Teich im Garten, der neben Wasserpflanzen auch etliche Tiere beheimatet.

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Etwa zwei Stunden wurden wir von unserem Guide durch den Park geführt, und er wurde nicht müde, uns alles haarklein zu erklären. Nachdem er von uns erfahren hatte, dass wir aus Deutschland kommen, erwähnte er, dass er dort auch schon andere Botanische Gärten besucht habe und ihm davon der in Hamburg als vorbildlich in Erinnerung blieb. War mir bis dahin auch nicht bekannt...

Gegen 16.00 Uhr verabschiedeten wir uns von unserem Führer und gingen zurück zum Auto – was übrigens ein ganz schönes Stück war, man hatte beim spazieren gehen gar nicht gemerkt, wie weit wir uns schon in den Park vorgewagt hatten.

Wir fuhren auf der 19th Avenue in Richtung Süden und hielten an einem kleinen Einkaufszentrum, um die verbleibende Zeit bis zum Abflug dort zu verbringen. Dort tankte ich den Pontiac ein letztes mal voll, schließlich war dies Vertragsgegenstand und ich hatte keine Lust, bei Hertz überteuerten Sprit in Rechnung gestellt zu bekommen.

Das Einkaufszentrum selbst hatte indes nicht wirklich viel zu bieten, und so beließen wir es bei einem Schaufensterbummel mit anschließendem Aufenthalt im unvermeidlichen Food Court zu einem extra großen Kaffee bei Starbuck’s. Gegen 17.30 Uhr fuhren wir dann los in Richtung des Airports.

Die Fahrt dahin verlief zwar relativ problemlos, aber ich war schon irritiert, dass der Flughafen zuerst überhaupt nicht ausgeschildert war. Etliche Male überprüfte ich, ob wir uns wirklich auf der richtigen Straße befanden – ja, Nummer und Richtung stimmte. Schließlich aber dann doch der Hinweis auf den „San Francisco International Airport“. Alles klar, von nun an einfach in Richtung der Schilder. Jetzt galt es, die richtige Abfahrt zu unserem Autoverleiher zu nehmen – ich hoffte inständig, mich auf diesen mehrspurigen Highways im dichten Verkehr nicht zu verfransen. Aber erneut zeigte sich, wie modern der örtliche Flughafen ist: Sämtliche Car Rental Companies waren exzellent beschildert und so landeten wir ohne größere Problem in der Garage von Hertz. Ich erwartete nun eigentlich eine genaue Inaugenscheinnahme des Wagens durch die Angestellten, um etwaige Schäden festzustellen – aber weit gefehlt. Wir konnten gar nicht schnell genug unser Gepäck aus dem Wagen bringen, nur schnell eine Unterschrift auf der Rechnung und fertig. So einfach hätte ich mir das nicht vorgestellt... Ach ja: Ob die Fa. Hertz mit uns wirklich ein gutes Geschäft gemacht hat, wage ich zu bezweifeln – über 4000 Meilen hatte ich auf den Pontiac gespult und damit den Meilenstand im Tacho fast verdoppelt...

Mit dem Gepäck im Schlepptau ging es mittels AirTrain zu unserem Terminal, welches offensichtlich nagelneu und wirklich riesig war. Die Schlange bei Lufthansa bestand lediglich aus drei Personen vor uns, und so war das Einchecken völlig unproblematisch.

Froh, endlich unser Gepäck los zu sein, suchten wir uns eine Beschäftigung bis zum Abflug – die Maschine ging schließlich erst in gut zwei Stunden. Wir entdeckten eine Sportsbar, in der – was auch sonst – das MLB-Finale übertragen wurde. Ach ja, die Red Sox könnten ja heute die Sensation schaffen...

Nichts wie hinein also. Die Bar war gut gefüllt und es wurde richtig mitgezittert mit den Red Sox. Wir ließen uns anstecken und fieberten ebenfalls mit. Und es sollte sich lohnen: Die Jungs aus Beantown machten den Sack zu, schickten die Cardinals mit 3-0 in die Versenkung und sich selbst in den 7. Himmel – 86 Jahre Warten sind vorbei! Die Stimmung in der Bar an der Westküste schwappte förmlich über – eigentlich erstaunlich angesichts der Location in einem Flughafen.

Nun wurde es auch Zeit zum Boarding, welches recht zügig ging. Der Heimflug nonstop nach München erfolgte mit einem Airbus A340-300; für mich eine kleine Enttäuschung, weil eigentlich der A340-600 angekündigt war, das (damals) längste Verkehrsflugzeug der Welt. Was soll’s, dafür hatten wir Fensterplätze auf der rechten Seite. Dieser eigentlich nicht ungewöhnliche Umstand sollte uns aber gleich nach dem Start eine allerletzte, überwältigende Show liefern. Der Airbus startete in Richtung Nordwesten, flog kurz über dem Pazifik und bog dann in einer langgezogenen Rechtskurve genau über der Golden Gate Bridge und die Bay auf Nordostkurs ein. Statt des sonst üblichen Nebels herrschte heute glasklare Sicht, und wir genossen minutenlang den Ausblick auf das Lichtermeer der Brücke, der Stadt und der Bay. Einfach unvergesslich!!! Ach ja: Sollte jemand den Lufthansapiloten kennen, der am 27.10.2004 den Flug LH459 durchgeführt hat: Ich würde ihm gern einen Drink spendieren...

Auf Wiedersehen, San Francisco! Drei unvergessliche Wochen gingen zu Ende. Es war die erste Reise in den Westen der USA, aber schon im Flugzeug nach Hause beschlossen wir, dass es nicht die letzte war.

Elf Stunden später erreichten wir den Flughafen von München. Anders als sonst hatte ich unterwegs ein paar Stunden schlafen können und so hielt sich der Jetlag in Grenzen. Claudias Eltern holten uns vom Flughafen ab und lachten natürlich erst mal herzlich über meinen Renegade Cowboyhut...

So, Leute, das war’s!!! Ich danke allen Mitfahrern für ihr Interesse und hoffe, in Einigen von Euch Erinnerungen und bei Anderen die Neugier auf bestimmte Ziele geweckt zu haben. Danke auch an Utah für die großzügige Bereitstellung von Webspace für die ganzen Bilder. Wer Fragen zu bestimmten Zielen hat oder Tipps benötigt – immer her damit! Freue mich immer, wenn ich jemand helfen kann...

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