2. Tag: San Francisco – Sacramento – Lake Tahoe
Der erste “volle” Tag im Westen der USA. Da wir uns entschlossen hatten, die Besichtigung der Stadt San Francisco – zweifelsohne ein Filetstück der ganzen Reise – auf das Ende unseres Aufenthalts zu legen, nahmen wir im Hotel nur noch das sog. „Continental Breakfast“ zu uns und checkten dann aus. Das Frühstück bestand erwartungsgemäß nur aus ein paar Muffins, die aber geschmacklich durchaus überzeugen konnten, und dem für USA typischen extrem dünnen Kaffee. Soweit die Plörre die Bezeichnung Kaffee überhaupt verdient, habe ich dabei grundsätzlich den Eindruck, dass die Kaffeebohnen bei der Zubereitung nur kurz mit einer Zwiesel durch das heiße Wasser geschossen werden.
Das Auschecken verlief problemlos und schnell und kurz darauf ging es los. Da wir ohnehin schon an der Lombard Street wohnten, brauchte ich nur rechts in Richtung Coit Tower zu fahren, um schon auf dem Weg Richtung Oakland Bay Bridge zu sein. Die Entscheidung, San Francisco erst einmal „links liegen“ zu lassen und erst am Ende der Rundreise zu besichtigen, erwies sich als eine gute Wahl: Die Stadt war nämlich über Nacht in den typischen Nebel getaucht und man konnte kaum etwas erkennen. Eine Besichtigungstour hätte also ohnehin keinen großen Sinn gemacht. Wir fuhren also erst einmal auf den steilen Hügel der Lombard Street hinauf und dann die weltberühmten Kurven hinunter – das erste Highlight des heutigen Tages.
Anschließend fuhren wir weiter in Richtung Market Street, da wir die Stadt über die Oakland Bay Bridge Richtung Sacramento verlassen wollten. Eigentlich hätte man von hier aus den Finanzdistrikt gut erkennen können, aber der Nebel tat das Seinige...
So fuhren wir also schnurstracks auf die Oakland Bay Bridge. Auswärts fährt man dabei im unteren der beiden „Stockwerke“ – eine völlig neue Erfahrung für mich. Wer aus der Stadt raus fährt, muss übrigens nichts bezahlen; einwärts kostet die Brücke wie auch die Golden Gate Brückenmaut.
Auf einer gut ausgebauten Autobahn ging es weiter in Richtung Sacramento, einem der heutigen Tagesziele. Unterwegs hielten wir an einem Supermarkt und deckten uns erst mal mit einer großen Ladung Soft Drinks ein. Dabei entdeckte ich auch zum ersten mal die in Deutschland unbekannte Sorte „Coca Cola Light Limette“, also praktisch Cuba Libre ohne Rum. Das Zeug schmeckte wirklich gut und sollte dementsprechend auch ständiger Begleiter in den nächsten drei Wochen werden.
Gut ausgerüstet ging es also weiter. Einige Zeit später tauchte dann die Skyline von Sacramento am Horizont auf – gemessen an anderen Großstädten der USA natürlich nichts Berauschendes, aber wir waren ja auch nicht wegen der Wolkenkratzer hier.
Das Wetter war mittlerweile angenehm sonnig und warm, und kurz darauf parkten wir vor dem Capitol, also dem Regierungsgebäude des Staats Kalifornien.
Das Gebäude sieht dem Capitol in Washington verblüffend ähnlich, nur ist es natürlich viel kleiner. Im Capitol bekamen wir sogar eine deutschsprachige Broschüre in die Hand gedrückt, die den Lageplan der verschiedenen Büros erklärt. Außerdem gab es noch eine Gratis-CD mit Bildern fürs zu-Hause-anschauen. Das Capitol selbst ist schnell erklärt: Einige Büros sind modern ausgestattet und werden auch aktuell genutzt, andere sind mit der typischen Büroeinrichtung aus der Zeit um 1900 ausgestattet und dienen nur touristischen Zwecken. Das beeindruckendste ist eigentlich die Kuppel in der Mitte – der Boden ist hier auch mit Marmor ausgelegt.
Eines durfte natürlich nicht fehlen – ich wollte das Büro des „Gouvernators“ sehen. Arnie selbst war zwar nicht da, aber man konnte kurz sein Büro besichtigen. Im Büro selbst waren Fotos aber streng verboten.
Bei der Besichtigung des Capitols empfahl uns ein Angestellter, uns doch auch noch die historische Altstadt von Sacramento anzusehen. Gesagt, getan – nach kurzer Irrfahrt parkten wir unseren Pontiac neben der Altstadt und schlenderten hindurch. Dieser historische Stadtkern sah exakt so aus, wie man sich als Europäer eine Westernstadt vorstellt. In den alten Gebäuden befinden sich aber jetzt Geschäfte und kleine Restaurants.
Direkt an der Altstadt vorbei läuft (logischerweise) der Sacramento River, und auch ein alter historischer Schaufelraddampfer liegt hier vor Anker. Ob man diesen auch noch ab und zu zu Fahrten nutzt, entzieht sich aber meiner Kenntnis.
In einem der Restaurants gab es ein „All-u-can-eat“-Angebot für $5 plus tax, welches wir ausgiebig nutzten. Die Auswahl des „Buffets“ beschränkte sich zwar auf drei verschiedene Sorten Pizza und ebenso viele Sorten Nudelgerichte, es schmeckte aber ganz gut, und eine Salatbar gab’s ja auch noch.
Gestärkt durch die Mahlzeit fuhren wir weiter zu unserem heutigen Tagesziel: Der Lake Tahoe an der Staatsgrenze zu Nevada. Eine ganze Zeit lang ging es stetig bergauf – man merkte deutlich, dass der Lake Tahoe ein Gebirgssee ist, der auf über 2.500 m Höhe liegt. Schließlich tauchte er in einer Senke vor uns auf – und die berühmte tiefblaue Farbe des Sees hob sich deutlich von der umliegenden Landschaft ab. Der hellbraune Streifen vor dem See ist übrigens der Flugplatz von South Lake Tahoe – fragt mich jetzt aber nicht, welche Art von Flugzeugen hier landen kann/darf...
Unten am See angekommen, bewunderten wir erst einmal die Schönheit der Landschaft hier. Es war zum Baden zwar schon viel zu kühl, aber man konnte sich vorstellen, wie herrlich der Strand hier im Sommer sein muss.
Außer uns waren nur wenige Wanderer unterwegs – erstaunlich angesichts der Schönheit dieser an den See grenzenden Sumpflandschaft. Der Weg führte erst durch größere Flächen mit hohem Sumpfgras – auf Infoschildern am Weg wurde einem die lokale Fauna und Flora näher vorgestellt.
Etwas später kam man dann zu dem besagten Flüsschen. Die wandernden Lachse waren tatsächlich knallrot, aufgrund des langsam fließenden Wassers schwammen sie aber eher ruhig gegen den Strom; ein Springen oder wildes Flossenschlagen, wie man es oft im TV sieht, war nicht zu sehen. Trotzdem ein beeindruckendes Erlebnis.
Nach dem Trail, der insgesamt nicht viel länger als 2 km sein dürfte, setzte auch schon langsam die Dämmerung ein, und ich begab mich auf Herbergssuche. An der Hauptstraße war mir ein Super8-Motel aufgefallen, und in Kenntnis der sehr günstigen Preise dieser Kette fuhr ich jetzt auch dort hin. Natürlich war ein Zimmer frei und wir wurden uns schnell handelseinig. In Erinnerung blieb mir allerdings der etwa 40jährige Portier des Motels: In der Lobby lief gerade der Fernseher und zu sehen war eine Wahlkampfrede von George W. Bush (zur Erinnerung: kurze Zeit später fanden die Wahlen in den USA statt!). Der Portier also hörte der Rede von Bush zu, und als sich dieser rühmte, wie toll er doch die US-Wirtschaft nach vorne gebracht hätte, begann er dermaßen lauthals auf den im Fernseher befindlichen Präsidenten zu schimpfen, dass ich Angst bekam, er würde jetzt gleich den Apparat zertrümmern oder in den Pool werfen. Über die Ausdrücke, die da gefallen sind, hülle ich mal lieber den Mantel des Schweigens; jedenfalls war das „F“-Wort auch oft genug dabei. Eins steht aber fest: Ein Stammwähler der Republikaner war der Mann mit Sicherheit nicht...
Nach dem Beziehen des Zimmers – normaler Motel-Standard – wollten wir noch was essen gehen. Wir fanden in der Nähe ein „Applebee’s“ Restaurant, und weil ich bislang nur Gutes über diese Kette gehört hatte, gingen wir rein um den Wahrheitsgehalt dieser Erfahrungsberichte zu überprüfen. Eigentlich hatte ich gedacht, ich wäre Bayern schon seit fast zwei Tagen entkommen – aber weit gefehlt. Auf der Getränkekarte stand doch tatsächlich ein Bier namens „Sam Adams Octoberfest“. Hä? Hab ich was verpasst? Höre ich Stimmen? Seit wann darf denn ein Bierbrauer aus Boston auf der Wiesn was ausschenken? Zu allem Überfluss bestand dieses Getränkeangebot auch noch aus „a pint and keep the glass“ – da konnte ich ja fast nicht widerstehen. Außerdem hatte ich ja noch 24 (ja, eine weniger, ihr wisst schon, warum) Dosen Weißbier, und dafür brauchte ich ja ein Glas. Kurz und gut, ich bestellte also dieses Angebot und bekam dieses Glas:
Es sollte sich tatsächlich für den Rest der Reise sehr hilfreich für den bereits beschriebenen Zweck herausstellen. Nebenbei: Das Essen im Applebee’s war tatsächlich hervorragend und günstig; diese Kette kann man ohne Einschränkung weiterempfehlen. Nach dem Essen schlenderten wir noch ein bisschen in Stateline, also den Ort an der Staatsgrenze herum. Wir bekamen hier schon einen kleinen Eindruck, wie es in Las Vegas zugehen muß – unmittelbar nach der Grenze zu Nevada stehen nämlich etliche Casinos, darunter auch ein Ableger der „Harrah’s“-Kette. Außerdem gibt’s dort tatsächlich ein Hard Rock Café, das aber meiner Meinung nach ebenso klein wie hässlich ist. So beließen wir es dort auch bei einem kurzen Reinschauen. Beinahe hätte ich mir in einem Souvenirladen einen schönen Cowboyhut gekauft - $160 schreckten mich aber ab; eine richtige Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte. Gegen 22.00 Uhr fuhren wir dann zurück ins Motel, und mein neues Glas durfte zum ersten mal seinen bestimmten Zweck erfüllen – ich hatte eine der Dosen in dem von mir zu einer Eiswürfeltonne umfunktionierten Abfalleimer kaltgestellt und so klang der Abend vor dem Fernseher aus.
3. Tag - Lake Tahoe – Yosemite NP