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Die Weltkriege

Der Erste Weltkrieg gilt als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Der zunächst nur europäische Krieg war für die Vereinigten Staaten kein drängendes Problem. Man sah zwar die möglichen Auswirkungen, doch zu Kriegsbeginn im Jahre 1914 gingen die meisten Beobachter in allen beteiligten und unbeteiligten Ländern nicht von einem langen Kriegsverlauf aus. Die USA betrachteten sich in diesem Konflikt als neutral und hielten sich heraus. Damit folgten sie der isolationistischen Politik, die schon in den Jahrzehnten zuvor prägend gewesen war. Außerdem gab es einen großen Anteil deutscher Einwanderer, weswegen auch zunächst keine antideutsche Stimmung in den USA herrschte.

U-Boot-Krieg des Deutschen Reichs

Im Verlauf des Krieges wuchs der Druck auf die amerikanische Regierung, Einfluss auf die Entwicklungen zu nehmen. Vor allem der U-Boot-Krieg, der vom Deutschen Reich vorangetrieben wurde, sorgte für einen Stimmungsumschwung. Immer öfter gerieten auch neutrale Schiffe ins Fadenkreuz der U-Boote, die den Nachschub für Frankreich und England abschneiden sollten. Da der Nachschub zu einem beträchtlichen Teil aus den Vereinigten Staaten stammte, kamen immer wieder Amerikaner bei den Versenkungen ums Leben. Häufig wird die Versenkung des britischen Kreuzfahrtschiffs Lusitania im Jahre 1915 als Grund für den amerikanischen Kriegseintritt genannt, was aber nicht stimmt, zumal die USA erst 1917 in den Krieg eintraten. Präsident Woodrow Wilson warnte jedoch damals schon, dass eine Ausweitung des U-Boot-Krieges völkerrechtswidrig sei und entsprechende Konsequenzen nach sich ziehen würde. Dennoch waren diese Ereignisse prägend für das Entstehen einer antideutschen Stimmung. Der ehemalige Präsident Theodore Roosevelt bezeichnete die deutschen Aktionen als Piraterie.

Amerikanischer Kriegseintritt

Wilson machte den Beteiligten ein Vermittlungsangebot. Deutschland sah die in diesem Zusammenhang von den Kriegsgegnern geäußerten Kriegsziele als „unverhandelbar“ an, weil sie unter anderem die Zerschlagung Österreich-Ungarns und eine Aufspaltung deutscher Territorien umfassten. Das Deutsche Reich wies das Angebot zurück und erklärte den uneingeschränkten U-Boot-Krieg, was wiederum die USA auf den Plan rief, nicht länger neutral bleiben zu können. Außerdem gab es ein deutsches Angebot an Mexiko, das mit der Rückeroberung von Texas, Arizona und New Mexico gelockt werden sollte. Militärisch gesehen war die Situation auf dem Schlachtfeld nach wie vor unentschieden. Weder Deutsche noch Franzosen und Briten konnten das seit Jahren bestehende Patt auflösen. Die Stimmung in den USA wendete sich immer mehr gegen Deutschland, zumal die Mehrheit der deutschstämmigen Amerikaner die Neutralität befürwortet hatten – und keinesfalls ein Eingreifen zugunsten des Reiches. Auf der anderen Seite weigerten sich die irischen Einwanderer, die britische Seite zu unterstützen. Letztlich setzte sich aber eine probritische Stimmung bei einer Mehrheit der Amerikaner durch. Am 6. April 1917 erklärten die USA dem Deutschen Reich den Krieg und mobilisierten die Streitkräfte. Durch den Kriegseintritt der USA auf dem europäischen Schlachtfeld kam es zu einer Verschiebung des Kräfteverhältnisses. Die frischen Truppen aus Übersee kamen Anfang 1918 in sehr großer Zahl auf den Schauplatz, rund 10.000 Mann pro Tag. Zu diesem Zeitpunkt war es den deutschen Streitkräften nicht mehr möglich, ihre Verluste auszugleichen und die Truppen zu versorgen. Obwohl es auch nach Kriegseintritt der USA noch heftige Schlachten gab, musste Deutschland schließlich im November 1918 angesichts der Lage an West- und Ostfront sowie in der Heimat kapitulieren.

Erster Weltkrieg

Erster Weltkrieg ©iStockphoto/mark wragg

Nachkriegsordnung oder neue Vorkriegsordnung?

Nach Kriegsende wollte US-Präsident Wilson eine stabile Nachkriegsordnung etablieren. Die Schaffung neuer Nationen in Osteuropa sollte den Rechten der Volksgruppen Rechnung tragen. Mit dem Völkerbund sollte ein Instrument geschaffen werden, mit dem künftige Kriege verhindert werden konnten. Was in der Theorie gut aussah, erwies sich in der Praxis aber als untauglich, weil viele Bedürfnisse der einzelnen Länder nicht berücksichtigt wurden. Vor allem aber die Tatsache, dass Österreich und Deutschland die Alleinschuld am Kriegsausbruch von 1914 zugewiesen bekamen, sollte sich in Gestalt des Versailler Vertrags noch als Bumerang erweisen. Durch die sehr harten Bedingungen wurde Deutschland nicht nur gedemütigt, sondern auch in seiner wirtschaftlichen Entwicklung stark gebremst. Reparationszahlungen in einer Höhe, die ein Wachstum der Wirtschaft unmöglich machte, ließ die Entwicklung einer stabilen Demokratie in Deutschland nicht zu. Hiervon profitierten die Nazis schließlich bei der Machtergreifung.

Isolationspolitik

Nach dem Ersten Weltkrieg sahen die USA ihre Aufgabe als erledigt an und zogen ab. Sie kümmerten sich in den folgenden Jahren und Jahrzehnten nur wenig um die Entwicklung auf dem alten Kontinent, zumal die Weltwirtschaftskrise von 1929 die eigenen Kräfte extrem beanspruchte. Unter Franklin D. Roosevelt kamen die Vereinigten Staaten jedoch relativ gut durch die „Große Depression“ der 30er Jahre. Außenpolitisch isolierte man sich erneut. Die faschistischen Bewegungen in Italien und Deutschland sowie die anderen Probleme Europas wurden mit Besorgnis bei gleichzeitiger Zurückhaltung beobachtet. Ebenso war es bei der Expansion Japans im pazifischen Raum. Solange die USA sich nicht selbst bedroht sahen, gab es keinen Grund, tätig zu werden. Dies änderte sich auch nicht bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im September 1939. Deutschland und Russland fielen gleichzeitig in Polen ein, während Frankreich und England ihrerseits Deutschland den Krieg erklärten.

Hilfe für England gegen Hitler

Präsident Roosevelt sah die Gefahr, die ein Sieg der Nazis in Europa bringen würde. Vor allem auch nach den großen Erfolgen Hitlers auf dem Schlachtfeld wuchsen die Bedenken gegen eine Fortsetzung der Isolation. Im Kongress gab es aber keinerlei Mehrheit für einen Kriegseintritt, selbst als Frankreich kapitulierte und Großbritannien seine Truppen nach England evakuieren musste. Winston Churchill war klar, dass ohne Hilfe aus den USA der Widerstand Englands nicht ewig fortdauern konnte. Roosevelt konnte nicht mehr tun, als Versorgungsgüter zu liefern. Dennoch kämpften auch damals bereits Amerikaner an der Seite der Briten, denn es gab in der britischen Luftwaffe Geschwader, die sich aus Freiwilligen anderer Länder zusammensetzten. Zur gleichen Zeit setzte Japan, ein Verbündeter Deutschlands, seine brutale Expansionspolitik im Pazifik fort.

Pearl Harbor und Hiroshima

Am 7. Dezember 1941 bombardierten japanische Flugzeuge den amerikanischen Marinehafen Pearl Harbor auf Hawaii und zerstörten einen Großteil der Pazifikflotte. Durch diesen Angriff in Schockzustand versetzt, erklärten die USA daraufhin den Krieg. Da Hitler als Verbündeter Japans seinerseits den USA den Krieg erklärte, war damit der Kriegseintritt auch im Zweiten Weltkrieg vollzogen. Amerika kämpfte an zwei Fronten gleichzeitig. Während man im Pazifik zunächst den Vormarsch der Japaner aufzuhalten versuchte, bis neue Schiffe gebaut waren, konnte man in Europa endlich den Briten zu Hilfe eilen. Die zunächst nicht kampferprobten Truppen der USA mussten aber bei ihren ersten Schlachten in Nordafrika die Erfahrung machen, dass die Wehrmacht ein nicht zu unterschätzender Gegner war. Dank Generälen wie George S. Patton lernten die Amerikaner aber schnell aus ihren Niederlagen und erzielten erste Erfolge. Vor allem die immense wirtschaftliche Leistung der amerikanischen Industrie brachte den entscheidenden Vorteil gegenüber der lahmenden deutschen Kriegsmaschinerie. Am 6. Juli 1944 fand die Invasion in der Normandie statt, die den Auftakt zur Befreiung Europas vom Nationalsozialismus darstellte. Deutschland wurde aufgrund der rasch zusammenbrechenden Fronten in Ost und West innerhalb von neun Monaten nach der Landung besiegt und kapitulierte am 8. Mai 1945. Den Völkermord an den Juden hatten die Alliierten nur noch beenden, nicht aber verhindern können. Im Pazifik endete der Krieg erst mit dem Abwurf der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki im August des Jahres. Mit diesem Paukenschlag brachen die Nachkriegszeit und das Atomzeitalter an.

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