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Drei Wochen durch den Westen der USA, Oktober 2004

1. Tag: München – Flug nach San Francisco

Nachdem wir uns wochenlang schon auf die Reise gefreut hatten, und sowohl das Oktoberfest (für mich hieß das nur viel Arbeit) als auch die Hochzeit eines eng befreundeten Paares am 03.10.04 gut „über die Bühne“ gebracht war, ging es am Morgen des 06.10. endlich los. Das kurze Stück (etwa 30 km) bis zum Flughafen MUC wurden wir von einem Bekannten gefahren, und angesichts des miserablen Wetters hier in Bayern waren wir froh, nun in wärmere Gefilde fliegen zu können.

Es war zwar für uns keineswegs die erste Flugreise, aber dennoch eine Premiere: Zum ersten Mal hatte ich keine richtigen „Tickets“ in der Hand, sondern war über E-Tickets gebucht. Meine Befürchtungen, wir würden mit gepackten Koffern am Flughafen stehen und es wäre keine Buchung vorhanden, bestätigten sich aber gottlob nicht: Die Buchung war von dem Reiseveranstalter mit den drei „o“s genau so vollzogen worden, wie von uns beauftragt. Leider war der Direktflug von München nach San Francisco nicht mehr erhältlich, so dass wir erst den kurzen Zubringerflug nach Frankfurt auf uns nehmen mussten, bis wir in den „richtigen“ Vogel steigen konnten: Die Boeing 747 „Hamburg“ der Lufthansa…

Der Flug gestaltete sich recht angenehm, obwohl ich zu meinem Ärger feststellen musste, dass wir in der Sitzreihe gleich vor den Toiletten saßen – geruchsmäßig kein Problem, aber unglücklicherweise ließ sich dadurch die Rückenlehne nur minimal nach hinten verstellen. Was soll’s – ich kann im Flieger eh nie schlafen, schon gar nicht bei Tag. So brachte ich die approximativ 11 Stunden Flug damit herum, zu lesen („Volle Deckung, Mr. Bush“ – wie passend…) und mit meinem Sitznachbarn zu plaudern. Wie sich herausstellte, war dieser ältere Herr ein pensionierter Lufthansa-Flugkapitän aus der Frankfurter Gegend, der seine Stammtischrunde zu einem Westküsten-Trip eingeladen hatte: Flugtickets pro Person für sage und schreibe 60.- €uro – was doch Firmenzugehörigkeit für Vorteile haben kann…

Jedenfalls erfuhr ich von ihm, dass er früher exakt die selbe Strecke (FRA-SFO) x-mal selbst mit der 747 geflogen ist und so konnte er mir auch haufenweise technische Details über die Boeing und Anekdoten von früheren Flügen erzählen – eine echte Auflockerung, wie ich fand.

Die Flugroute führte, wie üblich, über die britische Insel, Grönland, Thunder Bay und Salt Lake City direkt zum Flughafen San Francisco.

Gegen 14.00 Uhr Ortszeit war es dann so weit: Landung in Kalifornien. Bei der Immigration lernten wir dann gleich die neueste Waffe im „Kampf gegen den Terrorismus“ kennen: Die Abnahme biometrischer Daten bei der Einreise. Meine Befürchtungen, es würde eine komplette erkennungsdienstliche Behandlung durchgeführt, bestätigten sich allerdings nicht: Lediglich beide Zeigefinger wurden gescannt und ein Foto mit einer Art Mini-Kamera wurde gefertigt. Die ganze Prozedur dauerte nicht viel mehr als 30 Sekunden, und so kam es dann auch zu keinen nennenswerten Schlangen bei der Einreise.

Nach dem Passieren der Zollkontrolle war mir dann schon bedeutend wohler – unser Gepäck wurde nicht kontrolliert… Da war doch noch was mit 25 Dosen Paulaner Weißbier in unserem Gepäck; und hatte ich auf dem Zollformular nicht etwas von „maximum one liter alcoholic beverages per person“ gelesen? Egal, meine „basic fundamental nutrition“ hatte die Kontrolle ohne Deklarierung überlebt und nun hieß es, sich um den Mietwagen zu kümmern.

Hier zeigte sich zum ersten Mal, wie modern und fortschrittlich der Flughafen SFO doch ist – mit dem kostenlosen AirTrain war es trotz mehrerer schwerer Gepäckstücke kein Problem, zum Car Rental Center zu gelangen – lustigerweise war auch hier der pensionierte Flugkapitän wieder mit uns im Abteil.

Im Car Rental Center angekommen traf mich fast der Schlag: Endlose Schlangen bei allen Vermietern – das hieß erst mal warten. Die Abfertigung erfolgte dann aber zügig und nach etwa einer halben Stunde waren wir bei Hertz an der Reihe: Ohne Probleme erhielt ich unseren Schlüssel und ging in die Garage – dort erwartete ich den von mir bestellten „Compact“. Auf dem zugewiesenen Parkplatz stand aber zu meiner Freude ein goldfarbener Pontiac GrandAm, frisch gewaschen und fast nagelneu (ca. 4000 mls auf dem Tacho). Wie sich später herausstellte, verkauft diesen Hertz normalerweise als Midsize – kein schlechter Deal also für uns.

Genussvoll fuhr ich also mit dem GrandAm, dessen V6-Maschine mich durchaus überzeugen konnte, Richtung Downtown San Francisco. Ohne großes Suchen fanden wir auch das von uns vorgebuchte „Buena Vista Motor Inn“ an der Lombard Street. Einchecken ging ebenso problemlos wie schnell, und kurz darauf saßen wir in unserem Zimmer, das gemessen am niedrigen Preis wirklich sehr schön war.

Claudia packte erst mal ihre Tasche aus, und schon der erste Schocker: Eine der Dosen mit meiner ernährungstechnischen Grundversorgung hatte die rüde Behandlung der Gepäckstücke an einem der Flughäfen nicht überlebt und so waren ein paar von Claudias Wäschestücken jetzt mit dem begehrten Gerstensaft getränkt. Das sorgte natürlich erst mal für Missstimmung – bei Claudia wegen der Wäsche, bei mir… na ihr wisst schon.

Die besagten Teile wurden dann aber flugs mit einem Schuss „Rei in der Tube“ (oder so was ähnliches) im Waschbecken eingeweicht, und wir schlenderten nach dem Umziehen gleich mal zum nahegelegenen Fisherman’s Wharf. Was für ein herrlicher Anblick – endlich am Ziel der Träume! Die sonnige Bay, das lauwarme Wetter und nicht allzu viel Betrieb. Wir genossen erst mal die Impressionen und schlenderten ein wenig umher…

Um punkt 18.00 Uhr fanden wir uns dann vor dem Hard Rock Café ein – und trafen dort auf meinen Arbeitskollegen nebst seiner Freundin! Wer nun an irgendeinen Mega-Zufall denkt, ist auf dem Holzweg: Das war von uns so abgemacht. Martin und Steffi haben eine sehr ähnliche Tour etwa zwei Wochen vor uns gemacht und waren am Schluss ihrer Reise zu Besuch bei Steffis Bruder, der in Davis bei Sacramento lebt. So entstand die Idee, sich doch mal in Kalifornien auf ein Bierchen zu treffen. Unser erster Tag und deren vorletzter Tag stimmten überein, und so saßen wir kurz später beim ersten Burger mit Fries im HRC und ich genoß ein kühles Sam Adams. Die beiden erzählten uns einige ihrer Eindrücke aus den letzten zwei Wochen, was unsere Vorfreude auf die vor uns liegende Reise noch steigerte.

Gegen 19.30 Uhr Ortszeit (für unsere innere Uhr war es ja schon 04.30 Uhr morgens!) waren wir dann aber doch so müde, dass wir zurück zum Hotel gingen und vollkommen fertig ins Bett fielen.

2. Tag: San Francisco – Sacramento – Lake Tahoe

Der erste “volle” Tag im Westen der USA. Da wir uns entschlossen hatten, die Besichtigung der Stadt San Francisco – zweifelsohne ein Filetstück der ganzen Reise – auf das Ende unseres Aufenthalts zu legen, nahmen wir im Hotel nur noch das sog. „Continental Breakfast“ zu uns und checkten dann aus. Das Frühstück bestand erwartungsgemäß nur aus ein paar Muffins, die aber geschmacklich durchaus überzeugen konnten, und dem für USA typischen extrem dünnen Kaffee. Soweit die Plörre die Bezeichnung Kaffee überhaupt verdient, habe ich dabei grundsätzlich den Eindruck, dass die Kaffeebohnen bei der Zubereitung nur kurz mit einer Zwiesel durch das heiße Wasser geschossen werden.

Sacramento

Sacramento ©iStockphoto/photoquest7

Das Auschecken verlief problemlos und schnell und kurz darauf ging es los. Da wir ohnehin schon an der Lombard Street wohnten, brauchte ich nur rechts in Richtung Coit Tower zu fahren, um schon auf dem Weg Richtung Oakland Bay Bridge zu sein. Die Entscheidung, San Francisco erst einmal „links liegen“ zu lassen und erst am Ende der Rundreise zu besichtigen, erwies sich als eine gute Wahl: Die Stadt war nämlich über Nacht in den typischen Nebel getaucht und man konnte kaum etwas erkennen. Eine Besichtigungstour hätte also ohnehin keinen großen Sinn gemacht. Wir fuhren also erst einmal auf den steilen Hügel der Lombard Street hinauf und dann die weltberühmten Kurven hinunter – das erste Highlight des heutigen Tages.

Anschließend fuhren wir weiter in Richtung Market Street, da wir die Stadt über die Oakland Bay Bridge Richtung Sacramento verlassen wollten. Eigentlich hätte man von hier aus den Finanzdistrikt gut erkennen können, aber der Nebel tat das Seinige…

So fuhren wir also schnurstracks auf die Oakland Bay Bridge. Auswärts fährt man dabei im unteren der beiden „Stockwerke“ – eine völlig neue Erfahrung für mich. Wer aus der Stadt raus fährt, muss übrigens nichts bezahlen; einwärts kostet die Brücke wie auch die Golden Gate Brückenmaut.

Auf einer gut ausgebauten Autobahn ging es weiter in Richtung Sacramento, einem der heutigen Tagesziele. Unterwegs hielten wir an einem Supermarkt und deckten uns erst mal mit einer großen Ladung Soft Drinks ein. Dabei entdeckte ich auch zum ersten mal die in Deutschland unbekannte Sorte „Coca Cola Light Limette“, also praktisch Cuba Libre ohne Rum. Das Zeug schmeckte wirklich gut und sollte dementsprechend auch ständiger Begleiter in den nächsten drei Wochen werden.

Gut ausgerüstet ging es also weiter. Einige Zeit später tauchte dann die Skyline von Sacramento am Horizont auf – gemessen an anderen Großstädten der USA natürlich nichts Berauschendes, aber wir waren ja auch nicht wegen der Wolkenkratzer hier.

Das Wetter war mittlerweile angenehm sonnig und warm, und kurz darauf parkten wir vor dem Capitol, also dem Regierungsgebäude des Staats Kalifornien.

Das Gebäude sieht dem Capitol in Washington verblüffend ähnlich, nur ist es natürlich viel kleiner. Im Capitol bekamen wir sogar eine deutschsprachige Broschüre in die Hand gedrückt, die den Lageplan der verschiedenen Büros erklärt. Außerdem gab es noch eine Gratis-CD mit Bildern fürs zu-Hause-anschauen. Das Capitol selbst ist schnell erklärt: Einige Büros sind modern ausgestattet und werden auch aktuell genutzt, andere sind mit der typischen Büroeinrichtung aus der Zeit um 1900 ausgestattet und dienen nur touristischen Zwecken. Das beeindruckendste ist eigentlich die Kuppel in der Mitte – der Boden ist hier auch mit Marmor ausgelegt.

Eines durfte natürlich nicht fehlen – ich wollte das Büro des „Gouvernators“ sehen. Arnie selbst war zwar nicht da, aber man konnte kurz sein Büro besichtigen. Im Büro selbst waren Fotos aber streng verboten.

Bei der Besichtigung des Capitols empfahl uns ein Angestellter, uns doch auch noch die historische Altstadt von Sacramento anzusehen. Gesagt, getan – nach kurzer Irrfahrt parkten wir unseren Pontiac neben der Altstadt und schlenderten hindurch. Dieser historische Stadtkern sah exakt so aus, wie man sich als Europäer eine Westernstadt vorstellt. In den alten Gebäuden befinden sich aber jetzt Geschäfte und kleine Restaurants.

Direkt an der Altstadt vorbei läuft (logischerweise) der Sacramento River, und auch ein alter historischer Schaufelraddampfer liegt hier vor Anker. Ob man diesen auch noch ab und zu zu Fahrten nutzt, entzieht sich aber meiner Kenntnis.

In einem der Restaurants gab es ein „All-u-can-eat“-Angebot für $5 plus tax, welches wir ausgiebig nutzten. Die Auswahl des „Buffets“ beschränkte sich zwar auf drei verschiedene Sorten Pizza und ebenso viele Sorten Nudelgerichte, es schmeckte aber ganz gut, und eine Salatbar gab’s ja auch noch.

Gestärkt durch die Mahlzeit fuhren wir weiter zu unserem heutigen Tagesziel: Der Lake Tahoe an der Staatsgrenze zu Nevada. Eine ganze Zeit lang ging es stetig bergauf – man merkte deutlich, dass der Lake Tahoe ein Gebirgssee ist, der auf über 2.500 m Höhe liegt. Schließlich tauchte er in einer Senke vor uns auf – und die berühmte tiefblaue Farbe des Sees hob sich deutlich von der umliegenden Landschaft ab. Der hellbraune Streifen vor dem See ist übrigens der Flugplatz von South Lake Tahoe – fragt mich jetzt aber nicht, welche Art von Flugzeugen hier landen kann/darf…

Unten am See angekommen, bewunderten wir erst einmal die Schönheit der Landschaft hier. Es war zum Baden zwar schon viel zu kühl, aber man konnte sich vorstellen, wie herrlich der Strand hier im Sommer sein muss.

Außer uns waren nur wenige Wanderer unterwegs – erstaunlich angesichts der Schönheit dieser an den See grenzenden Sumpflandschaft. Der Weg führte erst durch größere Flächen mit hohem Sumpfgras – auf Infoschildern am Weg wurde einem die lokale Fauna und Flora näher vorgestellt.

Etwas später kam man dann zu dem besagten Flüsschen. Die wandernden Lachse waren tatsächlich knallrot, aufgrund des langsam fließenden Wassers schwammen sie aber eher ruhig gegen den Strom; ein Springen oder wildes Flossenschlagen, wie man es oft im TV sieht, war nicht zu sehen. Trotzdem ein beeindruckendes Erlebnis.

Nach dem Trail, der insgesamt nicht viel länger als 2 km sein dürfte, setzte auch schon langsam die Dämmerung ein, und ich begab mich auf Herbergssuche. An der Hauptstraße war mir ein Super8-Motel aufgefallen, und in Kenntnis der sehr günstigen Preise dieser Kette fuhr ich jetzt auch dort hin. Natürlich war ein Zimmer frei und wir wurden uns schnell handelseinig. In Erinnerung blieb mir allerdings der etwa 40jährige Portier des Motels: In der Lobby lief gerade der Fernseher und zu sehen war eine Wahlkampfrede von George W. Bush (zur Erinnerung: kurze Zeit später fanden die Wahlen in den USA statt!). Der Portier also hörte der Rede von Bush zu, und als sich dieser rühmte, wie toll er doch die US-Wirtschaft nach vorne gebracht hätte, begann er dermaßen lauthals auf den im Fernseher befindlichen Präsidenten zu schimpfen, dass ich Angst bekam, er würde jetzt gleich den Apparat zertrümmern oder in den Pool werfen. Über die Ausdrücke, die da gefallen sind, hülle ich mal lieber den Mantel des Schweigens; jedenfalls war das „F“-Wort auch oft genug dabei. Eins steht aber fest: Ein Stammwähler der Republikaner war der Mann mit Sicherheit nicht…

Nach dem Beziehen des Zimmers – normaler Motel-Standard – wollten wir noch was essen gehen. Wir fanden in der Nähe ein „Applebee’s“ Restaurant, und weil ich bislang nur Gutes über diese Kette gehört hatte, gingen wir rein um den Wahrheitsgehalt dieser Erfahrungsberichte zu überprüfen. Eigentlich hatte ich gedacht, ich wäre Bayern schon seit fast zwei Tagen entkommen – aber weit gefehlt. Auf der Getränkekarte stand doch tatsächlich ein Bier namens „Sam Adams Octoberfest“. Hä? Hab ich was verpasst? Höre ich Stimmen? Seit wann darf denn ein Bierbrauer aus Boston auf der Wiesn was ausschenken? Zu allem Überfluss bestand dieses Getränkeangebot auch noch aus „a pint and keep the glass“ – da konnte ich ja fast nicht widerstehen. Außerdem hatte ich ja noch 24 (ja, eine weniger, ihr wisst schon, warum) Dosen Weißbier, und dafür brauchte ich ja ein Glas. Kurz und gut, ich bestellte also dieses Angebot und bekam dieses Glas:

Es sollte sich tatsächlich für den Rest der Reise sehr hilfreich für den bereits beschriebenen Zweck herausstellen. Nebenbei: Das Essen im Applebee’s war tatsächlich hervorragend und günstig; diese Kette kann man ohne Einschränkung weiterempfehlen. Nach dem Essen schlenderten wir noch ein bisschen in Stateline, also den Ort an der Staatsgrenze herum. Wir bekamen hier schon einen kleinen Eindruck, wie es in Las Vegas zugehen muß – unmittelbar nach der Grenze zu Nevada stehen nämlich etliche Casinos, darunter auch ein Ableger der „Harrah’s“-Kette. Außerdem gibt’s dort tatsächlich ein Hard Rock Café, das aber meiner Meinung nach ebenso klein wie hässlich ist. So beließen wir es dort auch bei einem kurzen Reinschauen. Beinahe hätte ich mir in einem Souvenirladen einen schönen Cowboyhut gekauft – $160 schreckten mich aber ab; eine richtige Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte. Gegen 22.00 Uhr fuhren wir dann zurück ins Motel, und mein neues Glas durfte zum ersten mal seinen bestimmten Zweck erfüllen – ich hatte eine der Dosen in dem von mir zu einer Eiswürfeltonne umfunktionierten Abfalleimer kaltgestellt und so klang der Abend vor dem Fernseher aus.

3 Tag: Lake Tahoe – Yosemite NP

Nach einer erholsamen Nacht in South Lake Tahoe und den obligatorischen morgendlichen Muffins ging es weiter in Richtung Süden. Am Topaz Lake vorbei führte uns der Weg bis hinunter zum Mono Lake, wo wir kurz am Parkplatz hielten und über eine Art „Boardwalk“ hinunter zum See wanderten.

An diesem hölzernen Gehweg entlang sind in den entsprechenden Abständen die Ausmaße des Sees in den letzten Jahrzehnten gekennzeichnet. Der Mono Lake wird von Jahr zu Jahr kleiner, da die Zuflüsse zum See zum Großteil abgepumpt werden, um Trinkwasser für die Großstadt Los Angeles zu gewinnen – eine in Zeiten des immer wichtiger werdenden Umweltschutzes recht fragwürdige Praxis. Der Salzsee bildet so mehr und mehr Salzformationen heraus, die oft bizarre Formen annehmen.

Mit der Besichtigung des Sees hielten wir uns jedoch nicht lange auf – es galt schließlich, noch einiges an Strecke zu machen. Nach einem kleinen Mittagessen in Lee Vining gingen fuhren wir in Richtung Tioga Pass hinauf. Das Interessante an dieser Strecke ist die sich ständig verändernde Landschaft. Während an der Ostseite der Sierra Nevada, wo man am Mono Lake startet, noch eine absolut karge Vegetation herrscht, wird diese immer üppiger, je weiter man in Richtung Westen fährt. Der Grund hierfür liegt auf der Hand – die vom Pazifik hereinziehenden Wolken schieben sich an der Westseite des Gebirgszugs hinauf und regnen dort logischerweise ab – an der Ostseite kommt dann Regen nur noch sehr spärlich an.

Nach einiger Fahrzeit erreichten wir dann den Eingang zum Yosemite Park – hier kam uns eine Gruppe Motorradfahrer entgegen – für mich als eingefleischten Biker natürlich sehr interessant. Zu meinem Erstaunen war bei den Amerikanern im Park nur eine einzige Marke angesagt: BMW! Und das nicht nur im Bezug auf die Motorräder, sondern auch die Helme, Lederkombis und sogar –stiefel stammten vom Zubehörhandel der deutschen Marke. Hätte ich ehrlichgesagt so nicht erwartet…

Wir selbst deckten uns am Parkeingang natürlich mit dem National Parks Pass ein – schließlich sollten ja im Verlauf der Reise noch viele Parks besucht werden. Dann ging die Fahrt weiter bis hin zum Tenaya Lake, wo wir kurz zum Fotografieren stoppten. Das Wetter wurde jetzt deutlich besser, die Sonne schien und es versprach ein wundervoller Tag im Yosemite zu werden.

Unser nächster Stopp erfolgte dann natürlich am Olmstead Point, von wo aus man den berühmten Half Dome von hinten sehen kann. Hier durfte natürlich ein Erinnerungsfoto nicht fehlen.

Nach einer weiteren halben Stunde Fahrzeit erreichten wir den Eingang zum Yosemite Valley, dem zentralen Punkt im Nationalpark. Hier konnte man zum ersten mal den atemberaubenden Blick ins Tal genießen.

Im Tal selbst machten wir den ersten Stopp bei den Bridalveil Falls – dieser Wasserfall führte aber aufgrund der herbstlichen Jahreszeit nur sehr wenig Wasser. Andere waren komplett ausgetrocknet. An den schwarzen Rändern konnte man aber erkennen, wie groß der Wasserfall im Frühjahr zur Schneeschmelze sein muss. Im Bereich des Wasserfalls sahen wir auch einen kleinen Waldbrand – diese werden durch die Park Rangers überwacht und werden absichtlich gelegt – aber davon später mehr.

Weiter ging es ins Tal hinein. Unterwegs passierten wir „Cathedral Rock“ mit seinen schroffen Felsformationen.

Kurze Zeit später standen wir vor „El Capitan“ – dem zweithöchsten Berg im Tal – zweifelsohne ein atemberaubender Felsbrocken. Angeblich soll es sogar Bergsteiger geben, die in der Steilwand im Seil hängend sogar übernachten (!).

Wir beließen es bei einigen Fotos und setzten die Fahrt fort. Das Wetter hätte nicht besser sein können, es war sonnig, nahe 30° C und aufgrund der herbstlichen Jahreszeit war der Park keineswegs überlaufen. Etwas später bogen wir auf den Parkplatz beim Visitors Center ein. Von dort hatte man einen tollen Blick auf die Hauptattraktion des Parks, den Half Dome. Dieser Berg bietet wirklich einen einmaligen Anblick und ich kann gar nicht sagen, wie oft ich ihn letztlich aus allen möglichen Perspektiven fotografiert habe.

Im Visitors Center hielten wir uns nicht lange auf – die Snacks waren allesamt maßlos überteuert und so beließen wir es bei ein paar Postkarten. Wir fuhren dann das Tal zurück, bogen diesmal aber in Richtung Wawona Tunnel ab. Von dort aus bietet sich einem erneut ein atemberaubender Ausblick auf das ganze Tal – das gute Wetter spielte auch mit und so lief meine Canon regelrecht heiß.

Da es erst Spätnachmittag war, beschlossen wir, den eigentlich für tags darauf geplanten Ausflug zum Glacier Point schon heute zu unternehmen und sich so das eine oder andere Foto beim Sonnenuntergang zu sichern. Auf dem Weg dorthin blieben wir noch am Taft Point stehen – hier kann man sehr gut erkennen, wie gerade der Half Dome durch die Gletscher geschliffen wurde.

Am Glacier Point war ich dann natürlich nicht der einzige, der auf das begehrte Foto wartete. Für mich überraschend allerdings, dass etwa 75% der Besucher dort Deutsche waren. Egal – etliche Fotos des in Rottönen erstrahlenden Bergs entschädigten für die lange Anfahrt.

Nach dem Sonnenuntergang fuhren wir noch eine knappe Stunde weiter aus dem Park hinaus – schließlich wollte ich mir die recht hohen Preise der Logdes im Park nicht antun. In Oakhurst wurde ich dann tatsächlich auch fündig – ein „Best Inn“ bot schöne, saubere Zimmer recht preiswert an. In einem nahegelegenen Fischrestaurant bekamen wir dann nach kurzer Wartezeit noch einen Tisch für zwei Personen – und das Warten sollte sich lohnen. Das Essen war hervorragend und noch dazu preiswert. Insgesamt kann ich den preisbewussten Besuchern nur empfehlen, zum Übernachten aus dem Park hinaus nach Oakhurst zu fahren – günstige Hotels, Supermärkte und Restaurants sind dort reichlich vorhanden.

Fast erschlagen von den ganzen Eindrücken des Tages fielen wir auch heute wieder todmüde ins Bett.

4. Tag – Yosemite – Ridgecrest

Noch immer beeindruckt von den Impressionen des Vortags wachten wir im zwar einfachen, aber durchaus bequem eingerichteten Zimmer des Motels in Oakhurst auf. Wie üblich begaben wir uns in die Lobby, um das gewohnt karge Frühstück einzunehmen – aber weit gefehlt! Die Lobby quoll förmlich über von Motelgästen, die dort ihr Frühstück einnahmen – einige mussten sogar stehen. Grund hierfür war, dass es sich diesmal nicht um das 08/15 – Standard-Frühstück amerikanischer Motels handelte, sondern durchaus eine gute Auswahl an Heißgetränken, Saft, verschiedene Sorten Kuchen, Toast mit diversen Aufstrichen und Frischobst vorhanden war. Kurzum: Ein richtiges Frühstück. Wir fanden dann sogar noch einen Sitzplatz neben einem älteren Paar aus England und kamen auch gleich ins Gespräch. Das Paar hatte kurz zuvor den Yellowstone NP besucht und nun diskutierte man über Vorzüge und Nachteile im Vergleich mit dem Yosemite.

Nachdem wir uns im anliegenden Supermarkt noch mit Sandwiches eingedeckt hatten und auch der Tank des Pontiac erstmalig sein Recht eingefordert hatte, ging es wieder in den Yosemite NP hinein. Erstes Ziel des heutigen Tages war etwas, was ich schon seit etwa 20 Jahren unbedingt sehen wollte: Die Giant Sequoias des amerikanischen Westens. Viel hatte ich schon über diese Giganten gelesen und im TV gesehen, aber es geht doch nichts über ein Live-Erlebnis. So fuhren wir also nach Fish Camp wieder in den Park und schnurstracks Richtung Mariposa Grove. Gleich am Eingang musste dann natürlich das erste Erinnerungsfoto her, schon mit der ersten Sequoia…

Die Tatsache, dass der Park angesichts der Herbstzeit nur mäßig besucht war, und die doch noch recht frühe Tageszeit sorgte dafür, dass wir locker noch einen Platz am Parkplatz fanden. Horrorgeschichten von Besuchern, die in einem Endlos-Stau durch den Park schleichen, bewahrheiteten sich für uns somit gottlob nicht. Die Wanderung konnte also losgehen. Und wieder half uns der Zufall: Ohne dies irgendwie zu beabsichtigen oder zumindest gewollt zu haben, waren wir die einzigen Besucher, die den Rundwanderweg durch Mariposa Grove im Uhrzeigersinn wanderten. So wanderten wir dann völlig alleine etwa eine halbe Stunde und konnten in aller Seelenruhe die gigantischen Bäume bewundern, bevor wir wieder auf andere Touristen trafen.

Allen „Mitfahrern“, die diese wahrscheinlich größten Lebewesen der Welt noch nie gesehen haben, kann ich versichern, dass es für jemanden, der einigermaßen naturverbunden ist, wohl kaum ein beeindruckenderes Erlebnis geben kann als auf diese Goliaths des Pflanzenwuchses zu treffen. Man muss wirklich erst neben einem solchen Stamm stehen, um die schiere Größe begreifen zu können. Auch wenn es so wirken mag: Ich bin mit 1,80 m und knapp 90 kg auch kein Pygmäe…

Einige hundert Meter weiter trafen wir dann auf einen Bereich, in dem kurz zuvor offensichtlich ein Waldbrand „gewütet“ hat. Wie weiter oben schon erwähnt, werden diese oft von den Park Rangers absichtlich gelegt. Diese auf den ersten Blick paradoxe Maßnahme macht aber durchaus Sinn: Man hat nämlich festgestellt, dass ausgerechnet die Verhinderung von Waldbränden in den letzten 100 Jahren den Sequoias schadet. Die Zapfen der Sequoias brauchen nämlich die Hitze eines Waldbrandes, damit sich ihre Schuppen so weit öffnen können, um die Samen freizugeben. Folgerichtig kann sich eine Sequoia auch nur nach einem Waldbrand vermehren. Den ausgewachsenen Mammutbäumen kann ein Feuer übrigens nichts anhaben – die Rinde ist feuerhemmend und kokelt nur leicht an.

Wo wir schon beim Thema Zapfen sind: Solche gigantischen Bäume haben natürlich auch entsprechend große Zapfen. Das ist übrigens kein Kinderschuh, sondern mein eigener Fuß – immerhin Größe 43…

Nach dieser Exkursion in das Reich der Naturkunde will ich Euch natürlich nicht die echten „Stars“ des Hains vorenthalten. Kurz darauf trafen wir dann nämlich auf die größten Bäume im Mariposa Grove. Der „California Tree“ ist ein Baum, in dem Ende der 60er Jahre zu Werbezwecken ein Tunnel gebohrt wurde – trotz dieser doch massiven „Verletzung“ lebt der Baum aber weiter und wächst sogar noch. Claudia und ich fanden in der Aushöhlung natürlich locker Platz.

Der größte Baum im Hain ist allerdings der „Grizzly Giant“ – diese über 2800 Jahre alte Sequoia ist mit 68 m Höhe und 9 Metern Stammdurchmesser ein wahres Monstrum. Nach Informationen der Parkverwaltung (keine Ahnung, wie das errechnet wird) besteht dieser eine Baum aus sage und schreibe 858 Festmetern Holz – da könnte meine Oma ihren Kachelofen noch ein paar Jahre heizen…

Ein weiteres Highlight ist die Baumgruppe „The Bachelor and the three Graces“. Während das Wort „Bachelor“ in Deutschland vor allem wegen einer gewissen mega-peinlichen Verkuppel-Show eher negativ angehaucht ist, bietet sich hier dem Betrachter ein echter optischer Leckerbissen. Gleich fünf Sequoias stehen nahe beieinander; davon die Größte etwas abseits, was wohl irgendeinen Betrachter früherer Zeit mit ausgeprägter Phantasie darauf brachte, es könnte sich hier um einen Junggesellen mit vier buhlenden Schönheiten handeln (vielleicht war auch hier mehr der private Wunsch Vater des Gedankens; ich will das aber gar nicht weiter ausführen…).

Weiter ging es zurück in Richtung Parkplatz. Kurz vor dessen Erreichen trafen wir auf eine gefallene Sequoia, den „Fallen Monarch“. Claudia machte ein Foto von mir vor dem Wurzelstock – auch im gefallenen Zustand sind diese Bäume wirklich noch Giganten.

Da ich auf dem Land und auch in der Nähe von viel Wald aufgewachsen bin, schätzte ich zuerst die Liegezeit des Baums auf 30 – 40 Jahre. Die Infotafeln belehrten mich aber eines Besseren: Satte 300 Jahre liegt der Baum hier schon; und es gab auch Bilder aus dem 19. Jahrhundert mit Cowboys auf ihren Pferden, die auf dem Baum reiten. Das sollte auch gleichzeitig das Ende der Besichtigungstour im Mariposa Grove darstellen.

Wir fuhren weiter und gelangten kurz darauf zum Pioneer Yosemite History Center – eine Mischung aus Freilichtmuseum und den gut erhaltenen Überresten der ersten Siedler im Park. Ausgestellt waren in einem großen Überdach die ersten Kutschen und Arbeitsgeräte der Pioniere – durchaus interessant, mit wie einfachen Mitteln diese hier die ersten Jahre meisterten. Zudem war ein im Original erhaltenes (oder nachgebautes?) Dorf der Pioniere zu besichtigen – zugleich auch eine Station der Postkutsche früherer Zeit.

Dabei informierte mich ein Schild über das erste Gefängnis in dem Siedlerort – in diesem winzigen Kabuff waren zwei (!) Pferdediebe für über ein halbes Jahr eingesperrt… Ich überzeugte mich natürlich gleich selbst vom Liegekomfort dieser prähistorischen JVA… Wir ließen es uns nicht nehmen, mit der vor Ort verkehrenden Kutsche eine Runde zu drehen – der Kutscher war wirklich ein rechter Spaßvogel und erzählte uns einiges Wissenswerte über die Siedlerzeit. Wir kamen auch am Wawona Hotel vorbei, das angeblich das zweite Hotel in Californien überhaupt darstellt. Es ist heute immer noch in Betrieb; Übernachtungen sollen aber ein halbes Vermögen kosten. Anschließend setzten wir unsere Fahrt fort in Richtung Tioga Pass, also exakt die Strecke, über die wir tags zuvor in den Park gefahren waren.

Zwischendurch hielten wir noch kurz am Tunnel View – die Sicht war allerdings nicht annähernd mehr so spektakulär wie am Vortag – es war heute ziemlich diesig und ich war froh, die wichtigen Fotos schon am Vortag geschossen zu haben. Dafür kamen wir in den Genuß eines anderen Spektakels: Das sog. Yosemite Shuttle. Also, bevor ich in so ein hässliches sch#%§ding einsteige, fahr ich lieber gar nicht im Park herum. Das sah ungefähr so aus wie eine mobile Legebatterie für eingewanderte Marsmännchen mit vorgebauter Kabine für den Weckdienst… na ja, wer’s mag…

Diesmal hielten wir aber noch bei den Tuolumne Meadows und machten eine kleine Wanderung – diese auf der Hochebene gelegenen Sumpfwiesen mit ihrem ganz eigenen Bewuchs stellen eine für Europäer gänzlich unbekannte Landschaft dar. Zudem boten sich tolle Fotomotive.

Dies stellte auch gleichzeitig das Ende unseres Besuchs im Yosemite dar. Ich kann es vorweg nehmen: Der Park zählte mit zum Schönsten, was wir auf unserer Reise an Naturparks zu sehen bekamen. Man könnte ganze Wochen hier mit Wanderungen verbringen, ohne dass es einem langweilig wird. Im Rahmen einer Rundreise erhält man aber natürlich nur einen groben Abriß der Schönheit des Parks.

Eigentlicher Plan für den heutigen Tag war, nach erneuter Überquerung des Tioga Pass so weit nach Süden zu fahren wie möglich, damit man tags darauf direkt in das Death Valley einfahren konnte. Gesagt, getan – zwischendurch aßen wir noch bei „Denny’s“ in Bishop zu abend, und fuhren dann weiter, in der Hoffnung, irgendwo auf der Strecke ein günstiges Motel zu finden. Es sollte aber alles ganz anders kommen…

Obwohl wir ab ca. 18.00 Uhr bei wirklich jedem Hotel oder Motel (und das sind in dieser gottverlassenen Gegend nicht wirklich sehr viele) anhielten, war absolut nichts mehr zu kriegen. Man merkte deutlich, dass es sich um einen Samstag handelte; zudem war in einem der kleineren Orte (fragt mich jetzt aber nicht, wie der hieß) ein Country-Fest, was wohl zusätzlich für ausgebuchte Unterkunften sorgte. So gern ich auch dem offensichtlich authentischen Fest beigewohnt hätte – das einzig verfügbare Angebot ($120 plus tax für die allerletzte Absteige) wollte ich nicht annehmen.

Es blieb uns also nichts anderes übrig, als immer weiterzufahren – Rettung versprach ich mir mit Erreichen des etwas größeren Ortes Ridgecrest. Das war zwar eh schon ein Umweg, weil die Abzweigung zum Death Valley schon früher kam, aber zur Nachtzeit und völlig allein wollte ich wirklich nicht durch das Tal des Todes durch. So fuhren wir also nach Ridgecrest hinein, und jetzt begann der Ärger erst richtig…

Angesichts der schlechten Straßenbeleuchtung und der mir gänzlich unbekannten Stadt übersah ich kurz nach dem Ortseingang, dass die offizielle Straße mit abknickender Vorfahrt nach rechts weitergeht und fuhr natürlich geradeaus weiter. Ein fataler Fehler, wie sich gleich herausstellte: Das war nämlich die Zufahrt zu einem Navy-Stützpunkt hin. Obwohl ich den Fehler gleich bemerkte und wenden wollte, wurde ich von den Wachen auf den Seitenstreifen beordert. Kurioserweise hielt vor mir auf dem Seitenstreifen exakt der selbe Wagen, wie ich ihn selbst fuhr – ein goldfarbener GrandAm; offensichtlich auch ein Mietwagen (Barcode am Seitenfenster…). Das machte den Wachposten erst recht stutzig, obwohl in dem Wagen vor mir, wie sich herausstellte, zwei italienische Touristen saßen. Der Wachposten kassierte erst einmal unsere Pässe und gab diese weiter zur Überprüfung in Washington – wir könnten ja schließlich Terroristen sein. Die Tatsache, dass sowohl die Italiener als auch wir die Sache eher von der lustigen Seite nahmen und noch lauthals lachten, verwirrte den Posten natürlich noch mehr. Und auch der dritte Wagen mit „Falschfahrern“ ließ nicht lange auf sich warten, diesmal mit Touristen aus Sachsen. Nach einer Viertelstunde vergeblichen Versuchs des Wachpostens, sich mit diesen irgendwie zu verständigen (Wachposten konnte kein Deutsch, das Englisch der Sachsen, na ja, der Mathematiker würde sagen x -> 0) fragte er mich doch tatsächlich, ob ich deutsch sprechen könnte (weil ich ja einen deutschen Pass hätte) und ihm beim Übersetzen helfen würde, weil „these guys in the other car are also Germans but don’t speak any English…“). Ich stieg also hilfsbereit aus und ging zu dem Wagen nach hinten. Leute, ihr hättet die Gesichter der beiden Sachsen sehen sollen, als ich mich grinsend zum Fenster reinbeugte und auf deutsch fragte: „Na? Auch verfahren?“. Ich konnte aber die Fragen des Officers schnell klären und die Lage entspannte sich.

Schon nach etwa einer dreiviertel Stunde stellte sich überraschenderweise heraus, dass ich als bayerischer Gendarm nicht zum erweiterten Kreis der Al-Kaida zähle und wir erhielten unsere Pässe wieder. Wir fuhren dann in das „Städtchen“ rein und fanden auch relativ schnell ein Motel, das noch ein Zimmer frei hatte. Nach zwei Bierchens in einer nahegelegenen Sports-Bar schliefen wir dann hundemüde im Motel ein – mit einer weiteren Erfahrung zum Thema „Kampf gegen den Terror“ reicher…

5. Tag – Ridgecrest – Las Vegas

Relativ früh erwachten wir in dem Wüstenstädtchen, das uns tags zuvor fast einen Gratis-Trip nach Guantanamo Bay beschert hätte. Heute stand die Fahrt durch das Death Valley an, deshalb wollte ich mich unbedingt noch in einem Supermarkt mit dem Nötigsten eindecken. Das Auschecken verlief wie immer problemlos, nur die unterirdische Motivation der adipösen Angestellten des „Rodeway Inn“, insgesamt eh die schlechteste Unterkunft der gesamten Reise, fiel mir negativ auf.

Da uns die allmorgendlichen Muffins schon buchstäblich zum Allerwertesten hinausstaubten, beschlossen wir, im lokalen „Denny’s“ zu frühstücken – mit dieser Kette hatten wir noch nie einen Reinfall erlebt und so entwickelten wir uns mehr und mehr zu Stammkunden. So war es auch heute, das Angebot war mehr als reichlich und der Preis stimmte.

Anschließend also hin zum nächsten Supermarkt. In Erinnerung blieb mir, dass dieser Markt einen Parkplatz hatte, dessen Anzahl der Stellplätze wohl weitaus höher war als die Gesamtzahl der in Ridgecrest zugelassenen Pkws. Wie in aller Welt sollte dieser riesige Platz auch nur annähernd gefüllt werden? Über die Antwort grüble ich heute noch, wegen der mehr als abgelegenen Lage des Orts kann „Kundschaft von außerhalb“ die Lösung nicht sein…

Nun, neben den üblichen Softdrinks und ein paar Tüten Knabbereien kauften wir uns auch einen etwa 10 Liter fassenden Behälter mit Frischwasser – für den Fall, dass wir ausgerechnet im Tal des Todes irgendwie hängen bleiben würden. Eine überflüssige Investition, wie sich später herausstellen sollte, aber die $1,50 war mir das beruhigte Gewissen in jedem Fall wert.

Gegen 10.00 Uhr ging es dann los. Nachdem wir Ridgecrest hinter uns gelassen hatten, ging es erst einmal ziemlich lang durch recht ödes Gebiet. Im Wüstenort „Trona“ passierten wir eine Mine, und angesichts der Trostlosigkeit der Gegend kam ich mehr und mehr zu der Erkenntnis, dass Kalifornien nicht nur aus traumhaften Küstenorten wie Santa Monica oder Coronado Beach besteht…

Der Straßenverlauf wurde auch immer übersichtlicher, je näher man in Richtung des Death Valley kam. Die längste Gerade hier ist satte 18 km lang, und vor der dahinter liegenden leichten Linkskurve war ein Warnschild – offensichtlich für die, die am Steuer eingeschlafen waren…

Claudia wollte nun auch unbedingt mal ans Steuer; und weil ja mangels anderer Verkehrsteilnehmer Kollisionen nicht zu befürchten waren, nahm ich auf dem Beifahrersitz Platz. Das Fahren klappte auch ganz gut – Claudia ist ja von meinem BMW Automatikgetriebe gewöhnt – einzig der Tempomat… zwei Welten prellen aufeinander! Immer dann, wenn sie versuchte, das Ding zu betätigen, benahm sich unser Pontiac, als ob wir in Ridgecrest Känguruh-Benzin getankt hätten. (was aber weniger am Auto als vielmehr am nervösen Gasfuß von Claudia gelegen hat). Kurzum, nach etwa 20 km verließ Claudia die Lust am Fahren und ich übernahm das Steuer wieder.

Einige Zeit danach befanden wir uns dann am Eingang zum Death Valley – hier durfte das obligatorische Erinnerungsfoto nicht fehlen.

Leider war ein Großteil des Death Valley wegen Straßenschäden, die angeblich auf Überflutungen zurückzuführen waren (kapier ich heute noch nicht), gesperrt, so dass die Sand Dunes den einzigen echten Höhepunkt im Tal darstellten. Dort ausgestiegen blies einem der heiße Wüstenwind aber recht stark mit ca. 38° C ins Gesicht – für Mitte Oktober ein doch beachtlicher Wert. Wie es hier wohl im Hochsommer sein muss?

Nach ein paar Fotos und ein wenig wandern in den Dunes ging die Fahrt weiter. Wegen der Streckensperrung musste ich den Umweg über Beatty in Kauf nehmen. Kurz vor Erreichen der Staatsgrenze passierten wir eine Unfallstelle, an der die Insassen von zwei Streifenwagen und einem Rettungsfahrzeug sich gerade an einem Auto zu schaffen machten, dass kopfüber etwa 30 m von der Straße entfernt im Gelände lag. Autsch! Hier möchte ich auch nicht verunfallen, bevor da professionelle Hilfe vor Ort ist, vergeht ja eine Ewigkeit.

Kurz danach passierten wir dann die Staatsgrenze nach Nevada. Erster positiver Aspekt: Die Geschwindigkeitsbeschränkungen in Nevada sind nicht so strikt, fortan stellte ich also den Tempomaten auf gute 75 mph ein.

Dass wir uns nun im „Silver State“ befanden, wurde einem schon in dem kleinen Ort Beatty bewusst: Die ersten Casinos und Gambling Halls gibt es nämlich auch hier schon. Weiter ging es auf dem Highway 95 in Richtung Las Vegas.

Mit reichlich Erstaunen bemerkte ich nun zahlreiche Schilder am Straßenrand, die das Mitnehmen von Anhaltern streng unter Strafe stellen – bis zu 10 Jahre Haft soll es dafür geben. Wo in aller Welt sollen denn hier mitten in der Wüste Anhalter herkommen, und vor allem: Was kann denn daran so verwerflich sein, jemanden mitzunehmen? Kurz darauf kam ich auf des Rätsels Lösung: Wir passierten das Staatsgefängnis von Nevada! Klar, hier jemanden mitzunehmen – vielleicht auch noch Träger eines orangefarbenen Designeranzugs – könnte u. U. böse Folgen haben. Das Gefängnis hier mitten in dieser öden Gegend zu bauen, fand ich übrigens keine schlechte Idee: Ein Entkommen zu Fuß ist praktisch unmöglich, weil weit und breit kein einziges Haus steht.

Weiter ging die Fahrt in Richtung der Spielerstadt. Nach etwa zwei Stunden Fahrzeit tauchte dann auch die Silhouette der Stadt vor uns auf, als erstes natürlich der Stratosphere Tower. Im dichten Verkehr ging es dann über die Stadtautobahn rein, und wir erwischten dank aufmerksamen Studiums der Beschilderung auf Anhieb gleich die richtige Ausfahrt. Schon befanden wir uns auf dem „Las Vegas Boulevard“, und das von mir vorgebuchte Hotel tauchte auch gleich vor uns auf: Stratosphere Hotel, Casino & Tower

Das Stratosphere hatte ich deshalb gebucht, weil aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen alle großen Themenhotels am Strip trotz eigentlich billigem Wochentag gesalzene Preise hatten – einzig das Strat bildete hier eine Ausnahme, und so fiel die Wahl auf dieses Hotel. Übrigens keine schlechte Wahl, wie wir feststellten. Nach kurzem Suchen fanden wir auch das riesige direkt am Hotel gelegene Parkhaus, und samt Gepäck ging es nun ans Einchecken. Das funktionierte auch recht problemlos, die Buchung von Deutschland aus hatte perfekt geklappt. Wir bekamen noch eine „Resort Fee“ von $5 pro Tag in Rechnung gestellt, dafür erhält man aber ein Heft mit allen möglichen Gutscheinen und Verbilligungen. Das Zimmer –normaler Standard Room – war sauber und geräumig, allerdings ohne viel Prunk ausgestattet. Gemessen am Preis (€ 45) hatten wir aber doch einen guten Deal gemacht, wie wir fanden.

Wegen der Hitze in den vergangenen Stunden wollte Claudia unbedingt gleich in den Hotel-Pool springen, um sich abzukühlen – ich hingegen wollte gleich die Spielerstadt erkunden, baden gehen kann ich schließlich zu Hause das ganze Jahr. Nach zähem Ringen einigten wir uns auf eine Stunde Pool und betraten also den auf dem Dach eines Nebengebäudes befindlichen Hotelpool. Die Poolanlage ist für das Hotel ausreichend, allerdings längst nicht so spektakulär wie die Pools der teureren Hotels.

Während sich Claudia im Pool vergnügte, beobachtete ich das Treiben auf der Spitze des Stratosphere Tower und war überrascht über den starken Flugverkehr von McCarran Airport aus – beinahe im Minutentakt starteten hier die Flugzeuge.

Nach Ablauf der genehmigten Stunde zogen wir uns im Zimmer um und gingen nach unten, um sich die Stadt anzusehen. Geplant hatte ich für den heutigen Abend die Besichtigung des „alten“ Vegas, also der Fremont Street. Zuvor mussten aber natürlich etliche Fotos von unserem Hotelturm gemacht werden…

Der Turm ist das höchste Gebäude westlich des Mississippi und überragt mit gut 350 m Höhe (ohne die Antenne des Big Shot) alle anderen Gebäude in der Stadt.

Wir gingen also zu Fuß in Richtung der Fremont Street – keine gute Idee, wie wir gleich bemerkten. Obwohl die Entfernung gar nicht so groß ist, führt der Weg durch eine relativ heruntergekommene Gegend, und etliche recht zwielichtig aussehende Gestalten verursachten bei uns ein mulmiges Gefühl. Dabei kommt man an einer Kopie des berühmten Vegas-Schilds im Süden der Stadt vorbei..

In der Fremont Street angekommen sahen wir uns erst mal ein wenig um. Es war noch Tageslicht und deshalb sah alles nicht ganz so spektakulär aus. Ich machte ein paar Fotos von den bekannteren Hotels, z. B. dem „Golden Nugget“.

Und noch etwas fiel auf: Man konnte hier alkoholische Getränke offen auf der Straße trinken – in anderen Bundesstaaten ja ein absolutes Tabu. Ein Getränkestand verkaufte Cocktails und Bier, und ich löschte erst mal mit einem ca. 0,7 l großen Becher eiskaltem Budweiser für $3 meinen Durst. Wir sahen uns in den Läden um und neben einer Sonnenbrille für nur $1 deckten wir uns auch mit Postkarten ein – die lieben Daheimgebliebenen wollen ja auch versorgt sein. Auch einige Souvenir- T-Shirts zum absoluten Spottpreis gingen in mein Eigentum über.

Schön langsam dämmerte es und wir beschlossen, essen zu gehen. Hatte ich da nicht eine Werbung des „Las Vegas Club“ Hotels gesehen, wo ein 20 oz T-Bone-Steak nebst Beilagen für $ 11,95 zu haben war? Dem konnte ich natürlich nicht widerstehen… Wir gingen also zu der angepriesenen Sportsbar und mussten dort etwa 20 Minuten warten, bis wir einen Platz bekamen. Die Warterei lohnte sich aber, das servierte Prachtstück habe ich dann auch gleich noch fotografiert…

Nach dem Essen ging es wieder raus in die Fremont Street. Mittlerweile war es Nacht geworden und die Straße erstrahlte in den vielen Neonlichtern.

Kurz darauf gingen alle Lichter der Hotels aus, und die große Lichterdecke an. Gespielt wurde – was auch sonst – „The Star Spangled Banner“. Alle Leute blieben stehen, nahmen die Hüte ab und sangen mit. Die Lichterdecke und die erstklassige Soundanlage sorgten auch bei mir für Gänsehaut.

Als wir die Fremont Street schon verlassen wollten, fiel mir noch ein Laden mit typischen Souvenirartikeln des amerikanischen Westens auf. Jetzt zahlte es sich aus, dass ich in Lake Tahoe von den überteuerten Preisen für einen Cowboyhut abgeschreckt wurde – es gab hier einen noch viel schöneren für umgerechnet nur € 46 – und der ging natürlich auch gleich in meinen Besitz über – übrigens kein Schund, sondern ein echter „Renegade“ (Made in Texas). Ihr werdet ihn auf einigen Fotos zu einem späteren Zeitpunkt noch bewundern können…

Nun wollten wir aber zurück zum Hotel. Leider waren die wenigen Pendelbusse restlos überfüllt und keine Taxis greifbar, so dass wir den Weg wieder zurück gehen mussten. Wir schafften es aber, ohne ausgeraubt zu werden und erreichten so gegen 22.30 Uhr wieder das Stratosphere Hotel.

Jetzt kam der eigentliche Höhepunkt des Tages: Wir fuhren bei Nacht rauf in die Spitze des Stratosphere Tower. Unten hatten wir uns im Paket schon mit Tickets für den Big Shot und den „X-Scream“ Thrill Ride eingedeckt, zuvor genossen wir aber noch den Ausblick über das Lichtermeer des nächtlichen Las Vegas.

Ich nutzte die Gunst der Stunde und machte Claudia den schon lange so geplanten Heiratsantrag, der auch prompt positiv beschieden wurde. Die Verlobungsringe, die ich schon in Deutschland gekauft und heimlich mitgeführt hatte, wurden natürlich auch gleich angesteckt. Wie ich die Dinger unbemerkt durch den Röntgenapparat am Fuß des Turms bekommen habe, versteht Claudia bis heute nicht, und es wird auch mein Geheimnis bleiben… Ich kann es vorweg nehmen: Am 15. April diesen Jahres gaben wir uns dann in der Heimat das Ja-Wort im Standesamt, die kirchliche Hochzeit wird 2006 folgen.

Nach diesem erhebenden Moment waren nun die Thrill Rides an der Reihe. Von den diversen Volksfesten in der Heimat ja einiges gewöhnt war ich der Meinung, dass mich das auch nicht sonderlich schockieren könne. Wie man sich doch irren kann. Beim Abheben im Big Shot gab mir mein Kleinhirn das deutliche Signal: „So, Dein Leben ist jetzt beendet. Du wirst ins Orbit katapultiert und erst irgendwo jenseits des Pluto wieder zum Stehen kommen..:“ – der anschließende Fall nach unten tat ein Übriges, weil man voll aus den Sitzen gehoben wird und von der Plattform des Turms erst mal nichts mehr sieht – so entsteht der Eindruck, man würde jetzt gleich die über 350 m im Freien Fall bis zum Strip hinunter zurücklegen.

Der Adrenalinspiegel befand sich zwar schon im roten Bereich, die Tickets für den X-Scream wollte ich aber dennoch nicht verfallen lassen. Rein also in die nächste Höllenmaschine. Wir waren zu allem Überfluss die ersten in der Reihe und saßen so in dem Wägelchen ganz vorn. Spaß gemacht hat die Sache allerdings dann schon; und die hoteleigene Fotoanlage hielt „den“ Moment fest…

Nach der Fahrt genossen wir noch ein wenig den Ausblick und versuchten, die in den schillernsten Farben leuchtenden Hotels am südlichen Strip ihren Namen zuzuordnen. Danach ging es mit dem Fahrstuhl wieder nach unten, wo wir am Roulette-Tisch noch $20 verzockten. Anschließend ging es aufs Hotelzimmer – wir waren ja schließlich jetzt Verlobte…

6. Tag – Las Vegas

Heute schliefen wir richtig lange aus – schließlich war dies der erste Tag, an dem überhaupt nicht gefahren werden musste. Auf dem Plan stand die Erkundung des Strips.

Da ich aber tags zuvor in dem beim Einchecken erhaltenen Couponheft Gutscheine gefunden hatte, die Hotelgästen des Stratosphere eine kostenlose Fahrt auf die Turmspitze (allerdings nur zur Mittagszeit) ermöglichen, nutzten wir zuvor dieses Angebot noch aus. Die Aussicht vom Turm bei Tag ist natürlich nicht annähernd so spektakulär wie nachts, dennoch hat man aber einen guten Überblick. Ein Erinnerungsfoto durfte wiederum nicht fehlen. Die „Lederne“ hatte ich extra für diesen Tag nach USA mitgenommen; schließlich wollte ich abends überprüfen, wie authentisch das Hofbräuhaus in Las Vegas aufgezogen ist…

Nach etlichen Fotos fuhren wir zurück nach unten und begannen unsere Erkundungstour des Strips. Ich hatte vor Reiseantritt bereits viele Warnungen von Vegas-Besuchern gelesen, man solle die Entfernungen am Strip nicht unterschätzen. So beschlossen wir, die weniger aufsehenerregenden Hotels am North Las Vegas Boulevard links liegen zu lassen und fuhren mit dem Pendelbus (der im Übrigen vollkommen überfüllt war) erst mal bis hinunter zum Treasure Island. Dort begannen wir, den Strip zu erkunden.

Nachdem wir im Stratosphere noch nichts gegessen hatten und sich angesichts der Mittagszeit der Hunger einstellte, wollten wir im TI das Buffet testen. Als ich jedoch im Eingangsbereich einen Hotelangestellten fragte, wie ich den Weg zum Buffet finden könne, meinte dieser nur lapidar, er würde mir empfehlen, zum Essen nach nebenan in das Mirage zu gehen, weil das Buffet dort wesentlich besser sei. Etwas verwundert über so eine Aussage befolgte ich seinen Rat und wir betraten das Mirage. Schon der Eingangsbereich hier ist ein wahrer optischer Leckerbissen: Pflanzen wie in der Südsee befinden sich in der Lobby, und die Einrichtung ist wirklich sehr schön. Wir begaben uns also zu „Cravings“, dem hoteleigenen Buffet. Natürlich befand sich davor eine kleine Warteschlange, aber nach ca. 10 Minuten konnten wir den Buffetbereich betreten.

Während des Wartens wurde ich von zwei deutschstämmigen Texanern auf meine für Vegas etwas unübliche Bekleidung angesprochen – wir plauderten ein wenig und schon entstand die Idee, sich zusammen an einen Tisch zu setzen. Conrad und Fred sprachen auch deutsch und so verbrachten wir satte 2,5 Stunden im Buffetbereich. Das Buffet selbst kann ich übrigens wärmstens empfehlen – es ist allererste Sahne und die Auswahl ist auch unglaublich groß. Nach dem Essen wurde noch ein Erinnerungsfoto geschossen und man vereinbarte, sich evtl. mal wieder zu treffen. Vielleicht ja auch der Anlaß, mal Texas in meine Reisepläne aufzunehmen.

Pappsatt starteten wir unsere Erkundungstour. Das Wynn, das während unseres Besuchs noch nicht eröffnet war, konnte ich nur von außen fotografieren.

Im Anschluß besichtigten wir das luxuriöse Venetian auf der anderen Seite des Strips. Dieses Hotel stellte sich später dann auch als Claudias Favorit in Sachen „schönstes Hotel“ heraus. Es ist wirklich ein getreuer Nachbau der italienischen Stadt Venedig (nur nicht so schmutzig) mit echten Gondolieri, einem Kanal und sogar einem Taubenschwarm (!), dazu noch absolut luxuriös eingerichtet. Die Preise sind allerdings auch gesalzen…

Weiter ging es den Strip hinunter. Einige der Hotels fotografierten wir nur von außen, andere betraten wir und sahen uns auch die Lobby an. Ich selbst war vor allem vom Cesars Palace, vom Aladdin und vom MGM beeindruckt. Sehr luxuriös fanden wir auch das Bellagio; das muss es bei den Zimmerpreisen aber wohl auch sein.

Beim Betreten des Excalibur, das vor dem Stratosphere eigentlich meine erste Wahl für eine Buchung war, war ich recht dankbar, dass die Preise dort entsprechend hoch waren. Die Einrichtung fand ich nämlich schon etwas kitschig; das Thema Mittelalter könnte man besser umsetzen.

Mittlerweile war es Abend geworden und zudem drückte mich die oben schon erwähnte Neugier wegen des Hofbräuhauses. Wir schlenderten also die Harmon Ave rüber und betraten das Hofbräuhaus. Meine ursprünglichen Befürchtungen, es könnte sich dabei um einen billigen, amerikanisierten Abklatsch des Münchner Originals handeln, bestätigten sich aber nicht. Es ist eine originalgetreue Kopie, sogar die Dirndl der Bedienungen und das HB Bier sind echt. Einzig die Tatsache, dass man am Eingang warten muss („Wait to be seated“), störte etwas. Musik kam von einer Blaskapelle, die den Gästen richtig einheizte, u. a. mit Kuhglocken- und Alphorneinlagen. Wie ich von einem der Musiker erfuhr, handelte es sich um eine Tiroler Kapelle, die für einige Wochen von den Machern des Hofbräuhaus Las Vegas angeheuert wurde.

Nach zwei Maß hatte ich genug von der „Heimat“ und wir ließen uns von einem Taxi zum Luxor chauffieren. Hier war erst einmal ein erneutes Erinnerungsfoto fällig – zwischen den Statuen, versteht sich. Das Luxor mit seinem riesigen Atrium und den hängenden Zimmern gefiel mir auch besonders gut; auch das Thema Ägypten war hier toll umgesetzt. Wir nahmen das „Pharaos Pheast Buffet“ in Anspruch, weil mir dieses von mehreren Seiten empfohlen wurde. Es war tatsächlich ganz gut; an das „Cravings“ vom Mittag kam es aber nicht ran.

Nach dem Essen hatten wir genug vom Besichtigen; außerdem taten mir mit meinen Haferlschuhen die Füße schon dermaßen weh dass ich keine Lust mehr zum Laufen hatte. Die Werbetafel des Tropicana musste ich aber doch noch fotografieren… es hört einfach nicht auf…!

So nahmen wir den Pendelbus am Strip und fuhren zurück zum Hotel. Die Fahrt gestaltete sich dann auch recht lustig – neben uns saß irgendeine Mischung aus Tunte, Faschingskostüm und Hinterlader, der im Anblick meiner Hose auf die tollsten Gedanken kam. Ich will das hier gar nicht weiter ausführen; ihr könnt Euch mit dem Bild selbst einen Reim darauf machen. Ich selbst amüsierte mich köstlich über diesen Kerl, Claudia war hingegen von seinen Absichten nicht so begeistert…

Im Stratosphere tranken wir dann noch eine Kleinigkeit an der Bar und ließen den Abend dann im Zimmer am Fernseher ausklingen. Sicher, es wäre noch viel mehr zu besichtigen gewesen in Vegas, aber wir waren von der Latscherei hundemüde.

Zudem hatten wir bereits fest beschlossen, irgendwann nach Vegas zurückzukehren – mindestens eine Woche, um sich alles in Ruhe ansehen zu können und auch mal zu relaxen. Das wird übrigens am 24.11. diesen Jahres passieren…

7. Tag – Las Vegas – Zion NP

Wir ließen den Tag locker angehen und entschlossen uns, im hoteleigenen „Courtyard Buffet“ das Frühstück einzunehmen. Gemessen am niedrigen Preis war die Leistung hervorragend: Die Auswahl war riesig und die Speisen wussten auch geschmacklich zu überzeugen. Einzig der Service fällt gegenüber anderen Buffets ab – so müssen z. B. Kaffee und Saft selbst geholt werden. Uns war’s egal und wir frühstückten ausgiebig, geplant war schließlich, das Mittagessen ausfallen zu lassen.

Anschließend besichtigten wir noch die Einkaufspassage des Hotels und sicherten uns das ein oder andere Souvenir. Ich habe übrigens noch nirgends auf der Welt einen Ort kennengelernt, in denen diese Mitbringsel so extrem billig sind, z. B. schöne Kaffeetassen für $1…

Gegen 10.00 Uhr checkten wir dann aus, was extrem schnell und problemlos vonstatten ging. Wir verließen Las Vegas auf der I-15 Richtung Norden und fuhren über St. George bis Springdale am Zion NP.

Schon bei den Reiseplanungen war mir für die heutige Übernachtung das „Majestic View Lodge“ im Internet aufgefallen, und wieder hatten wir Glück: Es waren reichlich Zimmer frei und wir sicherten uns eines davon. Es sollte die schönste Unterkunft der gesamten Reise werden, und das war mir die $130 incl. tax auch wert. Die Eindrücke von dieser ebenso urig wie luxuriös eingerichteten Lodge will ich Euch nicht vorenthalten:

Nachdem wir unser Gepäck im Zimmer verstaut hatten, ging es los – der Zion NP wollte erkundet werden. Auch hier kam uns wieder entgegen, dass wir in der Nachsaison reisten: Der Besucherandrang war minimal, das Wetter hingegen optimal. Die Sonne schien und es war nicht allzu heiß; gute Bedingungen also zum Wandern. Der Shuttle-Bus brachte uns zum Eingang des Parks, wo wir unseren National Parks Pass zum zweiten mal einsetzten und hierfür reichlich Karten- und Infomaterial erhielten.

Nach dem Parkeingang durften wir das Shuttle wieder betreten und fuhren bis zum ersten Stop mit. Dieses Shuttle ist wirklich eine tolle Einrichtung: Man kann im hop-on / hop-off Verfahren beliebig mitfahren oder immer mal wieder ein Stück wandern. Und genau das taten wir auch. Das Wetter lud dazu ein und die Entfernungen bis zum nächsten Shuttle Stop waren nicht zu lang. So boten sich uns schöne Eindrücke des Parks.

Als letzten Punkt erreichten wir den „Temple of Sinawava“ – ein von Steilwänden umgebenen Punkt am Ende des Tals. Die Felsbastionen sind hier wirklich atemberaubend; kein Wunder also, dass die Indianer diesen Ort als eine heilige Stätte ansahen. Wir wanderten noch bis ganz hinten zu dem Punkt, wo der Trail an einem Fluss endete. Leider war mittlerweile auch die Sonne schon untergegangen und es wurde merklich kühler. Wir beschlossen also, das nächste Shuttle zurück zur Lodge zu nehmen. Lustige Anekdote am Rande: Im Shuttle hinter mir unterhielt sich ein älteres Paar in tiefstem bayerischen Dialekt. Ich ließ es mir natürlich nicht nehmen, die beiden auf bayerisch anzusprechen und genoss die verdutzten Gesichter – tja, von einem Cowboyhutträger in Utah hätten sie das nicht erwartet…

Zurück in der Lodge aßen wir im dazugehörigen Steakhouse zu abend – wie das Hotel nicht ganz billig, aber erstklassig. Das Ambiente der komplett aus Holz erbauten Gebäude passte auch wunderbar, und so schmeckte es gleich doppelt gut.

Nach dem Essen besichtigten wir noch die ebenfalls zur Lodge gehörige Ausstellung mit ausgestopften Tieren der nordamerikanischen Fauna. Insgesamt sind hier etwa 30 Tiere ausgestellt, hier zwei ausgesuchte davon:

Die Hirsche im unteren Bild haben sich übrigens tatsächlich in der freien Natur so verkeilt und kamen nicht mehr voneinander los. So gingen sie letztlich an Erschöpfung zugrunde. Nach dieser Besichtigung zogen wir uns auf unser tolles Zimmer zurück. So vorsintflutlich wie das Bett auch aussieht – bequem war es auf alle Fälle… Wir ließen den Abend also im Zimmer ausklingen und mein Dosenbestand verringerte sich erneut…

8. Tag – Zion NP – Bryce Canyon – Torrey

Nur ungern verließen wir am heutigen Morgen unsere Lodge – zu gut hatte es uns dort gefallen. Aber ein weiterer Tag am Zion NP hätte meinen Zeitplan komplett durcheinander gebracht, und es hab ja schließlich auch noch andere Parks zu besichtigen.

Wir machten uns also auf den Weg in Richtung des Bryce Canyon, der auch unser heutiges Hauptziel darstellte. Vor Erreichen des Bryce Canyon durchfuhren wir aber noch den sog. „Red Canyon“, eine Art kleiner Ableger des Bryce. Die tiefroten Felsen des Red Canyon gaben uns dann schon einen kleinen Vorgeschmack, was uns heute erwarten würde.

Nach etwa 2 Stunden Gesamtfahrzeit erreichten wir dann den Nationalpark und konnten erneut unseren National Parks Pass zum Einsatz bringen – wie üblich gab es auch hier wieder umfangreiches Karten- und Informationsmaterial. Das Wetter war für eine Besichtigung des Parks optimal, es war sonnig und nicht zu warm. Schon nach kurzer Zeit hielten wir beim ersten Viewpoint und genossen die schier unglaubliche Aussicht auf die sog. Hoodoos des „Bryce Amphitheaters“. Diese Gebilde aus rotem Sandstein kommen so nur im Bryce Canyon vor.

Ich konnte mich daran gar nicht satt sehen und wir beschlossen, eine kurze Wanderung nach unten zum Fuß der Hoodoos zu machen. Wir gingen also los und fanden uns schon bald auf einem engen, serpentinenförmig nach unten führenden Wanderweg wieder. Unten angekommen kamen wir dann aus dem Staunen gar nicht mehr heraus – von diesem Blickwinkel aus sahen die Gesteinsformationen noch beeindruckender aus als von oben. Außerdem variierte die Farbe der Hoodoos mit unterschiedlichem Lichteinfall von tiefrot bis hin zu hellbraun. Wir gingen den Wanderweg weiter und trafen auf einen Punkt, an dem die Hoodoos ganz eng aneinander stehend eine Art Klamm bildeten und beiderseits des Weges senkrecht nach oben ragten.

Mit einem kurzen Blick in das erhaltene Kartenmaterial überprüfte ich, wohin der durch diese Klamm führende Weg wohl führt und stellte fest, dass wir uns noch am Anfang eines längeren Trails befanden, der sich über etliche Meilen hinzog und an einem anderen Aussichtspunkt endet. Da wir weder die Zeit für so eine lange Wanderung noch jemanden hatten, der unser Auto nachgefahren hätte, kehrten wir um und setzten die Fahrt mit dem Auto fort. Überflüssig zu erwähnen, dass uns der Aufstieg zum „Rim“ ungleich schwerer fiel als der vorangegangene Abstieg…

Wir hielten im weiteren Verlauf an jedem Viewpoint und sahen uns den Canyon aus den verschiedensten Blickwinkeln an. Allein um das „Amphitheater“ gibt es vier eigene Punkte; und die verschiedenen Aussichtspunkte haben selbstredend alle klangvolle Namen wie „Sunrise Point“, „Inspiration Point“ oder „Rainbow Point“. Etwas später gelangten wir zu einem Punkt, von dem man aus fast den gesamten Bryce Canyon überblicken kann – ein unvergesslicher Anblick. An diesem Punkt erklärte auch eine Park Ranger(in) die Entstehungsgeschichte und die geologischen Vorraussetzungen für das Entstehen der „Hoodoos“.

An einem weiteren Viewpoint war dann eine „Natural Bridge“ zu sehen – die aber eigentlich ein Arch ist, weil sie ohne den Einfluß eines fließenden Gewässers entstanden ist. Mit 38 Metern Spannweite hat sie/er durchaus imposante Maße – vor allem, wenn man wie wir zu diesem Zeitpunkt, die viel größeren Exemplare im Arches NP noch nicht gesehen hat… Am Spätnachmittag verließen wir dann den Bryce Canyon – schließlich hatten wir noch ein gutes Stück Fahrerei vor uns. Ich wollte es am heutigen Tage auf alle Fälle noch in die Gegend um Torrey schaffen, um tags darauf keine recht langen Anfahrtswege zu haben, und das bedeutete noch etwa drei Stunden Fahrzeit. Unterwegs durchfuhr man die verschiedenartigsten Landschaften, und u. a. traf ich dann auf ein wundervolles Panorama in der Abendsonne, das ich Euch nicht vorenthalten will…

Da ich auch heute kein festes Hotel vorgebucht hatte, fuhr ich also in den winzigen Ort Torrey hinein. Am Ortseingang war mir zwar gleich ein „Days Inn“ aufgefallen, das ich aber vorerst links liegen ließ; schließlich sind diese Motels eh nahezu überall gleich, und in diesem urigen Örtchen wollte ich etwas „authentischeres“ haben. Kurz darauf fand ich dann exakt das, was ich gesucht hatte: „Austin’s Chuckwagon Motel“, nebst daneben liegendem General Store. Das familienbetrieben Motel hatte zwar keine Zimmer mehr im neueren Gebäude frei, dafür aber noch eins in dem viel älteren Teil – offensichtlich noch vom Anfang des vorigen Jahrhunderts stammend, dafür aber noch wesentlich preiswerter als die „normalen“ Zimmer. Mir gefiel das Motel auf Anhieb und wir nahmen das Zimmer im alten Gebäude. Dieses war zwar einfachst eingerichtet, aber sauber und verfügte über die übliche Ausstattung, incl. Fernsehgerät. Da jedoch alles aus Holz war, kam richtige Westernstimmung bei uns auf und wir waren froh, nicht das Days Inn gebucht zu haben. Der kauzige Mann im Motelbüro – offensichtlich auch Inhaber des kleinen Komplexes – war sehr nett und gab uns noch einige Restaurantempfehlungen für das Abendessen – diese hielten sich natürlich in Anbetracht der äußerst übersichtlichen Größe von Torrey in Grenzen. Gleichwohl genossen wir dann noch ein sehr gutes Dinner, wenn auch der gesalzene Preis dafür gar nicht so recht zur Beschaulichkeit des Ortes passen wollte.

Offensichtlich zieht man hier Nutzen aus dem bereits erwähnten recht beschränkten Angebot. Wir ließen den Tag auch heute wieder auf unserem Zimmer ausklingen – was hätten wir auch sonst tun können…???

9. Tag – Torrey – Goblin Valley – Dead Horse Point SP – Arches NP

Der heutige Tag sollte es in sich haben – gleich mehrere kleine Naturparks waren unser Ziel. Nachdem wir aus der gemütlichen Chuckwagon Lodge ausgecheckt hatten, fuhren wir weiter auf dem kleinen Highway 24 in Richtung Norden. Vor Fahrtantritt deckten wir uns bei Subway in Torrey noch mit einem Footlong Sub ein, der zusammen mit einigen Diet Cokes das Frühstück ersetzte – auch in dieser Hinsicht wurden wir immer „amerikanischer“…

Wir durchquerten mit dem Auto kurz später den Capitol Reef NP, ohne hier aber zu wandern oder etwas zu besichtigen – leider reichte unser Zeitplan nicht aus, um alle Nationalparks zu besuchen. So bogen wir einige Zeit später von der Hauptstraße nach links in eine kleine Nebenstraße ein, um etliche Meilen später das erste Highlight des heutigen Tages zu erreichen:

Am Eingang zu dem State Park, in dem der National Parks Pass keine Gültigkeit hat, fand ich ein kleines Ranger-Häuschen, das jedoch verwaist war. Auf einem Schild war die Anweisung zu lesen, in Abwesenheit eines Rangers das Eintrittsgeld von $5 pro Auto in eins der dort befindlichen Kuverts zu stecken, Name und Kfz-Kennzeichen darauf zu notieren und in eine Box einzuwerfen. Etwas erstaunt über so viel Vertrauen zu den State-Park-Besuchern (es war ja auch keine Schranke o. ä. vorhanden, die potentielle Nicht-Zahler von der Einfahrt in den kleinen Park abgehalten hätte) entrichtete ich also meinen Obolus, trug die erforderlichen Daten auf dem Kuvert ein und warf letzteres in die bereitgestellte Box, nicht ohne vorher den Bestätigungscoupon mit aufgedruckter Kuvert-Seriennummer abgetrennt und aufs Armaturenbrett gelegt zu haben. So fuhr ich also die paar Meter weiter zu dem kleinen Parkplatz und stellte dort unseren GrandAm ab. Hier muss den „Mitfahrern“, die besagten State Park noch nicht besucht haben, vielleicht gesagt werden, dass es sich bei Goblin Valley um einen winzigen Park handelt, der insgesamt vielleicht einen halben Quadratkilometer groß ist (gut drei Acres). Es gibt keine Wanderwege, man schlendert einfach inmitten des Parks hindurch, wie man gerade will.

Hier bot sich uns dann ein grotesker Anblick: Viele kleine, pilzartige Gebilde, die mit einiger Phantasie als Zwerge, Kobolde oder Gnome angesehen werden können – das gab dem Park schließlich auch seinen Namen. Claudia und ich fotografierten uns gegenseitig inmitten der eigenartigen Felsen – dabei entstanden kuriose Aufnahmen. Für Euch die Gelegenheit, endlich den von mir in Las Vegas erstandenen Cowboyhut zu bewundern…

Bei einigen Gebilden muss die Phantasie gar nicht so groß sein, um in diesen ein Gesicht zu erkennen …

Wir wanderten etwa eine Stunde im Park umher, bevor wir wieder zum Parkplatz gingen. Außer uns standen dort nur zwei weitere Pkws, als plötzlich ein Fahrzeug der Parkverwaltung mit einem Park Ranger auftauchte. Jetzt zahlte sich meine Ehrlichkeit am Parkeingang aus – er überprüfte nämlich jeden Wagen, ob dort ein Coupon eines Kuverts hinterlegt war, und notierte die Nummer sowie das zugehörige Kfz-Kennzeichen. Logisch, dass diese anschließend am Parkeingang mit den eingeworfenen Kuverts und deren Inhalt verglichen wurden…

Wir fuhren die paar Meilen zurück zum Highway 24 und setzten unsere Fahrt weiter Richtung Norden fort. Dieser mündete in den Highway 70, in den wir nach rechts einbogen. Kurze Zeit später bogen wir erneut rechts ab, auf den Highway 191. Dort lag nämlich unser nächstes Ziel, ebenfalls wieder ein kleiner State Park:

Dieser kleine Park besteht aus einem einzigen Aussichtspunkt auf der Spitze einer Klippe, von der man einen gigantischen Ausblick auf das Tal des Colorado River hat. Der Name des Parks rührt von dem Zweck her, den diese Stelle früher einmal erfüllen musste: Hier wurden nämlich Mustangs eingefangen und eingesperrt, indem man sie auf die Klippe trieb, den engen, flaschenartigen Zugang zur Klippe versperrte und die Wildpferde dort oben erst einmal tagelang dursten ließ, um sie gefügig und zahm zu machen. Einmal ist dabei wohl vergessen worden, die überschüssigen Mustangs wieder raus zu lassen und diese verendeten dann – dies brachte dem Park seine Bezeichnung ein.

Ein wenig erinnert der State Park, für den $7 zu berappen waren, an den Grand Canyon – nur etwas kleiner halt. Natürlich durfte auch hier das obligatorische Erinnerungsfoto nicht fehlen… Wir hielten uns am Dead Horse nicht lange auf – sondern fuhren das kurze Stück rüber zum eigentlichen Hauptziel des heutigen Tages:

Es war mittlerweile Nachmittag und die Sonne brannte ziemlich heiß. Wir fuhren an den ersten Sehenswürdigkeiten – Three Gossips, The Organ und Petrified Dunes – vorbei, nicht ohne dort ausgiebig zu fotografieren. Den ersten Halt machten wir dann am Balanced Rock – schier unglaublich, was Mutter Natur so alles hervorbringen kann…

An der „Parade of the Elephants“ vorbei fuhren wir bis hin zu dem Trailhead, der zu den „Windows“ führte und wir wanderten den kurzen Weg zu den Bögen hin – zum ersten mal die Arches hautnah zu erleben, war für mich ein wunderbares Erlebnis…

Übrigens: Der kleine helle Punkt unter dem Arch ist Claudia… Weiter führte uns der Weg zum wohl bekanntesten Bogen: Dem Delicate Arch. Da die Zeit schon fortgeschritten und es immerhin auch schon der dritte Park des heutigen Tages war, erwanderten wir nur den kurzen Weg zum Delicate Arch Viewpoint, von wo aus man einen schönen Ausblick auf den gleichnamigen Bogen hat – trotz des relativ kurzen Weges war Claudia sichtlich gezeichnet. Tolle Fotoaufnahmen entschädigten aber für den kurzen Aufstieg…

Obwohl es schon langsam dämmerte, hatten wir noch nicht genug vom Park. Wir gingen noch den kurzen Weg zum Sand Dune Arch und den etwas längeren zum Broken Arch hin. Ich war so begeistert von dem Park, dass ich am liebsten auch den Rest gleich jetzt noch besichtigt hätte – die hereinbrechende Dunkelheit machte uns aber einen Strich durch die Rechnung.

Wir fuhren also den ganzen Weg zurück zum Parkeingang und von dort ins nahe gelegene Moab, wo wir übernachten wollten. Auf Anhieb bekamen wir im Days Inn ein schönes, geräumiges und preisgünstiges Zimmer – dieser lokale Ableger der bekannten Motelkette kann übrigens ohne Einschränkung empfohlen werden.

Die diversen Wanderungen des Tages hatten natürlich großen Hunger in uns geweckt. Fündig wurden wir diesbezüglich im nahegelegenen „Eddie McStiffs“ Brewpub. Hierbei handelt es sich um eine der in den USA immer beliebteren Microbreweries, also einer kleinen Hausbrauerei mit Restaurant. Beim Studium der Angebote stellte ich voller Überraschung fest, dass unter den etwa 10 hauseigenen Biersorten sogar ein Weißbier war, welches ich natürlich sofort in Pitcher-Größe probieren musste. Positiv überrascht von der Qualität des Gebräus sah ich voller Erwartung dem von uns georderten Essen entgegen: Und auch hier absolute Zufriedenheit auf unserer Seite, sowohl Qualität als auch Quantität waren überragend.

Dieses hohe Niveau schlug sich übrigens keineswegs auf die Preise nieder – diese waren erstaunlich niedrig. Ergo: Wenn ihr mal in Moab seid, schaut ruhig mal bei Eddie McStiffs rein – ich hoffe, so viel Schleichwerbung ist seitens der Admins erlaubt (ich bekomm auch kein Geld dafür…)
http://www.eddiemcstiffs.com/

Nach ein paar weiteren Drinks an der Bar nebst interessanten Gesprächen mit dem Barkeeper zogen gingen wir dann zum Hotel zurück – wir wollten schließlich tags darauf den Rest des Arches NP besichtigen, und das sollte unseren Zeitplan nicht zu sehr aus den Fugen reißen. So hieß es also: Ab ins Bett – früh aufstehen war angesagt!

10. Tag – Arches NP – Natural Bridges NM – Goosenecks SP – Monument Valley

Wie tags zuvor schon beschlossen krochen wir heute früh aus den Federn. Das nochmalige Fahren in den Arches NP hatte ich nämlich bei meiner Streckenführung nicht eingeplant, und für den heutigen Tag stand ohnehin schon eine umfangreiche Besichtigungstour auf dem Programm. Hier zeigte sich zum ersten mal, dass es für mich die erste selbstgeplante Rundreise war und ich damit noch nicht so große Erfahrung hatte – ein zusätzlicher Tag in den Nationalparks hätte das ganze Programm entzerrt…

So frühstückten wir also noch im Days Inn – gemessen an dem üblichen Donut/dünner-Kaffee-Standardfrühstück der Motels war es sogar ziemlich gut und die Auswahl ansprechend – nebenbei las ich noch ein wenig Zeitung (man will ja schließlich wissen, was in der Welt sonst noch so vor sich geht).

Gegen 08.00 Uhr starteten wir dann in den Arches NP und fuhren gleich durch bis zu dem Punkt, an dem wir tags zuvor unsere Tour beendet hatten. Wir wanderten ein kleines Stückchen und erreichten einen weiteren imposanten Bogen: Skyline Arch

Dieser Arch war bis Mitte des 19. Jahrhunderts viel kleiner, ehe 1940 ein weiteres großes Stück herausbrach und den Bogen so deutlich vergrößerte. Die massiven Gesteinsbrocken, die damals herunterfielen, sind wirklich beeindruckend…

Anschließend fuhren wir weiter zum Trailhead des „Devil’s Garden“. Wir wanderten also los und erreichten nach kurzer Zeit Tunnel Arch und Pine Tree Arch. Ein Stück weiter trafen wir dann auf den meiner Meinung nach schönsten und filigransten Bogen: Landscape Arch

Auch aus ihm ist vor gar nicht allzu langer Zeit, am 1. September 1991, ein Stück herausgebrochen (erkennbar an der etwas helleren, dünnen Stelle halbrechts), und das auch noch zu einer Zeit, als Touristen darunter standen. Diese vernahmen kurz bevor das Gestein herabstürzte ein Knacken und rannten logischerweise um ihr Leben – wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Ein Schweizer Tourist hielt „den Moment“ sogar noch mit einer Videokamera fest – der Mann muss Nerven haben…

Nach etlichen Fotos wanderten wir weiter und erreichten schließlich eine Stelle, an der das Wandern in Klettern überging – Claudia zog es vor, hier zu warten, weniger wegen der Kletterei als vielmehr wegen des suboptimalen Schuhwerks… Ich ging also allein weiter und wanderte noch das kurze Stück bis zum Wall Arch – ebenfalls ein recht schönes Exemplar. Am Bogen selbst war außer mir nur ein einziger weiterer Tourist, der ausgiebig Fotos schoss. Irgenwann drehte er sich zu mir herüber und meinte: „Amazing, isn’t it?“ – Ich hätte nun selbstverständlich auf Englisch antworten können, habe aber den „Braten“ in Form des deutlich vernehmbaren ostdeutschen Akzents schon gerochen und deshalb nur geantwortet: „Allerdings…!“. Nach einem kurzen Moment des Erstaunens meinte mein Gegenüber aus Thüringen dann lapidar: „Na, dann können wir uns ja gleich auf Deutsch unterhalten!“ und wir lachten beide laut los.

Wir schossen dann noch gegenseitig Erinnerungsfotos und nach einiger Zeit beschloss ich, zur wartenden Claudia zurück und zum Auto zu gehen – unser Zeitplan erlaubte leider nicht mehr die komplette Erkundung des Devil’s Garden.

Der Arches NP sollte uns beiden, vor allem mir, später auch als der schönste Nationalpark in Erinnerung bleiben. Sollte mich eine meiner Reisen nochmal in die Gegend um Moab führen, werde ich den Park sicherlich noch ausgiebiger erwandern. So fuhren wir aber aus dem Park und erreichten nach einiger Fahrzeit unser nächstes Ziel:

Dieser recht kleine Naturpark besteht hauptsächlich aus drei „natürlichen Brücken“ – im Unterschied zu den Arches ist die Ursache für dieses Phänomen nämlich nicht natürliche Erosion durch Regen und Wind, sondern ein darunter hindurchlaufendes fließendes Gewässer. Gleich an der ersten „Brücke“ kletterten wir einen kleinen Wanderweg halb nach unten, um dort bessere Fotos schießen zu können.

Dass es sich hierbei nicht um einen komfortabel ausgebauten Wanderweg handelte, wird vielleicht daran deutlich, dass dort auch mehrere Leitern zur Bewältigung von steileren Passagen aufgestellt sind.

Man könnte über den Trail auch bis ganz nach unten unter die „Brücke“ wandern; Auf- und Abstieg würden aber mehrere Stunden in Anspruch nehmen, und… ihr wisst schon, es warteten noch mehrere Ziele…

So beließen wir es bei den anderen beiden Natural Bridges bei Fotos von den Viewpoints aus und verließen das National Monument wieder. Es war schon Nachmittag geworden und wir fuhren bei strahlendem Sonnenschein den Highway 261 nach Süden. Doch was war das? Plötzlich tauchte vor uns ein Abgrund auf – wir befanden uns auf einer Art Tafelberg, und dieser fiel steil ab nach unten. Ich begann schon innerlich auf den Rand McNally RoadAtlas zu schimpfen (dieser hatte hier schließlich eine durchgehende Straße eingezeichnet), als ich feststellte, dass tatsächlich eine winzige Schotterstraße in engen Serpentinen nach unten führte. Unten ging die Straße dann weiter – von oben sah diese allerdings aus, als hätte man einen gigantischen Meterstab in die Landschaft gelegt…

Kurz vor Befahren der Schotterstraße fiel mir plötzlich ein, dass im Mietvertrag des Leihwagens von Hertz irgendwas von einem Verbot zum Befahren unbefestigter Straßen stand – um kurz darauf zu beschließen, dass ich das ja mittlerweile schon vergessen hatte…

Wir fuhren also über die Schotterstraße nach unten und amüsierten uns köstlich über die strikten Geschwindigkeitsbeschränkungen auf dieser Straße – als ob man dort überhaupt schneller fahren hätte können, und selbst wenn: Welcher Cop würde hier schon eine Radarmessung durchführen…?

Kurz darauf erreichten wir den Goosenecks SP. Nomen est omen – die Windungen des San Juan River sehen hier tatsächlich aus wie ein Gänsehals. Fotografieren vom einzigen Aussichtspunkt dieses winzigen State Parks war allerdings durch die tiefstehende Sonne des Spätnachmittags nicht einfach… Trotzdem bot sich ein beeindruckendes Bild – wie viele Jahrtausende muss sich der Fluss hier wohl schon so eingraben…?

Weiter ging’s. Kurz vor der Ortschaft Mexican Hat trafen wir dann auf den Felsen, der offensichtlich dem Ort den Namen gegeben hat – Mexican Hat Rock. Kaum zu glauben, dass die Natur diesen Felsen so geschaffen hat, und ein Wunder, dass der „Hut“ nicht irgendwann runter fällt…!

Wir hielten uns aber nicht lang auf – schließlich wollten wir unser heutiges Hauptziel noch bei Tageslicht erreichen: Monument Valley! Schon beim Zufahren auf dieses weltbekannte Tal schoss ich natürlich die ersten Fotos….

Am Parkeingang entrichtete ich dann meinen Obolus – schließlich befindet sich ja Monument Valley auf Indianergebiet, somit hat der National Parks Pass keine Gültigkeit – und lehnte ein Angebot, von den Indianern mittels Pick-Up-Truck durchs Tal gefahren zu werden, dankend ab.

Warum sollte ich dieses nicht gerade günstige Angebot auch annehmen; schließlich hatte ich mich im Verlauf des heutigen Tages schon einmal von der Geländegängigkeit des GrandAm überzeugt… ja, ja, ich weiß… Fa. Hertz wird’s verkraften… Gleich nach dem Parkeingang befinden sich die berühmtesten der „Buttes“, wie diese Gebilde genannt werden: East und West Mitten Butte sowie Merrick Butte

Endlich standen wir vor diesen Felsen, die wir schon zig mal im Fernsehen in diversen Western gesehen hatten! Weiter ging die Fahrt an den verschiedenartigsten Felsformationen weiter. Diese tragen, wie in den USA üblich, natürlich phantasievolle Namen, wie Elephant Butte, Camel Butte oder Totem Pole. Wieviel „Feuerwasser“ im Spiel sein muss, bis ein Indianer dieses Gebilde als Kamel betrachtet, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis…

Etwa eine Stunde fuhren wir so im Valley umher, bis wir alles gesehen hatten. An einer Art Aussichtspunkt erklärte gerade ein Indianer, offensichtlich Führer einer der vorher erwähnten Touren, den Touristen die verschiedenen Felsen des Tals. Einen der Touristen konnte ich zu einem Erinnerungsfoto überreden… Wir fuhren wieder Richtung Eingang des Tals und hielten noch einmal bei den drei berühmten Buttes. Jetzt zahlte es sich aus, dass wir am Nachmittag „auf die Tube“ gedrückt hatten: Wir erwischten jetzt nämlich das wundervolle Licht der Abenddämmerung, um die Buttes noch einmal zu fotografieren.

Wir verweilten noch bis fast zur Dunkelheit dort und genossen den atemberaubenden Anblick. Fast wäre es schon zu spät geworden, denn die Einfahrt zum Park war schon zugesperrt und weit und breit kein Indianer in Sicht… Abhilfe brachte aber ein kleines Schildchen, das einem den Weg zu einem kleinen Nebenausgang wies.

Wir fuhren dann weiter durchs nächtliche Arizona und wollten uns in Kayenta eine Bleibe suchen – das Vorbuchen der im Tal befindlichen Gouldings Lodge hatte ich wegen der doch recht hohen Preise bleiben gelassen. Leider war trotz intensivster Suche in Kayenta kein Zimmer mehr aufzutreiben, so dass uns nichts übrig blieb, nach einem kurzen Abendessen bei BurgerKing weiterzufahren. Kurz darauf entdeckten wir aber, etwa 10 Meilen hinter Kayenta, eine kleine Trading Post am Rand des Highway, an die auch ein Motel angeschlossen war. Das „Anasazi Inn“ bestand zwar eher aus einem von außen alles andere als schönen Containerdorf, aber letztlich waren wir froh, noch eine Unterkunft gefunden zu haben. Beim Betreten unseres „Zimmers“ (Containers?) waren wir dann allerdings positiv überrascht – die Ausstattung umfasste eine komplette kleine Küche, einen großen Kühlschrank und ein großes, komfortables Bett. Hätte man so von außen gar nicht vermutet…

Hundemüde fielen wir nach einer Dusche auch recht schnell ins Bett; und ein weiterer ereignisreicher Tag lag hinter uns.

11. Tag – Kayenta – Page – Grand Canyon – Williams

Nach einer recht erholsamen Nacht in unserem Wohncontainer checkte ich bei der indianischen jungen Dame an der Rezeption aus und wir fuhren weiter in Richtung Westen. Kurze Zeit später bogen wir rechts ab in Richtung des Navajo National Monument. An diesem Ort ist ein im Original erhaltenes Pueblo der Navajo erhalten. In einem Visitors Center erfährt man einiges über die frühen Indianer-Kulturen und den Bau der Pueblos im Allgmeinen. Es gäbe auch Führungen in den Pueblos selbst, aber die Wartezeit hierfür war uns zu lang.

Wir beließen es deshalb bei ein paar Fotos von einem Viewpoint aus und setzten unsere Fahrt in Richtung Page fort. In Page gab es dann erst einmal ein ausgiebiges „Frühstück“ bei KFC; übrigens das erste und letzte mal dass ich diese Kette auf unserer Reise austestete. Die Hähnchenteile trieften nämlich geradezu vor Fett und ich war zudem der Überzeugung, dass in der Friteuse der Küche ein Ölwechsel längst überfällig ist…

Nach dieser etwas unschönen Erfahrung machten wir uns daran, den nahegelegenen Glen Canyon Staudamm zu besichtigen. Vor der Reise hatte ich den Tipp erhalten, diesen dem Hoover Dam vorzuziehen, da er besser einzusehen und nahezu genauso groß ist.

Dort informierten wir uns über die technischen Daten des Damms und sahen ein Video über den Bau. Wir erhielten auch interessante Informationen über die Stromerzeugung und den Wasserhaushalt in der Region. Anschließend gingen wir zu Fuß zurück zur Brücke und gingen auf dieser bis hin zur Mitte, von wo aus man den Damm am besten sehen kann.

Nach den fälligen Fotos gingen wir auf die Rückseite des Damms und sahen hier die Auswirkungen der von den Führern im Visitors Center beschriebenen Wasserknappheit, die seit Jahrzehnten vorherrscht. Die hellen Streifen am Fels stellen die frühere Wasserhöhe des zum Lake Powell aufgestauten Colorado River dar, die aber schon ewig nicht mehr erreicht wurde.

Wir fuhren nun weiter zum eigentlichen Tagesziel: Dem South Rim des Grand Canyon. Nach einigen Stunden Fahrzeit erreichten wir ihn dann, den

Eines fiel uns sofort auf: Im Gegensatz zu den anderen Nationalparks, die wir schon besichtigt hatten, strömten hier wahre Menschenmassen umher. Und das überraschende war: Fast alle Touristen waren aus deutschsprachigen Ländern. Hierbei handelte es sich wohl in der Mehrzahl um Besucher von Las Vegas, die einen Abstecher machen oder aber Teilnehmer an einer Rundreise. Jedenfalls musste man an den Viewpoints regelrecht anstehen, um ein Foto machen zu können. Wie muss es hier wohl erst in der Hauptreisezeit zugehen? Das Warten lohnte sich aber – der Ausblick auf das wohl „größte Loch der Welt“ ist schier unglaublich…

Wir fuhren am South Rim entlang und betrachteten den Canyon von den verschiedenen Viewpoints aus. Egal von wo man auch hinsieht – der Canyon ist wirklich gigantisch. Natürlich durften auch die üblichen Erinnerungsfotos nicht fehlen…

Wir fuhren dann nach Tusayan, wo wir mit Papillon Helicopters einen Rundflug über den Canyon unternehmen wollten. Leider wurde daraus nichts – alle Flüge waren restlos ausgebucht und auch die Wartelisten waren ewig lang. Ich ärgerte mich maßlos über mich selbst, dass ich nicht vorgebucht hatte – dabei fiel mir ein, dass wir ja nur deshalb an einem Wochenende am Grand Canyon waren, weil ich kurz vor Reiseantritt die Route noch etwas geändert hatte – natürlich hatte ich diesen Umstand nicht mehr beachtet… Der Rundflug wird übrigens demnächst nachgeholt – mit Vorbuchung, versteht sich!

So fuhren wir von Tusayan zurück zum South Rim, wo mittlerweile die Dämmerung begann. Nach einem kleinen Spaziergang suchten wir uns eine schöne exponierte Stelle, von wo aus man den Canyon in der Abendsonne fotografieren kann. Leider machte Petrus uns und den Dutzenden anderen wartenden Touristen einen Strich durch die Rechnung: Ein Wolkenband schob sich vor die Sonne und so wurde es erst mal nichts mit den begehrten Fotos. Kurz vor Sonnenuntergang hatte er aber dann wohl doch noch ein Einsehen und es tat sich eine Lücke in den Wolken auf…. SHOWTIME!!!

Obwohl jetzt natürlich nur noch die Spitzen des Canyons beleuchtet wurden, war es trotzdem ein unvergesslicher Anblick. Ein weiterer schöner Tag ging zu Ende, und beim Anblick der untergehenden Sonne wurde ich unweigerlich an die legendären Fotos aus Blacky Fuchsbergers „Auf los geht’s los“ erinnert…

Nach Einbruch der Dunkelheit sahen wir uns in Tusayan den IMAX-Film über den Grand Canyon an – quasi als Entschädigung für den entgangenen Rundflug. Ein wirklich sehenswerter Film. Nach dessen Ende fuhren wir noch etwa eine Stunde in Richtung Süden bis zur Route 66 und suchten uns in Williams/AZ ein günstiges und gutes Motel6 – so entgingen wir den recht gesalzenen Zimmerpreisen in Tusayan. In einer nahegelegenen Sportsbar ließen wir den Abend ausklingen. Ein echt authentisches Erlebnis, denn außer uns waren nur Einheimische in der Bar, etliche davon bereits nachhaltig alkoholisiert und deshalb recht redselig. Einer der Gäste erzählte mir, dass der Grand Canyon und der Tourismus die einzige große Einnahmequelle in der Gegend sind, weshalb viele auf George W. Bush wegen seiner Haltung zu Frankreich und Deutschland nicht allzu gut zu sprechen sind – stellen doch Touristen aus diesen Ländern einen hohen Anteil der Besucher in der Gegend.

Gegen 23.00 Uhr gingen wir zurück zu unserem Motel und schliefen zufrieden ein.

12. Tag – Williams – Route 66 – Joshua Tree NP – Palm Springs

Gleich nach dem Auschecken morgens fuhren wir in Richtung Westen los. Einige Meilen nach Williams zweigt von der I-40 die historische Route 66 ab, die wir natürlich auch nahmen. Ein ganzes Stück läuft neben der historischen Straße ein Schienenstrang her, auf dem dann auch ein Güterzug auftauchte. Da dieser nahezu genauso schnell fuhr wie wir, fuhren wir eine ganze Zeit nebeneinander her. Der sehr lange Zug wurde von gleich drei Lokomotiven gezogen….

Das ist übrigens scheinbar nicht mal so außergewöhnlich, kam uns doch etwas später ein noch längerer Zug entgegen, der von gleich fünf (!) Lokos gezogen wurde. Wir fuhren durch etliche kleinere Orte, in denen noch der alte Flair der Route 66 vorherrscht. Über den General Store in Hackberry hatte ich vor Reiseantritt schon einiges gelesen, deshalb machten wir hier halt. Der kleine Store ist wirklich sehenswert, man könnte ihn als eine Art Mischung aus Souvenirladen und Museum bezeichnen. An der Eingangstür hing ein unmissverständliches Schild, das ich unbedingt fotografieren musste…

Außerdem steht noch eine sehr gut erhaltene Chevy Corvette aus den 50er Jahren vor der Tür, die Claudia liebend gerne gegen unseren GrandAm eingetauscht hätte…

Wir kauften uns im Store noch ein US-Nummernschild mit dem „Route 66“-Schriftzug, das seither das Seitenfenster unseres BMW ziert, und setzten dann unsere Fahrt fort. In Kingman packte uns dann der Hunger und wir statteten unserer Lieblings-Restaurant-Kette „Denny’s“ erneut einen Besuch ab.

Gestärkt ging es weiter. Der heutige Tag war vor allem als „Fahrtag“ eingeplant, galt es doch, den langen Weg bis hinunter in die Gegend um Palm Springs zurückzulegen. So fuhren wir stundenlag durch recht ödes Gebiet, lediglich die Gegend am Lake Havasu gefiel uns ganz gut. Zwischendurch rief mich mein Freund aus Philadelphia am Handy an – er hatte ursprünglich geplant, uns die letzten Tage unserer Rundreise in San Francisco zu besuchen, was aber dann wegen Zeitmangels seinerseits nicht klappte.

Am Parkeingang gibt es ein Visitors Center, an dem wir wie üblich das so nützliche Karten- und Infomaterial erhielten. Schon nach kurzer Zeit fielen uns die so bizarr anmutenden Joshua Trees ins Auge – kein Baum gleicht hier dem anderen und es gibt sie in allen erdenklichen Größen und Formen… Der Bewuchs mit diesen Bäumen wurde immer dichter und kurz später fuhr man durch einen regelrechten „Joshua-Wald“…

Einige Zeit später trafen wir auf die zweite Hauptattraktion des Parks – die Jumbo Rocks. Kaum zu glauben, dass diese Felshaufen von der Natur so geschaffen wurden… Na, wer hat den denn da drauf gelegt…? Einer der Felsen sieht mit ein bißchen Phantasie tatsächlich aus wie ein Totenkopf und heißt demnach auch folgerichtig „Skull Rock“

An der Südseite des Parks trafen wir auf den „Keys View“, einem Aussichtspunkt, von dem man bei gutem Wetter einen tollen Überblick über Palm Springs und das Coachella Valley hat. Leider war das Wetter nicht so überragend, so dass ich kein wirklich brauchbares Foto zustande brachte. Eine interessante Information am Rande: Die Sicht wird auch bei gutem Wetter seit Jahrzehnten immer schlechter, weil der Smog des Molochs Los Angeles u. a. durch dieses Tal abzieht und so die Luft trübt.

Bei der Ausfahrt aus dem Nationalpark kam uns noch ein Coyote entgegen – für uns die erste Begegnung mit dieser Art Tiere. Völlig überrascht waren wir auch von der Tatsache, dass sich diese gelehrigen Tiere sogar ans Rechtsfahrgebot halten…

Da die Dämmerung schon hereingebrochen war, fuhren wir den „29 Palms Highway“ weiter in Richtung Palm Springs, wo wir abends noch weggehen und dann übernachten wollten. Auf Anhieb fand ich auch auf den „Palm Canyon Drive“, der Hauptstraße durch Palm Springs. Schon beim Durchfahren dieser Prachtstraße kamen mir starke Zweifel, ob wir hier zentrumsnah eine Unterkunft finden würden, die in unseren Reiseetat passen würde.

Doch wieder wurden wir überrascht: Direkt am Ende des Hauptteils des Palm Canyon Drive stießen wir auf ein sehr schön angelegtes Motel 6, wo wir auch prompt nach den Übernachtungspreisen fragten. Ich erwartete eigentlich, dass sich auch die Motelkette an das gehobene Preisniveau von Palm Springs angepasst hätte – und sah mich getäuscht. Der Preis war mehr als günstig, das Zimmer nagelneu eingerichtet und sauber und der logischerweise darauf folgende Checkin erfolgte in biturboschneller Geschwindigkeit: Nach etwa 45 Sekunden war das Formular ausgefüllt und unterschrieben, die Kreditkarte durch den Schlitz gezogen und wir hielten die Zimmerschlüssel in der Hand. Das nenne ich Service!!!

Wir machten uns frisch und gingen den Palm Canyon Drive hinunter. Dort fanden wir ein erstklassiges mexikanisches Restaurant, in dem wir stilvoll „dinierten“.

Danach verfolgten wir noch ein bisschen US-Sport in einer Sportsbar mit Livemusik (zur Erinnerung: Die USA lagen zu der Zeit im Baseball-Fieber, Red Socks gegen Yankees) und gingen dann zurück ins Hotel.

13. Tag – Palm Springs – San Diego

Der (noch sonnige) Morgen in Palm Springs lud uns dazu ein, unser Frühstück im Freien zu uns zu nehmen und so schlenderten wir noch einmal bei Tageslicht den Palm Canyon Drive in Richtung Zentrum. An einer größeren Starbucks-Filiale, an der es auch Tische und Stühle im Freien gab, kauften wir uns je einen großen Kaffee und einen Muffin, und verzehrten beides genüsslich in der Morgensonne. Hier fiel mir auf, dass der Palm Canyon Drive so ein bisschen mit „Sehen und gesehen werden“ zu tun hat – der Flanierverkehr mit den diversen Nobelkarossen erinnerte mich stark an die Leopoldstraße in München oder den Ku’damm in Berlin.

Beim Zurückgehen ins Motel fiel mir ein Store mit den verschiedensten Tonträgern auf, und aus Neugier stöberten wir ein wenig darin. Prompt wurde ich fündig: Eine Vier-CD-Sammlung mit Country-Musik für nur $10, und fortan sollte das also unser musikalischer Begleiter im Pontiac sein. Wir fuhren also nach dem Auschecken los in Richtung Cathedral City und bogen später nach rechts auf den Highway 74 ab, der in die Berge führte. Zuvor konnten wir uns aber noch von der Schönheit der Prachtstraßen hier überzeugen.

Kaum fuhren wir in die Berge hinauf, wurde das Wetter merklich schlechter und es begann zu regnen. Da fiel mir ein, dass ich tags zuvor im TV mitbekommen hatte, dass vom Pazifik eine Schlechtwetterfront hereinziehen soll, und das waren wohl die ersten Ausläufer. Ohne größere Probleme gerieten wir aber dann auf die I-15 nach San Diego hinein und fanden nach kurzer Suche auch unser Hotel, das Pacific Inn Hotel & Suites. Hier kann gesagt werden, dass der Name zwar einiges versprach, das Hotel selbst aber gerade mal durchschnittliche Motel-Qualität aufwies. Die Lage war aber ganz gut und im Hotel aufhalten wollten wir uns sowieso nicht lange.

Nach dem Einchecken wanderten wir bei ziemlich schlechtem Wetter los in Richtung Zentrum. Gleich in der Nähe unseres Hotels lag die „Star of India“ vor Anker, ein altes Segelschiff.

Etwas weiter südlich trafen wir auf den Teil des Hafens, in dem etliche Kreuzfahrtschiffe anlegen und den Touristen eine Stadtbesichtigung ermöglichen. Später erfuhr ich, dass diese Kreuzfahrten an der Pazifik-Küste entlang bei den Amerikanern sehr beliebt sind. Außerdem gibt es am Hafen etliche schön anzusehende Hochhäuser zu sehen, wie hier z. B. Harbor Club 1 und 2.

Wir gingen weiter in Richtung „Gaslamp Quarter“, dem historischen Stadtkern von San Diego. Da das Wetter immer noch ziemlich schlecht war, bummelten wir ein wenig in der „Horton Plaza“, das zentral gelegene Einkaufszentrum in der Stadt. Hier ließ ich auch zum zweiten mal meine Fotos auf CD brennen, nachdem meine Speicherkarten schon wieder voll waren… Auf dem Bild unten ist der Platz vor dem Einkaufszentrum zu sehen.

Da das Wetter partout nicht besser wurde, suchten wir uns eine nette Sportsbar und sahen uns die Fortsetzung des Duells Boston Red Sox – New York Yankees an. Die Sox gewannen auch dieses Spiel und ich war ziemlich überrascht, mit wie viel Herzblut die Besucher der Bar mit den Jungs aus Beantown mitfieberten – hätte ich bei einem klassischen Ostküstenduell nicht erwartet. Später bestellten wir uns noch eine „Portion“ Spare Ribs, wobei mir bei der Bestellung nicht bewußt war, dass diese gleich eimerweise serviert werden…

Eine kleine Geschichte aus besagter Bar muss ich Euch aber unbedingt noch erzählen: Auf dem Weg zu den „Restrooms“ kam ich an einem Automaten vorbei, wie ihn jeder von uns kennt – ähnlich einem Teddybären – Greifautomaten. Der große Unterschied war, dass am Boden des Glaskastens keine Plüschtiere, sondern lebendige Hummer in einem Wasserbasin schwammen. Wer es also nun schaffte, nach dem Einwurf von $2 eines der Tiere in den Auswurfschacht zu bugsieren, konnte es in der Küche abgeben und dort wurde es dann kostenlos zubereitet – lediglich die „Sides“ müssen extra bezahlt werden. Ich fragte einen der Kellner, wie oft das den passieren würde, dass jemand tatsächlich einen der Lobster rausbekommt (schließlich bewegen sich die Viecherl in dem Wasser ja auch!), und er meinte, dass das Becken zwei mal pro Woche aufgefüllt werden muss (mit schätzungsweise 20 Tieren). Ich stellte mir kurz vor, wie viel Tierschutzaktivisten in Deutschland wohl Sturm laufen würden, wenn man hierzulande so einen Apparat aufstellen würde…

Später wechselten wir noch in eine andere Bar, wo man eisgekühltes Molson Canadian in „Kelchen“ serviert bekam…

14. Tag – Sea World

Nach einem kleinen Frühstück in unserem Hotel – hier konnte man sich auch frische Waffeln aus Flüssigteig zubereiten; für uns eine willkommene Abwechslung – fuhren wir zeitig los in Richtung Sea World. Dabei passierten wir den nahen Flughafen der Stadt, der sich mit nur einer Landebahn und wenigen Gebäuden im Vergleich zu den anderen Flughäfen Kaliforniens – LAX und SFO – geradezu winzig ausnimmt. Überrascht war ich auch davon, dass wir im Hotel kaum etwas von dem Fluglärm mitbekommen hatten, ging doch die Einflugschneise fast direkt über unserem Hotel hinweg…

Wir kamen sehr zeitig am Parkplatz von Sea World an und durften erst mal $7 für das Parken unseres Autos abdrücken – ich bekam zunehmend den Eindruck, dass in Kalifornien das Eintreiben von Parkgebühren die neueste Erfindung der Touristenmelkindustrie darstellt, und dieser Eindruck sollte sich im weiteren Verlauf der Reise noch bestätigen.

Der Erlebnispark hatte noch nicht geöffnet, und so warteten wir am Eingang und sahen uns in einem Souvenirladen um, in dem es den überflüssigen Krimskrams in Form von Plüschtieren, Plastikspielzeug, Bilderbücher, Tassen usw. zuhauf gab.

Als dann der Park schließlich öffnete, wurde zu unserem Überraschen erst einmal die Nationalhymne über die Lautsprecheranlage abgespielt, und alle verharrten mit abgenommener Kopfbedeckung an Ort und Stelle bis die Hymne vorüber war. Für mich war zwar als zig-fachen Besucher von Sportveranstaltungen das Absingen der Hymne nichts Neues, dass dies aber auch in Erlebnisparks so gehandhabt wird, war mir aber bis dahin auch gänzlich unbekannt. Die Tickets zum Park hatten wir bereits in unserem Hotel gekauft, mit einigen Dollars Rabatt, versteht sich – übrigens halten fast alle Hotels in San Diego ermäßigte Tickets für Sea World, den weltberühmten Zoo und andere Attraktionen zu Sonderkonditionen vor; wer also eine solche Besichtigung plant, sollte vorher schon mal im Hotel nach solchen verbilligten Tickets fragen.

Wir betraten also den Park und es begann, wie schon am Vortag, kräftig zu regnen. Ich suchte mir also den nächsten der im Übermaß vorhandenen Souvenir-Shops und kaufte einen Regenschirm mit dem Sea-World-Logo für nur $15 – dies sollte aber dann auch die einzige Investition in diesen Läden sein. Nach einem kurzen Studium des am Eingang erhaltenen Lageplans war unser erstes Ziel das arktische Vogelhaus names „Penguin Encounter“, in dem –wie überraschend!- die diversen Pinguin-Arten hausten. Man muss sich das Ganze wie eine gigantische Gefriertruhe vorstellen; der Polar-Raum wurde von den Tierpflegern folgerichtig nur mit dicker Winterkleidung betreten. Bei unserem Besuch war gerade die Fütterung der Vögel, und diese wurde haarklein dokumentiert, d. h. es wurde genauestens aufgeschrieben, welcher Pinguin schon einen oder mehrere Fische erhalten hatte – so vermeidet man Überfütterung einerseits und Verhungern schwächerer Tiere andererseits.

Wir lauschten noch einige Zeit den Ausführungen des Parkangestellten außerhalb des „Kühlbereichs“, der interessante Informationen zu den Pinguinen parat hatte, und setzten dann unseren Weg fort. Das nächste Ziel im Park war das sog. „Wild Arctic“. Spätestens hier war ich froh, nicht zur Hauptreisezeit im Park zu sein – die Absperrungen für wartende Besucher waren hier so lang, dass bei einem gut besuchten Park wohl eine Stunde Wartezeit und mehr fällig werden. Dieser Eindruck zog sich übrigens über die gesamte Parkanlage hin, und so haderten wir zwar mit dem Wetter, kamen aber dafür wenigstens überall gleich rein und dran.

Das „Wild Arctic“ stellte sich dann auch als eines der Highlights von Sea World heraus. Als erstes begibt man sich auf eine Art simulierten Helikopterflug – man sitzt in einer kinoähnlichen Kapsel, die von außen bewegt wird und in der ein Film abläuft, in dem man per Hubschrauber über die Eiswüste fliegt und dort verschiedene Tiere beobachten kann. Es kam wie es kommen musste – der Film-Heli stürzte natürlich in der Arktis ab und man konnte sich „gerade noch“ in eine nahegelegene Polar-Station retten – diese betrat man nach dem Film durch den Ausgang an der anderen Seite der Kapsel. Die Station erinnerte mich prompt an Filme wie „Eisstation Zebra“ oder „Das Ding aus einer anderen Welt“.

In der Station zu sehen war als erstes ein Becken mit Beluga-Walen, die dort eher gemächlich im Wasser umherschwammen. Wir beobachteten die Wale eine Zeitlang und gingen dann weiter. Gleich danach kommt man an ein anderes Becken, in dem sich zwei ausgewachsene Eisbären tummelten. An allen Becken gab es natürlich schriftliche Auskünfte über die Tierarten.

Nach einem weiteren Becken mit Walrössern verließen wir die Eisstation wieder – diesmal ganz banal „zu Fuß“. Ein kurzer Blick in unseren Plan verriet uns, dass in der nahen „Dolphin Discovery“ gleich eine Vorführung starten wird, und wir betraten die kleine Arena mit den Delphinen. Die Aufführung war wirklich sehenswert und wir waren ziemlich erstaunt, was man diesen gelehrigen Tieren so alles beibringen kann. Als Höhepunkt durfte eine Zuschauerin mit ans Becken, die aus Schusseligkeit natürlich prompt ins Wasser fiel und anschließend von den auf „Baywatch“-Tätigkeiten dressierten Delphinen gerettet wurde. Die Zuschauerin stellte sich natürlich anschließend als Tiertrainerin vor, die täglich mit ihren „Flippers“ arbeitet…

Nach unserem Plan sollte in Kürze die Hauptattraktion des Parks beginnen – „The Shamu Adventure“, also die Show mit den Killerwalen. „Shamu“ ist der Name des Wals, allerdings haben hier im Park scheinbar alle 18 Wale denselben Namen…

Die Show mit den Orcas war noch wesentlich beeindruckender als die Delphin-Show. Die Tiertrainer ließen die Wale die wildesten Sprünge aufführen, ließen sich stehend auf den Walen durchs Wasser befördern oder meterweit in die Luft schleudern. Als Belohnung für die Wale gab es natürlich eimerweise toten Fisch…

Der Gipfel der Show stellte die Flutung der sog. „Soak Zone“ dar – der untere Bereich der Ränge war extra markiert, um den Besuchern anzukündigen, dass sie dort nassgespritzt werden. Dies übernahmen dann die „Shamus“ mit deren Heckflosse; und ich kann nur jedem raten, der empfindliche Fotoausrüstung mit sich trägt, diese Zone zu meiden…

Die Kinder, die von ihren Eltern mit vom Park ausleihbaren blauen Ponchos eingewickelt waren, hatten natürlich einen Riesenspaß – noch lustiger wäre das Ganze allerdings bei Sonnenschein und 35° C gewesen, denn wir waren mittlerweile auch ohne Aufenthalt in der Soak Zone klatschnaß – allerdings mit Wasser von oben…

Mittlerweile war es Mittag geworden und wir gingen ins „Shipwreck Reef Cafe“ für eine kleine Stärkung. Das typisch amerikanische Fast-Food war hier richtig lecker, wenn auch, wie erwartet, unverschämt teuer – so wie in allen Parks dieser Art… Die Atmosphäre in diesem nachgebauten Schiffswrack mit Wasserfällen, Netzen usw. war aber klasse und passte gut zum Gesamterlebnis des Tages.

Nach dem Essen gingen wir zum „Shark Encounter“, und kamen davor an einer Kolonie mit Flamingos vorbei – wie die Macher des Parks die Vögel dazu bringen, in dem kleinen, nach oben offenen Bereich zu bleiben, ist mir bis heute ein Rätsel – angebunden waren sie jedenfalls nicht.

Unmittelbar vor dem Shark Encounter befindet sich noch ein Becken mit Rochen, an dem man die Fische im flachen Wasser sogar streicheln kann. Wir ließen den Mantas allerdings ihre Ruhe, zumal es just in diesem Moment das Regnen aufhörte und das Schütten anfing… Beim Betreten des Hai-Hauses lernten wir dann einen netten Führer namens „Matt“ kennen, und im Smalltalk erfuhr ich, dass er als Fußball-Fan (auch so was gibt’s in den USA) für 2006 eine Reise nach Deutschland zur Weltmeisterschaft plant. Da sonst keine Touristen im Gebäude waren, machte er mit uns beiden eine Art Privat-Tour und erklärte uns die verschiedenen Hai-Arten. Auf uns machte das Hai-Haus einen vorbildlichen Eindruck, das Becken war wirklich groß und nicht überfüllt, außerdem gab es kleine Neben-Becken zur Aufzucht des Hai-Nachwuchses.

Nach der Besichtigung des großen Beckens von oben konnte man auch eine Etage tiefer gehen und somit in die Welt der Haie eintauchen. Nur wenige cm war man hier von den gefürchteten Räubern der Meere entfernt, und der Anblick der messerscharfen Zähne des „Revolvergebisses“ (ja, das heißt tatsächlich so) eines Hais bestärkte mich in der Überzeugung, dass es kein Vergnügen sein muss, für so einen Fisch als Frühstück herhalten zu dürfen…

Mit im Hai-Haus untergebracht sind die Seekühe, die sich mit gigantisch großen Stören ein Becken teilen. Diese exotischen Tiere sind zwar in Sachen Bewegung im Wasser nicht die Spritzigsten, beeindruckten uns aber aufgrund ihres ungewöhnlichen Körperbaus…

Nach einigen kleineren Attraktionen kamen wir schlussendlich zum Spaß-Teil des Besuchs: Als erstes ließen wir uns mit einem schwimmenden Floß über die „Shipwreck Rapids“ fahren – hier ist zu sagen, dass ich die Warnung: „You will get soaked“ wieder mal unterschätzte, denn nach einer Kurve tauchte plötzlich ein massiver Wasserfall vor uns auf, durch den das Floß unaufhaltsam und auch noch recht langsam hindurchfuhr. Ein Blick auf die Canon in meiner Hand brachte mich trotz kühler Witterung sofort ins Schwitzen; ich schaffte es aber gerade noch, die Kamera mit meiner Lederjacke zu umwickeln und so vor dem sicheren „Tod“ zu bewahren. Dafür waren wir jetzt endgültig klitschnass, gottseidank hatte es jetzt wenigstens zu regnen aufgehört und die Sonne schien ein wenig, so dass wir nicht frieren mussten. Die Fahrt mit dem Floß hat trotzdem einen Riesenspaß gemacht, ich kann sie nur jedem empfehlen. Tip: Elektronische Geräte vorher abgeben…

Eine große Attraktion im Park fehlte uns noch: „Journey to Atlantis“, eine Wildwasserbahn. Im Eingangsbereich der Bahn war ein großes Becken mit Tieren, die aussahen wie Miniaturausgaben der Killerwale. Ein kurzes Nachfragen bei den Angestellten ergab überraschenderweise aber, dass es sich um eine seltene Art von Delphinen handelt…

Die anschließende Fahrt mit der Wildwasserbahn war auch erste Sahne – unter anderem braust man über einen steilen Abhang hinunter und klatscht unten in ein Becken hinein, was selbstredend spritzt ohne Ende – hätte unsere Kleidung nicht schon von den Shipwreck Rapids schwammähnliche Zustände gehabt, wäre es spätestens jetzt so weit gewesen. Die Fahrt war aber derart toll, dass wir angesichts der Wartezeit von unter einer Minute gleich ein zweites Mal fuhren.

Nachdem wir nun alle Attraktionen des Parks durch hatten, beschlossen wir, zurück zum Hotel zu fahren. Abschließend wäre zu sagen, dass ich einen Besuch von Sea World jedem wärmstens empfehlen kann – ich kann mir aber auch durchaus vorstellen, dass es zur Hauptreisezeit vor allem am Wochenende zu einer einzigen Warterei ausarten kann. Bei fast jeder Attraktion gab es endlose Absperrbänder, die die Warteschlangen bündeln und mäandern – wenn man sich das Ganze dann wirklich voll vorstellt, kommt man an einem Tag mit Sea World mit Sicherheit nicht durch. Welche Besuchermassen im Sommer den Park ansteuern, wurde uns auch am Parkplatz bewusst: Dieser war höchstens zu 10% belegt; nicht auszudenken, wenn der wirklich mal voll wird… So gesehen war unsere Reisezeit im Herbst ein echter Erfolg, und den Zustand von drei Tagen Dauerregen in Südkalifornien gab es nach Aussagen von etlichen Leuten dort um diese Jahreszeit die letzten 15 Jahre schon nicht mehr, somit hatten wir einfach nur ein wenig Pech…

Abends bummelten wir dann noch im Gaslamp Quarter, aßen im TGA Friday’s zu Abend – ein echtes Highlight unter den Restaurantketten! – und sahen uns, wie fast schon jeden Abend, anschließend das Baseballspiel im Fernsehen an. So langsam wurde mir die Siegesserie der Red Sox unheimlich… die werden doch nicht… das gab’s doch schon 86 Jahren nicht mehr…?

15. Tag – San Diego

Nach dem Aufstehen versorgten wir uns in der Lobby wieder mit den selbstgebackenen Waffeln und dem wie üblich dünnen Kaffee. Anschließend stellten wir fest, dass wir die Pläne für den heutigen Tag wohl ad acta legen können. Ursprünglich hatten wir nämlich ins Auge gefasst, einen Faulenzer-Tag einzuschieben und diesen am Strand der Halbinsel Coronado zu verbringen, der ja nach Hawaii der schönste Strand der USA sein soll.

Wie schon die letzten beiden Tage regnete es aber immer noch, so dass ein Strandaufenthalt keinen Sinn gemacht hätte. Nun kam uns in den Sinn, dass wir an der Stelle, an der die Kreuzfahrtschiffe anlegen, eine Haltestelle der „Old Town Trolley Tours“ gesehen hatten; dies sind Stadtrundfahrten mit urigen, alten Kleinbussen. Weil wir außer dem Gaslamp Quarter und Sea World ohnehin noch nicht viel von San Diego gesehen hatten, beschlossen wir, eine solche Tour zu mitzumachen.

Nach einigem Warten auf den Bus, bei dem wir neben dem strömenden Regen auch noch von Sturmböen vom Atlantik her eingedeckt wurden, kam der „Trolley“ dann auch an. Wir stiegen in den Wagen ein und fuhren mit. Wie man auf dem Bild deutlich erkennen kann, sank nach unserem Einsteigen das Durchschnittsalter im Bus um ca. 15 Jahre…

Hier muss gesagt werden, dass die Trolley Tours in San Diego nach dem hop-on / hop-off Verfahren betrieben werden – man kann an jeder der insgesamt acht Haltestellen aussteigen, sich dort aufhalten und irgendwann mit dem nächsten Trolley mitfahren. Eine schöne Einrichtung, wie wir fanden.

Wir fuhren also los und kamen beim nächsten Stop am Seaport Village an. Das Village stellt eine Ansammlung von diversen Läden dar, die hauptsächlich Geschenkartikel, Souvenirs und ähnlichen Krimskrams verkaufen. Von dort aus hat man aber auch einen schönen Überblick auf den Militärhafen in der San Diego Bay. Der Fahrer des Trolleys, der gleichzeitig als Führer fungierte, erklärte uns, dass in San Diego traditionell das „Rückgrat der amerikanischen Pazifik-Flotte“ vor Anker liegt. Aktuell lagen gerade zwei der größten Flugzeugträger der Welt im Hafen: die „USS Abraham Lincoln“ und die brandneue „USS Ronald Reagan“ (links). Beide haben etwa eine Länge von 380 m und würden, auf die Spitze gestellt, etwa gleich hoch sein wie das Empire State Building. Wer die Schiffe allerdings in dieser Weise aufstellen sollte, hat er uns dann nicht verraten…

Wir setzten unsere Fahrt fort und kamen als nächstes bei der „USS Midway“ vorbei – dieser Flugzeugträger liegt zwar auch hier vor Anker, aber er ist dekommissioniert, d. h. außer Dienst gestellt und wird heute nur noch als Museum genutzt. Die „Midway“ ist der am längsten genutzte Träger der US-Geschichte, er war ab 1945 im Einsatz und wurde zuletzt in der Operation „Desert Storm“ 1991 genutzt.

Weiter führte uns die Fahrt am Convention Center vorbei in Richtung Innenstadt. Der Fahrer zeigte sich nun von seiner lustigen Seite; denn je nachdem, welcher Stadtteil gerade befahren wurde, setzte er sich eine neue Kopfbedeckung auf. In einem Neubaugebiet einen Bauarbeiterhelm, am Qualcomm Stadium der San Diego Chargers eine Fan-Kappe des Teams usw.

Der Weg führte uns nun ins Zentrum, und am uns schon bekannten Horton Plaza gab es ebenfalls eine Haltestelle. Da es mittlerweile Mittag war, beschlossen wir, eine kleine Stärkung zu uns zu nehmen. Neben dem Einkaufszentrum entdeckten wir den Gasthof zum goldenen „M“ und beschlossen, ausnahmsweise hier mal eine Kleinigkeit zu essen. Im Restaurant selbst war ich absolut positiv überrascht: Statt der üblichen hässlichen Plastikbestuhlung gab es hier massive und formschöne Holzmöbel, der Boden war mit Marmorplatten gekachelt und in der Ecke stand neben einigen Pflanzen sogar ein Konzertflügel (!). Das ganze Ambiente wurde durch dezente Hintergrundmusik in Form von Klassik à la Beethoven und Mozart abgerundet. Leute, ich kann Euch sagen: So stilvoll habe ich noch nie einen Quarterpounder verzehrt…

Nach dem Essen nahmen wir wieder den nächsten Trolley, der uns schnurstracks über die Coronado Bay Bridge auf die gleichnamige Halbinsel brachte. Während der Fahrt erzählte der Fahrer von den horrenden Grundstückspreisen auf Coronado, die zur Folge haben, dass sich nur die wirklich Gutbetuchten Kalifornier dort ein Anwesen leisten können. Höhepunkt der Insel ist selbstverständlich das berühmte „Hotel Del Coronado“, bekannt aus dem Film „Manche mögen’s heiß“. Leider konnten wir aufgrund des Regens auch nur einen kleinen Blick darauf erhaschen, aussteigen war uns dann doch zu feucht…

Wir blieben also an Bord des Trolleys und fuhren zurück über die Brücke. Die nächste Station war der berühmte Zoo von San Diego, der angeblich einer der besten der Welt sein soll. Wir besichtigten aber den Zoo selbst nicht, weil wir für den Folgetag schon andere Pläne hatten und es zudem schon Nachmittag war. Durch den Balboa Park führte der Weg weiter zum Old Town State Park, ein historischer Distrikt von San Diego. Diese sehr nett angelegte Anlage besteht aus kleinen alten Holzhäusern, in denen sich Läden, kleine Museen und Saloons befinden. Natürlich fehlen auch die allgegenwärtigen Souvenir-Shops nicht. Ein wenig wirkt hier alles wie eine alte Westernstadt.

Wir betraten einen schönen Saloon und tranken ein paar Bier, während wir mit dem Barkeeper plaudern. Nach der obligatorischen Frage, woher wir kommen würden, meinte er sinngemäß: „Ach ja, der Herbst ist wieder angebrochen. Jetzt kommen die europäischen Touristen, vor allem Deutsche und Franzosen.“. Ich fragte diesbezüglich näher nach und es stellte sich heraus, dass er seit Jahren dieses Phänomen beobachtet, dass „die Europäer“ erst nach der Hauptreisezeit im Sommer kommen würden. Das war mir selbst zwar auch neu, ich dachte mir aber, dass es wohl an den sehr hohen Flugpreisen im Sommer liegen muss.

Nach etwa zwei Stunden nahmen stiegen wir wieder in einen Trolley ein und fuhren weiter. Die nächste Station war dann wieder das „Cruise Ship Terminal“, also die Haltestelle, an der wir die Rundfahrt begonnen hatten.

Am Abend hörte es dann zu regnen auf und die Sonne kam sogar kurz heraus. Wir nutzten diese schon nicht mehr für möglich gehaltene Wetterlage, um einen Spaziergang am Hafen zu machen. Neben den großen Kreuzfahrt- und Kriegsschiffen gibt es in San Diego natürlich auch noch haufenweise Fischkutter, die hier vor Anker liegen…

Nach dem Spaziergang statteten wir dem Hard Rock Cafe San Diego noch einen Besuch ab, das aber meiner Meinung nach gegenüber den meisten anderen Ablegern dieser Kette stark abfällt – sehr klein und nicht wirklich schön ausgestattet…

Am Abend sahen wir uns dann in einer Sportsbar wieder das Baseball-Spiel an. Die Red Sox schafften tatsächlich die Sensation und kickten die Yankees nach 3-0 Rückstand noch mit 3-4 Spielen aus der Meisterschaft. Obwohl mich Baseball bis zu diesem Zeitpunkt eher peripher interessierte, fieberte ich richtig mit, schließlich hatte ich Boston als Stadt seit meinem ersten USA-Trip 1997/98 ins Herz geschlossen.

Insgesamt war heute kein wirklich aufregender Tag – unser geplanter Strandurlaub fiel buchstäblich ins Wasser und so mussten wir halt improvisieren. Gottlob sollte dies aber dann auch der letzte Regentag der Reise gewesen sein…

16. Tag – San Diego – Wild Animal Park – Los Angeles

Am Morgen nach dem Aufstehen gleich der erste Lichtblick: Es hat aufgehört zu regnen!!! Klar, jetzt wo wir San Diego verlassen, kann das Wetter ja wieder gut sein…

Nach dem obligatorischen kleinen Frühstück packten wir unsere Taschen in den Pontiac und fuhren los in Richtung Norden. Dabei passierten wir die Marinefliegerschule Miramar, die jedem, der den Spielfilm „Top Gun“ schon mal gesehen hat, ein Begriff ist – übrigens wurden etliche Szenen auch in San Diego selbst gedreht, und tags zuvor bei der Stadtrundfahrt kamen wir an der Bar vorbei, in der etliche Passagen des Films spielen. Wie auf Bestellung sah man auch etliche Kampfjets im Tiefflug; hauptsächlich F-16 „Falcon“, wie mir die Überbleibsel der Kenntnisse als Luftraumspäher der Bundesluftwaffe verrieten…

Wer nun meinen Reisebericht bis hier aufmerksam mitgelesen hat, kann sich sicher noch an die beiden Texaner erinnern, mit denen wir in Las Vegas im „Mirage“ Mittag gegessen hatten. Von diesen hatten wir den Tip erhalten, den ursprünglich für heute geplanten Besuch des Zoos von San Diego in leicht modifizierter Weise durchzuführen, in dem wir dessen Außenstelle besichtigen: Den Wild Animal Park bei Escondido. Nach deren Informationen soll dieser Park Impressionen vermitteln, als würde man sich in Afrika auf einer Safari befinden, was der normale Zoo niemals bewerkstelligen kann. Wir nahmen diesen Tip natürlich dankbar an.

Die Sonne schien mittlerweile richtig kräftig und es hatte angenehme Temperaturen von 25° C, als wir auf den Parkplatz des Parks fuhren. Durch die Erfahrungen von Sea World war mir bereits jetzt klar, dass sich ein Besuch lohnen wird: Auch hier waren nur etwa 10 – 20% der Plätze belegt, so dass davon auszugehen war, dass sich die Besucherscharen in Grenzen halten werden.

Wir entrichteten unseren Obolus an der Kasse, der sich mit $28 pro Person im Vergleich zu den anderen Parks eher bescheiden ausnahm. Gleich nach dem Eingang musste natürlich das erste Foto her… Wir waren mit dem Fotografieren noch gar nicht richtig fertig, da kamen auch schon zwei Parkangestellte daher, von denen eine einen Leoparden an der Leine führte, als wäre es ein zahmer Dackel…

Wir begannen mit der sog. „African Aviary“, eine der vielen begehbaren Volieren. Schon hier wurde uns bewusst, was die beiden Texaner mit „hautnahes Erlebnis“ gemeint hatten – ich habe es bis jetzt in keinem Zoo erlebt, dass man zusammen mit den Vögeln im Inneren einer Voliere war. Bis auf wenige Zentimeter konnte man sich hier den Tieren nähern und sie fotografieren; ohne dazwischen liegendes Gitter. Um zu Verhindern, dass die Vögel aus der riesigen Voliere durch die Eingangstüre entkommen, ist in diese eine Schleuse in Form einer Doppeltüre eingebaut. Hier im Wild Animal Park sind Vogelarten zu sehen, von denen man bisher noch nie etwas gehört hat oder die man zumindest nur von Fotos kennt. Durch die Größe der Volieren und Käfige kommt zudem nie das Gefühl auf, dass die Tiere unter irgendeiner Enge leiden würden.

Wir schlenderten durch die verschiedenen Volieren und machten unzählige Fotos. Hier muss gesagt werden, dass ich nur einen winzigen Bruchteil der Fotos hier einstellen kann, insgesamt werden es so ca. 250 Bilder gewesen sein… Nach den Volieren kamen wir an einem Teich vorbei, an dem die Pelikane ihr Zuhause hatten. Auch hier konnte man sich den Tieren bis auf Tuchfühlung nähern… Im selben Bereich erblickte ich dann inmitten einer kleinen Insel im Teich einen Schuhschnabel, eine seltene, große Vogelart.

Nach einem Gehege mit exotisch aussehenden kleinen Wildschweinen kamen wir zum sog. „Lorikeet Landing“ – die Lorikeets sind eine farbenfrohe Art von Paradiesvögeln, die in deren Voliere von den Besuchern per Hand mit einer nektarähnlichen Flüssigkeit gefüttert werden konnten – vor allem bei den Kindern stieß das auf Begeisterung…

In einem Insektenhaus gab es exotische Spinnen, Skorpione und Heuschrecken zu bewundern – alle Tierarten waren selbstredend erklärt. Bei einigen Blattheuschrecken musste man aufgrund ihrer „Camouflage“ länger suchen, bevor man sie im Blättergewirr entdeckte…

Nach unzähligen weiteren Volieren kamen wir zum Bereich der Gorillas. Auch hier war man wieder sehr nah dran, betreten durfte man das Gehege freilich nicht… Nach einigen weiteren kleineren Gehegen kamen wir zu einem der Höhepunkte: „Heart Of Africa“, eine große Ansammlung von Gehegen, in denen Großtiere vom schwarzen Kontinent leben.

Beginnend mit „Bonteboks“ ging es weiter mit Riesengazellen, Geiern, Okapis, Warzenschweinen und Springböcken (um nur einige zu nennen), bis man zu einem größeren Gewässerkomplex kam, in dem die afrikanischen Wasservögel frei lebten – u. a. auch eine Flamingokolonie.

Weiter ging es zu den Raubkatzen. Auch wenn sich die Frage nach einem begehbaren Gehege hier erübrigte, kann man sagen, dass die Tiger und Löwen ausreichend Platz hatten, um sich einigermaßen artgerecht zu bewegen; es lebte auch dort ein ganzes Rudel mit einem offensichtlichen Alpha-Männchen zusammen.

Danach zog es uns zum Elefantengehege – eigentlich sind es zwei große, abgesperrte Bereiche: Eines für die indischen Elefanten, das andere für deren afrikanischen Verwandten. Mit den indischen Elefanten machte man auch in einer kleinen, abgetrennten Arena eine Vorführung, um zu zeigen, wie diese gelehrigen Tiere zur Arbeit abgerichtet werden.

Am Gehege der afrikanischen Elefanten dann eine Überraschung: In der Gruppe von insgesamt etwa 15 Elefanten hatte es vor ein paar Wochen Nachwuchs gegeben. Der kleine Kerl ist natürlich der Stolz des Parks, schließlich ist es das erste Mal, dass man im Park ein Elefantenbaby hat. Die Gruppe wurde übrigens vor wenigen Jahren aus Swaziland gekauft, weil sie dort aufgrund irgendeines Großprojekts störte und deshalb ohnehin umgesiedelt bzw. gar eingeschläfert hätte werden müssen. Angesichts des großen Lebensbereichs, der ihnen hier zugestanden wird, die doch bessere Alternative. Die afrikanischen Elefanten konnten übrigens von einer erhabenen Position auf einem Hügel besichtigt werden, so dass man relativ nah an den Tieren dran ist, ohne diese aber wirklich zu stören.

Der eigentliche Höhepunkt des Parks ist aber ein riesiges Freigehege, um das eine kleine Bimmelbahn führt. Die Bahn allein soll etwa 8 km lang sein, das Gehege hat meiner Meinung nach einen geschätzten Durchmesser von zwei Kilometern. In diesem Gehege hausen allerlei Tierarten aus Afrika friedlich nebeneinander (logisch, die Raubtiere haben ja einen abgesperrten Bereich) und leben praktisch wie in der afrikanischen Wildnis. In das Gehege kann man per Safari-Jeep hineinfahren und von dort aus eine Foto-Tour machen, was allerdings sehr teuer ist. Wir beließen es bei der Fahrt mit der kleinen Bahn, die im Eintrittspreis inbegriffen ist.

Zuvor aber schauten wir noch an einem Punkt vorbei, an dem die im Großgehege lebenden Giraffen wirklich „hautnah“ zu bewundern sind… Eine der Tiere kam an meine Kamera bis auf wenige Zentimeter heran – vielleicht hielt sie sie für ein silberfarbenes Leckerli. Man muss übrigens dabei ganz leise sein und darf keine plötzlichen Bewegungen machen – Giraffen sind trotz ihrer Größe sehr schreckhaft…
Nachdem die Bahn losgefahren war, kamen wir an einem Bereich vorbei, an dem die Nashörner gerade fraßen. Insgesamt etwa 15 ausgewachsene Exemplare dieser Schwergewichte gibt es im Freigehege.

Im weiteren Verlauf der Bahnfahrt waren die verschiedensten Tierarten zu sehen: Populationen von Zebras, Antilopen, Giraffen, Longhorn-Rindern, Gnus und vieles mehr. Die Bahn hielt zwischendurch immer wieder an und es wurden die verschiedenen Tierarten erklärt.

Bemerkenswert war meines Erachtens, dass sich die Tiere zwar im gesamten Areal frei bewegen konnten, gleichartige Tiere aber stets zusammen zu sehen waren – für mich ein Indiz, dass aufgrund der Größe des Geheges das ganz normale Rudelverhalten zum Tragen kommt.

Es würde den Rahmen dieses Reiseberichts sprengen, über die weiteren Attraktionen des Parks zu berichten; ich glaube aber, ein grober Abriss ist mir gelungen. Es gäbe noch etliche weitere Bereiche im Park, u. a. sind in einer relativ neuen Sektion sogar Kondore in einer gigantischen Voliere zu besichtigen.

Wir verließen, schier erschlagen von all den Eindrücken, gegen 15.30 Uhr den Wild Animal Park und fuhren in Richtung der Großstadt Los Angeles. Schon von weitem konnte man die Skyline der Stadt erkennen, und je näher wir an den Stadtkern herankamen, desto breiter wurden die Autobahnen und dichter der Verkehr.

Das, was ich bisher über LA gelesen hatte, war keineswegs übertrieben: Der Verkehr ist einfach der Wahnsinn. Gottlob konnten wir die „Car Pool Lane“ (Extraspur für Autos mit mind. zwei Insassen) in Anspruch nehmen und so kamen wir dem größten Stau aus. Wie durch ein Wunder erreichten wir, ohne uns ein einziges Mal zu verfahren, das von uns vorgebuchte Days Inn am Nordrand des Stadtzentrums und checkten dort ein. Nebenbei gesagt handelte es sich um das beste Motel der ganzen Reise, die geräumigen und schönen Zimmer ließen keine Wünsche offen, und neben einem großen Kühlschrank gab es sogar einen tollen Blick auf die Skyline der Stadt – leider etwas verwackelt…

Abends schlenderten wir noch ein bisschen durch Downtown, was uns nicht wirklich beeindruckte. Nach einem kleinen Dinner in einer Sportsbar wanderten wir weiter in Richtung StaplesCenter, das hell erleuchtet war. Dort angekommen wurde ich auch schon von den allgegenwärtigen „Scalpers“ („Skalpabzieher“, das amerikanische Synonym für Wucherpreise verlangende Schwarzhändler) in Empfang genommen, von denen ich erfuhr, dass die Lakers gegen die Golden State Warriors ein Vorbereitungsspiel austragen. Obwohl mich Basketball nicht so sehr interessiert, ließ ich mir zwei Karten (Originalpreis je $75) für zusammen $80 aufschwatzen – zumindest das Stadion der LA Kings wollte ich mal von innen gesehen haben. Die Wahl war dann aber gar nicht mal die schlechteste: Die Sitze waren in toller Position im Unterrang, und es herrschte für Basketball eine tolle Stimmung in der Halle. Die Partie ging dann sogar in die Verlängerung, die die Warriors für sich entschieden.

Nette Geschichte am Rande: Da es das erste Spiel der neuen Saison war, wurden im Fanartikelshop die „alten“ Souvenirs aus der letzten Saison zu deutlich billigeren Preisen verkauft. Das sorgte dort für einen Rummel, wie ich ihn noch nie gesehen habe; teilweise verließen Fans den Shop mit fünf Trikots und mehr auf dem Arm. Am Ende des Spiels sah der Laden dann regelrecht geplündert aus…

Wir gingen zurück zum Hotel, was einem regelrechten Spießrutenlauf ähnelte: Solche Heerscharen von bettelnden Schwarzen hatte ich bislang in noch keiner Stadt der USA erlebt, und das auch noch direkt im Finanzdistrikt. Letztlich waren wir froh, wenigstens nur angebettelt zu werden und ließen den Abend im Hotelzimmer ausklingen. Mein Dosenvorrat neigte sich langsam auch dem Ende zu…

17. Tag – Los Angeles – Universal Studios

Für den heutigen Tag war die Besichtigung der Universal Studios angesagt. Wir frühstückten in der Lobby des Days Inn, die ganz passablen Kuchen, Toast mit verschiedenen Aufstrichen und den wie immer sehr dünnen Kaffee vorhielt.

Dann fuhren wir los in Richtung der Studios. Dank zig-facher Beschilderung auf der Stadtautobahn wurde die richtige Ausfahrt auf Anhieb gefunden und wir befanden uns an der Einfahrt zu dem Vergnügungspark. In der Warteschlange stellte ich fest, dass neben mir ein ganzer Minivan voll Holländern ebenfalls auf Einlass wartete – „…die wird man auch nirgends auf der Welt los…“ schoss es mir durch den Kopf.

Nach dem Eingang waren erst einmal happige Parkgebühren zu begleichen (Sea World lässt grüßen), bevor wir unser Auto im Parkhaus abstellten. Gottlob war noch nicht allzu viel los, so dass wir nah am Ausgang einen freien Platz fanden. Nach einem kurzen Fußmarsch durch eine Art Einkaufspassage, wo vor allem Souvenirläden zu finden waren, erreichten wir den Parkeingang, wo meine Befürchtungen erst einmal wahr wurden: Endlos lange Warteschlangen an den Ticketschaltern. Wir standen schon eine Zeitlang in der Schlange, als ich in einiger Entfernung einen Automaten sah, an dem man per Self-Service Tickets mit seiner Kreditkarte erwerben konnte. Ich ließ also Claudia den Platz in der Schlange reservieren und ging zu dem Automaten: Wie erwartet funktionierte er nicht (warum auch?) und kurz später stand ich wieder in der Schlange. Während des Wartens fiel mir, wie so oft in Kalifornien, der unglaublich hohe Anteil an deutschsprechenden Touristen auf.

Endlich kamen wir an der Kasse dran und bezahlten den doch recht hohen Preis von ca. $50 pro Person, um in den Besitz von regulären Tickets zu gelangen. Es gäbe auch „FrontLinePasses“, die einen die Warteschlangen an den Attraktionen umgehen lassen, diese wären aber beinahe doppelt so teuer, und das war uns dann doch zu viel – eine richtige Entscheidung, wie sich später herausstellte.

Das Wetter war für einen Parkbesuch geradezu optimal; etwa 28° C und Sonnenschein. Dazu kam, dass der Park trotz der Besuchermassen am Eingang offensichtlich nur schwach besucht war, so dass wir überall gleich dran und rein kamen; die höchste Wartezeit betrug gerade einmal fünf Minuten.

Als erstes gingen wir in den Filmkulissen der Westernstadt umher und machten das eine oder andere Foto. Dann gleich hin zur ersten größeren Show: Terminator. Die Show selbst war ein beeindruckendes Spektakel, irgendwie eine Mischung aus Fortsetzung zu Terminator III als Film und von echten Darstellern gespielte Szenen auf der Bühne. Etliche Spezialeffekte ergänzten den tollen Gesamteindruck. Nach der Show durfte natürlich das obligatorische Erinnerungsfoto mit dem Motorrad aus Terminator II nicht fehlen…

Gleich danach ging es in die Show „Back To The Future“, in der ein simulierter Flug durch die Zeit dargestellt wird. Man besteigt dabei den Nachbau des DeLorean Sportwagens aus dem Film und fliegt vor einer riesigen Kinoleinwand in die Zukunft und die Vergangenheit.

Einer der absoluten Höhepunkte des Parks ist die Fahrt in einer Wildwasserbahn, in der „Jurassic Park“ nachgestellt wird. Am Eingang zur Bahn befindet sich neben einem Raptor auch eine Widmung von Steven Spielberg. In der Bahn selbst trifft man auf etliche Dinos, und selbst ein Auto wird, analog dem Film, über eine Klippe hinuntergeworfen und droht auf die Bahn zu fallen…

Über nicht enden wollende Stufen und Rolltreppen ging es anschließend hinunter in den „unteren“ Teil des Parks – hier nahmen wir mit einer kleinen Bahn an der Rundfahrt durch die eigentliche Filmstadt teil, also den Teil, in dem auch wirklich die Spielfilme gedreht werden. Neben interessanten Infos gab es selbsverständlich auch wieder etliche Aha-Effekte. So konnte eine Brücke, über die man eben noch gefahren war, auf Knopfdruck zum Einsturz gebracht werden…

Etwas später fuhr man an einem Gewässer vorbei, und wie aus dem nichts tauchte der „Weiße Hai“ neben einem auf und man lief Gefahr, verspeist zu werden… Die Fahrt ist im Übrigen wirklich sehenswert, vor allem für Leute, die an Spezialeffekten aus Filmen interessiert sind. Kaum zu glauben, was einem da so in den Movies vorgegaukelt wird…

Wir gingen zurück in den „Vergnügungsteil“ des Parks und dort zur Show des Films „Waterworld“ hin. Nach den Angaben der Parkbetreiber soll dies die beste und aufwändigste Show sein, deshalb findet sie auch nur zwei mal pro Tag in einer kleinen Arena statt, die eine getreue Nachbildung der Meeresstation aus dem Film ist. Die vorderen Sitzreihen waren als „Soak Zone“ gekennzeichnet, und unsere Erfahrungen aus San Diego reichten aus, um dann doch weiter hinten Platz zu nehmen….

Die Show war wirklich mit das Beste, was ich je gesehen habe. Die Stuntmen fuhren mit Jetskis und kleinen Booten im Wasser herum und simulierten einen Angriff der „Smoker“ auf die Wasserstation. Dabei geizten die Darsteller nicht mit Feuereffekten, simulierten Schusswaffen und waghalsigen Sprung- und Abseilaktionen.

Zu allem Überfluss flog kurze Zeit später auch noch ein Flugboot der Smokers in die Arena, und direkt auf uns zu. Das geschah mit einer solchen Geschwindigkeit, dass ich schon nach einem Fluchtweg suchte, um mich im letzten Moment mit einem Sprung in Sicherheit bringen zu können. Der Flieger hielt aber dann doch noch rechtzeitig und ich schoss ein Foto von dem Anblick, der mich so in Schrecken versetzt hatte…

Im weiteren Verlauf machten wir noch die Attraktionen „Die Mumie“, „Van Helsing“ und je eine Show mit Feuer- und Spezialeffekten mit, aßen in einem originalen Nachbau aus „Die Feuersteins“ einen Burger und sahen uns alles genau an. Wegen der bereits erwähnten überschaubaren Besucherzahl kamen wir an dem einen Tag komplett durch und so rentierte sich der Eintrittspreis auch wirklich. In der Hauptsaison habe ich da allerdings so meine Zweifel – wie schon in Sea World deuteten schier endlose Bahnen für Wartende an, auf was man sich bei einem vollen Park einstellen kann.

Unterwegs trafen wir dann noch den Bösewicht aus „Spiderman“, der sich mir gegenüber aber als recht lustiger Zeitgenosse herausstellte – na ja, mit einem echten Cowboy aus Good Ol` Bavaria legt man sich natürlich auch nicht so leicht an wie mit einer überdimensionierten Spinne… Gegen 17.00 Uhr verließen wir den Park wieder, natürlich nicht, ohne uns am berühmten Schild am Parkeingang verewigt zu haben…

Auf dem Weg zum Parkhaus schauten wir kurz noch beim HRC Hollywood rein und kauften uns je ein T-Shirt – dies erschien uns noch als das sinnvollste Souvenir. Obwohl es schon dämmerte, beschlossen wir, noch den Rodeo Drive und den Walk Of Fame zu besichtigen. Wir fuhren also zur berühmten Nobelstrasse und stellten dort unser Auto ab. Leider hatten schon fast alle Geschäfte geschlossen; andererseits enttäuschte mich der Rodeo Drive zumindest dahingehend ein wenig, dass es sich halt auch nur um eine der sehr teuren Einkaufsmeilen à la München-Maximilianstraße handelt. Wirklich zu besichtigen gab es hier für uns nichts. So fuhren wir recht zeitnah weiter zum Walk Of Fame und hatten dort erst einmal eine Zeitlang damit zu tun, einen Parkplatz zu suchen. Nachdem dies endlich geschehen war, liefen wir –bereits im Dunkeln- den Walk Of Fame ab und wunderten uns zum Teil, wer hier so alles einen Stern erhalten hat….

Nach dem Walk Of Fame gingen wir noch zum Mann Chinese Theatre und sahen uns die diversen Hand- und Fußabdrücke an. Auch hier hatte Arnie seine Pranken hinterlassen…

Nach deren eingehender Besichtigung wurden wir aber dann doch so müde, dass wir zurück ins Hotel fuhren. Zuvor drehte ich aber noch eine Runde mit dem Auto im Finanzdistrikt um die beleuchteten Wolkenkratzer ein wenig zu bestaunen – letztlich kam ich aber zu dem Schluß, dass die Skyline von LA in Sachen Schönheit mit der von Chicago oder Manhattan nicht annähernd mithalten kann…

18. Tag – Los Angeles – Highway N° 1 – Monterey

Gleich nach dem Frühstück in der Lobby der DaysInn checkten wir aus und fuhren los in Richtung Norden. Über den Highway N° 1 sollte die Fahrt heute bis nach Monterey gehen, also doch eine beträchtliche Strecke.

Ohne Probleme fanden wir aus der Großstadt Los Angeles hinaus und fanden auch gleich auf den berühmten Highway. Nachdem wir Santa Barbara durchquert hatten, wies uns ein Hinweisschild auf die Ortschaft Solvang hin, ein von dänischen Einwanderern in genau jenem Stil erbautes Städtchen. Wir lagen gut in der Zeit und so beschlossen wir, uns den Ort ein wenig anzusehen. Wir erreichten also nach kurzem Abstecher den für kalifornische Verhältnisse doch recht exotischen Ort. Viele Gebäude hier sind tatsächlich im Stil Dänemarks gehalten, u. a. auch eine Windmühle.

Da es noch ein gutes Stück zu fahren war, hielten wir uns aber nicht allzu lange in Solvang auf, sondern fuhren zurück auf den Highway und diesen weiter Richtung Norden. Ab der Ortschaft Morro Bay verläuft dann der Highway ständig an der Pazifikküste entlang, und trotz des suboptimalen Wetters – es war recht bewölkt, aber noch trocken – boten sich uns atemberaubende Ausblicke auf den Pazifischen Ozean und die Westküste.

Irgendwo unterwegs traf ich dann auf die Gebilde im Bild unten, und ich fühlte mich sofort an einen der Filme der „Die Nackte Kanone“ – Reihe erinnert, in dem diese (oder baugleiche?) eine recht delikate Rolle spielen. Claudia konnte mein aus ihrer Sicht unmotiviertes Lachen zwar überhaupt nicht verstehen, ich genoss aber den Anblick der beiden Kuppeln so sehr, dass ich gleich ein Foto schießen musste!

So fuhren wir gemächlich den ganzen Nachmittag am Highway N° 1 entlang nach Norden. Ein ums anderen mal blieben wir stehen, um wieder einmal ein schönes Panorama zu fotografieren.

Unterwegs ließ sich dann auch einmal eine Möwe (?) in der Nahaufnahme ablichten – sie schien auf mich und meine Kamera ebenso neugierig zu sein wie ich auf sie…

Am Spätnachmittag erreichten wir dann die herrliche Bucht Montereys, deren Pracht allerdings aufgrund des einsetzenden Regens etwas geschmälert wurde. Da mittlerweile die Dämmerung einsetzte, machten wir uns auf die Suche nach einer Bleibe – und wieder rächte es sich, dass wir am Wochenende unser Hotel nicht schon vorgebucht hatten. Obwohl augenscheinlich in der Stadt nur wenig los war, trafen wir ausschließlich auf „No Vacancy“ Schilder; und dort, wo noch etwas frei war, bot man uns nur größere Zimmer oder Suiten zu horrenden Preisen an. Letztendlich gaben wir nach etwa 1,5 Stunden Suchen auf und nahmen ein normales Standard-Motel für sage und schreibe $92 – das war noch das preisgünstigste Angebot. Etwas angesäuert angesichts dieses offensichtlichen Wuchers bezogen wir unser Quartier und überlegten anschließend, wo wir unser Abendessen genießen könnten.

Bei der Hotelsuche war mir ein Ableger der Kette „Denny’s“ aufgefallen, und wieder einmal entschieden wir uns für deren ebenso leckeres wie preiswertes Angebot. Meinem Favouriten – Strip Steak und Shrimps – konnte ich auch diesmal nicht widerstehen…

Im Anschluß machten wir einen kleinen Spaziergang durch die Stadt und suchten uns eine Sportsbar, in der wir, wie fast jeden Abend, das Baseball-Spiel der Red Sox ansahen. Diese war übrigens an das örtliche Marriott-Hotel angegliedert und konnte deshalb von der Ausstattung her voll überzeugen – was sich jedoch erfreulicherweise nicht auf die Preise niederschlug. Die Sox machten dann an dem Abend den ersten wichtigen Schritt in Richtung Meisterschaft, indem sie die St. Louis Cardinals souverän besiegten. Die Stimmung in der Bar schwappte deshalb auch fast über, obwohl man ja etliche tausend Meilen von New England entfernt war…

Wir ließen den Abend noch ein wenig ausklingen und begaben uns gegen 23.00 Uhr zurück in unsere „Nobelherberge“ – vom Preis her jedenfalls…

19. Tag – Monterey – San Francisco

Der Tag begann so ähnlich, wie der letzte aufgehört hatte – mit einem Besuch im “Denny’s”, diesmal natürlich zum Frühstücken. Dabei fiel mir ein Angebot der Kette auf, das mir wirklich in Erinnerung blieb: Kinder unter 12 frühstücken in Begleitung eines Erwachsenen komplett gratis – das nenne ich mal Kinderfreundlichkeit, da könnte sich so manches Restaurant in Deutschland eine Scheibe abschneiden! Wir selbst hatten von diesem Angebot natürlich nichts, der nette Herr am Nebentisch machte aber dafür umso mehr Gebrauch davon, hatte er doch als ein einzelner Erwachsener gleich sechs (!) kleine Schreihälse dabei, die sich alle auf Kosten der Kette mit dem gelben Schild die Mägen vollschlugen. Offensichtlich hatten ihm alle Nachbarn, die länger ausschlafen wollten, ihren Nachwuchs vorbeigebracht, und er hatte die Rasselbande jetzt am Hals. Wir schauten genüsslich der Szene zu und konnten uns ein Schmunzeln nicht verkneifen…

Nach dem Frühstück fuhren wir zum Old Fisherman’s Wharf und parkten in der Nähe unser Auto. Wie auch in San Francisco gibt es hier Dutzende von Souvenirläden und Restaurants mit Seafood. Wir beließen es aber bei einem kurzen Spaziergang und setzten unseren Weg fort zum eigentlichen Hauptziel des heutigen Tages:

Wir entrichteten am Eingang das Eintrittsgeld von knapp $20 pro Person, was mir auf den ersten Blick etwas happig vorkam. Von SeaWorld und den Universal Studios abgehärtet nahm ich aber auch das noch in Kauf, und wir sollten es nicht bereuen.

Nach dem Eingang fällt einem sofort die Hauptattraktion des Aquariums auf: Das große runde Becken mit einem Wald aus Seetang und hunderten Fischen darin, genannt „Kelp Forest“.

Dieser gigantische Wassertank ist wirklich atemberaubend. Mit einer Höhe von etwa 8,5 m erstreckt er sich über drei Stockwerke und beherbergt ganze Schwärme von Fischen. Wir verbrachten insgesamt wohl etwa eine halbe Stunde nur staunend davor und betrachteten das Leben im Tangwald. Allein schon diese Attraktion ist das Eintrittsgeld in jedem Fall wert.

Danach sahen wir uns die kleineren Becken an. Hier wird einem die Vielfalt der Unterwasserwelt hautnah präsentiert. Auffallend war, dass die Becken nicht nur strikt wissenschaftlich dargestellt wurden, sondern auch spielerisch-einfache Erklärungen für Kinder vorhanden waren. Da es sich ja um ein Wochenende handelte, waren diese auch reichlich vorhanden und hatten sichtlich Spaß mit den Becken.

In einem anderen Bereich gab es eine größere Ausstellung mit „Jellyfish“, also Quallen. Diese Becken waren in einer speziellen Art beleuchtet und so erstrahlten die exotischen Meeresbewohner in leuchtenden Farben. Es war übrigens ziemlich schwierig, ein annähernd authentisches Bild mit der Kamera zu schießen; das Blitzlicht nahm der Szene nämlich vieles der Farbenpracht. Unter anderem gibt es dort auch die „Upside-Down-Jellyfish“, die immer mit dem Kopf nach unten schwimmen. Andere Quallen haben meterlange Tentakeln, und es grenzt schon an ein Wunder, dass sich diese in dem Aquarium nicht heillos ineinander verknoten…

Ein anderes Becken war die Heimat von etwa zwei Dutzend Moränen, die in durchlöcherten Felsen hausten. Bis auf wenige Zentimeter kam man hier an diese Raubfische heran, und wir staunten nicht schlecht, wie viel unterschiedliche Farben und Größen es von diesen schlangenartigen Fischen gibt.

Im Monterey Bay Aquarium gibt es auch einen Außenbereich, wo man Seevögel und Robben im Pazifik besichtigen kann – wegen des schlechten Wetters war dort allerdings nicht allzu viel zu sehen. Weitere Becken beheimaten Rochen, Hammerhaie und ganze Rifflandschaften.

Wir blieben insgesamt gute zwei Stunden im Aquarium und sahen uns alles genau an. Danach schlenderten wir noch ein wenig in der „Cannery“ (bekannt aus John Steinbeck’s „Die Straße der Ölsardinen“), in der früher Fisch verarbeitet wurde. Heute befinden sich kleine Läden, eine Ausstellung und – wie könnte es anders sein – etliche Restaurant darin. Wir nutzten dies dazu, uns bei der „Starbüchse“ zwei große Becher Kaffee zu organisieren.

Danach machten wir uns auf den Weg zum „17-Mile-Drive“, einer Rundfahrt in und um Monterey und Pebble Beach. Am Beginn des „Scenic Drive“ waren erst mal $8,50 zu entrichten – wer dieses Eintrittsgeld einstreicht und für was es ausgegeben wird, ist mir bis heute nicht klar. Was soll’s – die acht Kröten machten das Kraut auch nicht fett und so fuhren wir, ausgestattet mit einer „wertvollen, mehrseitigen Farbbroschüre“ in die Rundfahrt ein.

Zuerst führt die Rundfahrt durch Huckleberry Hill, einem Ort, in dem sich viele schwerreiche Kalifornier ihre Villen errichten ließen. Nach kurzer Zeit kommt man direkt am Pazifik an. Wir stiegen aus und gingen an den Strand, um dort die starke Brandung zu beobachten. Das Meer erzeugte hier eine starke Gischt, und es lag haufenweise gestrandeter Tang, Äste und anderes Treibgut im Sand.

Weiter führte der Weg an Golfplätzen vorbei an der Küste entlang. Immer wieder traf man auf schöne Aussichtspunkte, die zum Verweilen und Fotografieren einluden. Einer der berühmtesten ist dabei die „Lone Cypress“, ein Baum, der schon seit etwa 250 Jahren allein auf einem Felsen stehend Wind und Wetter trotzt.

Nach der Rundfahrt machten wir uns auf den Weg in Richtung San Francisco. Nach gut zwei Stunden Fahrzeit bei traumhaftem Wetter auf dem Highway N°1 erreichten wir schließlich die Stadt, in der unsere Reise vor gut zwei Wochen begonnen hatte – diesmal fuhren wir allerdings an der Pazifikküste in die Stadt hinein.

Da es schon Spätnachmittag war, fuhren wir nicht gleich zu unserem Hotel – Lage und Erreichbarkeit war uns ja schon von der ersten Nacht her bekannt – sondern steuerten schnurstracks den Coit Tower an, den wir heute noch besichtigen wollten. Dabei ging es zum zweiten mal über die weltberühmten Kurven der Lombard Street.

Nach einigem mühsamen Suchen konnten wir am Coit Tower schließlich auch einen Parkplatz ergattern. Der Turm selbst ist ein Geschenk von Lillie Coit, die Witwe des schwerreichen Howard Coit, an die Stadt und die Feuerwehr der Stadt San Francisco. Wir fuhren mit dem Aufzug hinauf in die Spitze und genossen dort den Sonnenuntergang und den wunderschönen Ausblick auf die Skyline von San Francisco und die Bay.

Nach dem Besuch des Coit Tower fuhren wir zu unserem Hotel. Wie auch am Beginn der Reise war der Checkin einfach und problemlos, schließlich hatte ich ja vorgebucht. Wir gingen dann die paar Blocks zurück bis zur Hyde Street und warteten dort auf eine der berühmten Cable Cars. Nach einigen Minuten, die ich damit verbrachte, mir die kuriose Konstruktion des unter der Straße laufenden Kabels anzusehen, traf dann auch mit lautem Getöse ein Wagen ein. Wir stiegen auf die Plattform und los gings…

Es war schon erstaunlich, wie zügig die Cable Car trotz des recht spektakulären Antriebs die Hügel hinauf- und wieder hinunterfuhr. Ein gesundes Gottvertrauen musste man dabei aber schon haben, anfangs war ich mir nämlich nicht sicher, ob der „Gripman“ in der Mitte das Vehikel bei abschüssiger Straße noch rechtzeitig bremsen kann…

In der Innenstadt angekommen schlenderten wir zum Steakhouse „Alfred’s“ nahe der Transamerica Pyramid. Bei meinen Planungen für die Reise war ich auf die Homepage des Restaurants gestoßen, dessen Speisekarte auch ein 60-Unzen-Steak (!) beinhaltet. Leider war kein Tisch frei, und eine Wartezeit von mindestens einer Stunde war uns zu viel. So suchten wir uns ein anderes Restaurant und wurden auch prompt fündig. In der Mason Street unweit des Union Square stießen wir auf „Lori’s Diner“, einer kleinen Restaurantkette in San Francisco. Das Restaurant war richtig gemütlich im Stil eines 50er-Jahre-Diners eingerichtet, und die Preise wirkten für Innenstadtverhältnisse keineswegs überzogen.

Nach dem Essen spazierten wir noch ein wenig am Union Square umher. Interessant am Rande: Das mondäne Crowne Plaza Hotel wurde in diesen Tagen bestreikt, die gesamte Belegschaft stand demonstrierend mit Trillerpfeifen und Transparenten vor der Nobelherberge und machte Passanten auf die unmoralischen Geschäftsmethoden der Firmenleitung aufmerksam. Unter anderem wollte diese Gehaltskürzungen und Arbeitszeitverlängerungen durchsetzen (wieso kommt mir das so bekannt vor…?). Übrigens wurde der Streik während unserem gesamten Besuch in San Francisco aufrechterhalten – wie viel Geld allein in diesem Hotel dem Konzern dadurch entgangen ist, wäre mal interessant zu erfahren.

Etwas später traf ich auf zwei Polizisten des San Francisco Police Department, die mit Mountainbikes auf Fahrradstreife waren. Natürlich hielt ich mit den Berufskollegen gleich mal eine Viertelstunde lang Smalltalk, und man tauschte Erfahrungen aus. Wirklich nett, wie sich dort um Touristen gekümmert wird. Interessant auch, dass ich zum ersten Mal auf Amerikaner traf, denen zu den Begriffen „Bavaria“ und „Munich“ was anderes einfiel als „Oktoberfest“ – die bayerische Landeshauptstadt war für einen der beiden vor allem wegen seiner Museen und der schönen Innenstadt bekannt. Mit einer Empfehlung für eine gute Sportsbar verabschiedeten wir uns und genossen noch ein paar Drinks in eben jenem Lokal.

Mit dem Taxi ging es danach zurück zum Hotel, in dem wir diesmal ein schönes ruhiges Zimmer im dritten Stock bekamen. Die Aussicht auf einen Garagenhof war zwar nicht wirklich berauschend, aber allzu viel Zeit sollten wir ohnehin nicht auf dem Zimmer verbringen.

20. Tag – San Francisco – Muir Woods – Napa Valley

Morgens schlenderten wir die etwa 10 Minuten Fußmarsch hinunter zum Fisherman’s Wharf, wo uns der Weg zuerst zu dem kleinen Gebäude der “Blue and Gold Fleet” führte. Wir erkundigten uns nach Karten für die Überfahrt nach Alcatraz und erfuhren, dass trotz der Nachsaison für den aktuellen Tag keine Tickets mehr erhältlich waren. Bei meinen Reiseplanungen hatte ich von der Knappheit der Karten schon gehört, so dass mich dies nicht mehr wirklich überraschte. Wir reservierten also Tickets für den Morgen danach vor, bezahlten diese und begaben uns dann erst mal in den nahegelegenen „Starbuck’s“, um dort einen Kaffee zu genießen.

Da es ja mit der Besichtigung von „The Rock“ heute nichts mehr werden würde, beschlossen wir, den Tag für einen Trip in die Gegend nördlich der Bay zu nutzen. So gingen wir zurück zum Hotel und fuhren die Lombard Street Richtung Westen hinunter, schnurstracks auf die weltberühmte Golden Gate Bridge zu. Vieles hatte ich in der Vergangenheit, vor allem während der Planungsphase für diese Reise, von der Brücke schon gehört und gelesen, und heute sollten wir sie ganz aus der Nähe zu Gesicht bekommen.

Wir fuhren also kurz vor der Brücke rechts ab, wo sich das kleine Visitors Center der Golden Gate Bridge befindet. Dort ergatterten wir auch recht schnell einen Parkplatz und lasen uns die diversen Informationstafeln über die Brücke durch. Ein Erinnerungsfoto durfte natürlich nicht fehlen.

Die Ausmaße der Brücke sind wirklich beeindruckend: 227 m ragt jeder der beiden Pfeiler aus dem Wasser, die Gesamtlänge der Brücke, inklusive der Auf- und Abfahrten beträgt 2737 m, und der Durchmesser des 2332 m langen Hauptkabels liegt bei sagenhaften 92 cm. Gemessen an der Bauzeit der Brücke vor 1937 sind dies wirklich gigantische Ausmaße.

Wir blickten uns noch in dem Souvenirladen vor Ort um, fanden aber nichts wirklich Kaufenswertes. Anschließend fuhren wir zurück auf die Straße, um endlich selbst die Brücke zu überqueren. Ich passte einen geeigneten Moment ab, in dem im ohnehin nur schwachen Verkehr eine größere Lücke entstand, und so konnte ich quasi im Schneckentempo über die Golden Gate fahren, ohne jemanden zu behindern. Claudia knipste indessen mit unserer Canon, dass die Linse glühte – das war natürlich während der Fahrt nicht immer einfach. Trotzdem entstanden schöne Aufnahmen von den Brückenpfeilern…

Nachdem wir die Nordseite der Bucht erreicht hatten, fuhren wir noch ein kleines Stück weiter und fuhren bei Mill Valley zu unserem letzten Nationalpark der Rundreise:

Am Visitors Center nutzten wir noch einmal unseren National Parks Pass und erhielten wie immer nützliches Karten- und Infomaterial. In den Muir Woods sind die sog. Coastal Redwoods Mammutbäume beheimatet. Diese weisen im Gegensatz zu den Sequoias, die wir im Mariposa Grove bestaunt hatten, viel schlankere Stämme auf, erreichen aber dafür Höhen von bis zu 120 m.

Wir wanderten auf dem schattigen Trail durch den Nationalpark und schauten uns die Baumriesen an. Immer wieder trafen wir auf kleinere Gruppen, denen von einem Park Ranger die Bäume, Farne und auch Tiere des Parks erklärt wurden. Wir hörten dann oft gespannt zu und erfuhren so einiges Wissenswerte.

Die Coastal Redwoods waren früher an der gesamten Westküste beheimatet. Sie versorgen ihre Wurzeln mit Wasser, indem der vom Pazifik hereinziehende Nebel an den Nadeln der Baumwipfel kondensiert und dann heruntertropft. Heute gibt es nur noch geringe Bestände der Redwoods, da diese sich gut als Bauholz eigneten und deshalb in der Pionierzeit und während des Goldrauschs dem Kahlschlag zum Opfer fielen. Die Bäume in den Muir Woods verdanken ihr Überleben einzig und allein der Tatsache, dass dieser Hain so schlecht zugänglich war, dass man auf den Einschlag dieser Bäume verzichtete – der Abtransport wäre zu umständlich gewesen.

Unter anderem gibt es im Park auch eine Art grüner Nacktschnecken, die giftig sind und beachtliche Größen erreichen können – hier ein kleineres Exemplar davon… Wir wanderten noch eine ganze Zeitlang im Park und verließen diesen nach etwa zwei Stunden wieder. Beim Verlassen des Parks waren wir ganz froh, die Besichtigung bereits hinter uns zu haben – während wir recht unbehelligt durch den nur spärlich besuchten Hain hatten wandern können, strömten jetzt ganze Heerscharen von Touristen herein, und mit der Ruhe war’s natürlich vorbei…

Mittlerweile war es Mittag geworden, und es herrschte ein herrliches Wetter in der Bay Area. Wir hielten an einem Ableger der „Subway“-Kette und teilten uns ein Footlong-Sub.

Weiter führte uns der Weg durch Sonoma und Napa Valley. Diese Weinanbaugebiete Kaliforniens wurden im 19. Jahrhundert vor allem durch eingewanderte Italiener begründet und zählen nicht zuletzt wegen des hervorragenden Klimas heute zu den besten Weinanbaugebieten der Welt. An einer der zahlreichen Winzereien, der „Charles Krug Winery“ machten wir Halt und ließen uns zu einer kleinen Weinprobe überreden. Für $5 pro Person testeten wir die Erzeugnisse des 1861 gegründeten Hauses, welche durchaus zu überzeugen wussten. Generell ist hier zu sagen, dass die kalifornischen Weine im Allgemeinen viel gehaltvoller und schwerer sind als die Deutschen oder auch die Italienischen Tropfen.

Nach der Weinprobe hätte man selbstredend die Möglichkeit zum Kauf der hauseigenen Produkte gehabt; Flaschenpreise von $15 aufwärts waren uns dann aber doch zu happig – da bleibe ich doch lieber beim soliden trockenen Riesling aus Rheinhessen…

Wir fuhren weiter durch die Weinanbaugebiete und kamen so am Spätnachmittag zurück zur Bay, wo wir aber nicht gleich wieder über die Golden Gate Bridge fuhren, sondern uns erst einmal rechts hoch Richtung Marin Headlands orientierten. Dieser Vista Point ermöglicht einem den wohl spektakulärsten Ausblick auf die Brücke und die Silhouette der Stadt dahinter. Das Wetter war zwar mittlerweile nicht mehr wirklich optimal, aber zumindest herrschte kein Nebel, der die Sicht verdeckt hätte. Die beginnende Dämmerung tauchte die Szene dann auch in ein wunderbares Licht.

Nach einiger Zeit, es war mittlerweile schon 19.00 Uhr, erschien ein Park Ranger und machte die wenigen Besucher darauf aufmerksam, dass der Bereich wie jeden Abend nun geschlossen wird. Wir fuhren deshalb etwas weiter nach unten, wo eine weitere Perspektive der Brücke zum Fotografieren einlud.

Nun hatte ich die Idee, uns selbst vor der schönen beleuchteten Brücke ins Bild zu bringen – aber irgendwie wollte es mir nicht recht gelingen. Bei zugeschaltetem Blitz sah man nur uns beide im Vordergrund, während bei abgeschaltetem Blitz und aufgelegter Kamera nur die Lichter der Brücke, nicht aber wir selbst im Vordergrund erkennbar waren. Hier zeigte sich einmal mehr die Hilfsbereitschaft der Amerikaner: Außer uns beiden waren noch zwei junge Texanerinnen an dem Aussichtspunkt, die meine verzweifelten Bemühungen auch bemerkten. Sie fragten mich sofort, ob sie helfen könnten, und nach einiger Überlegung kam mir eine Idee: Nach kurzer Rücksprache halfen mir die beiden mit dem Fernlicht ihres Cabrios, den Vordergrund zu beleuchten, und so schaffte ich mit ausgeschaltetem Blitz, Selbstauslöser, langer Verschlußzeit und aufgelegter Kamera schließlich, ein einigermaßen brauchbares Bild von uns beiden zu erstellen…

Wir bedankten uns herzlich bei den Beiden, die an der Erstellung des Fotos übrigens auch sichtlich Spaß hatten. Anschließend fuhren wir endgültig von Marin Headlands hinunter – der Park Ranger saß uns nämlich auch schon wieder im Nacken – und den kurzen Weg hinüber zur Ortschaft Sausalito. Dieses einstige Fischerdorf stellt heute eine noble Flaniermeile mit exzellenten Restaurants und Geschäften dar. Wir parkten unser Auto und schlenderten ein wenig umher, in der Hoffnung, ein Restaurant zu finden. Einige wenige hatten tatsächlich geöffnet, einzig ein Blick auf die Bekleidung der anderen Gäste und die Feststellung, dass meine Kreditkarte für derartige Gourmettempel wohl die falsche Farbe besitzt, hielt uns vom Betreten ab. Schließlich beschlossen wir, zurück zum Hotel zu fahren und uns am Fisherman’s Wharf etwas preisgünstigeres zu suchen – ein Seafood-Lokal sollte es ohnehin sein, und davon gibt’s wohl am Pier 39 mehr als genug…

Wir fuhren also in Richtung Golden Gate Bridge und durften an der Auffahrt erst einmal die fälligen $5 Brückenmaut entrichten. Ein wahrhaft stolzer Preis, mich hätte in diesem Moment interessiert, wie oft die Brücke durch die Maut wohl schon abbezahlt worden ist. Das Auto stellten wir gleich am Hotel ab und gingen zu Fuß hinunter zum Fisherman’s Wharf. Dort fanden wir auch gleich das, was wir suchten: In der Taylor Street warb ein Angestellter des „Sabella & LaTorre“ Restaurants, und wir ließen uns auch nicht lange bitten. Das Essen dort war wirklich hervorragend, ich genoss z. B. ein mir bis dahin unbekanntes Gericht mit ausgelösten Stücken Lobster-Tail. Claudia hielt sich mehr ans „Klassische“ und bestellte sich eine Portion Fish & Chips.

Nach dem Essen gingen wir noch in die benachbarte Bar „Joe’s Crab Shack“, eine recht lustig im Stil einer Seemannskneipe eingerichtete Sportsbar. Am Tresen kamen wir mit einem Geschäftsmann aus Boulder/CO namens „John“ ins Plaudern – übrigens wieder einmal ein Amerikaner, der nicht müde wurde, über die Dummheit, Ignoranz und Unfähigkeit der Bush-Administration zu schimpfen.

Einige Drinks später traten wir dann den Heimweg an; schließlich hatten wir ja für den Folgetag gleich für die erste morgendliche Überfahrt nach Alcatraz Karten gebucht…

21. Tag – San Francisco

Schon früh krochen wir heute aus den Federn; schließlich hieß es ja, rechtzeitig am Fisherman’s Wharf zu sein, wo unsere gebuchte Fähre auf uns wartete. Wir spazierten also bei schönstem Wetter in Richtung der Anlegestelle, wo wir am Horizont schon unser heutiges Tagesziel erkennen konnten: Die Gefängnisinsel Alcatraz.

Um 09.15 Uhr bestiegen wir dann nach einigem Anstehen das Schiff der „Blue and Gold Fleet“, welches komplett ausgebucht war. Das Einsteigen dauerte denn auch eine Weile. Die Fähre fuhr uns dann unter ständigem Schaukeln hinüber auf die Insel, wo schon ein halbes Dutzend Park Ranger auf uns warteten. Neben einem Schild, das den letzten Zweifelnden Auskunft darüber gab, wo man sich denn befände, wurde man über die umfangreichen Sicherheitsbestimmungen auf der Insel aufgeklärt.

Nach diesen wichtigen Instruktionen konnten wir zu Fuß die Insel erkunden. Unsere erste Station war eine Art kleines Kino, in dem ein Film über die Geschichte der Insel lief. Dieser Streifen war insofern recht interessant, da man gleich die wichtigsten Eckdaten über die Insel wusste.

Anschließend gingen wir hoch zum eigentlichen Zellentrakt. Beim Betreten wurde man mit einem Head-Set ausgerüstet, das einem in allen möglichen Sprachen das Gefängnis näher bringt. Wir wählten natürlich die deutsche Version und ließen uns dann von dem elektronischen Führer durch das Gebäude leiten. Diese „Audio-Tour“ würde ich übrigens jedem empfehlen, der die Insel besucht, denn nur durch die zahllosen Geschichten und Fakten, die einem hierdurch bekannt werden, erhält „The Rock“ seinen Reiz. Hauptattraktion der Insel ist selbstredend der Zellentrakt, in dem die Zellen ähnlich einer überdimensionierten Legebatterie angeordnet sind.

Wir schlenderten durch die Zellen und folgten dabei unserem virtuellen Guide. Einer der Haltepunke ist dabei eine nachgestellte Zelle mit der typischen Einrichtung, wie sie Anfang der 60er Jahre bestand. Die Gefangenen verbrachten darin etwa 22 bis 23 Stunden am Tag.

Wer sich nun insgeheim denkt „Oh Gott, das ist ja winzig – wie kann man es darin nur aushalten?“ und „Heutzutage gäbe es so etwas nicht mehr“, dem kann ich folgenden interessanten Fact präsentieren: Alcatraz ist zwar seit 1963 geschlossen, das am nächsten gelegene Bundesgefängnis, Leavenworth, ist aber nach wie vor existent. Die Zellen dort sind noch etwas kleiner als die auf Alcatraz; dafür sind sie aber mit zwei Insassen belegt (!). Einige Meter weiter erkannte ich eine Menschentraube vor einer anderen Zelle – offensichtlich war das der nächste Haltepunkt der Audio-Tour. Dort angekommen wurde mir der Grund für die Popularität ausgerechnet dieser einen Zelle bewusst: Es handelte sich um Zelle Nr. 181, die einst von „The Scarface“ Al Capone belegt war. Der Gangsterkönig von Chicago saß übrigens nicht wegen seiner zahllosen Kapitalverbrechen, darunter etliche Auftragsmorde, ein. Das einzige Vergehen, was ihm wegen seiner guten Kontakte in die Politik und Wirtschaft nachgewiesen werden konnte, war Steuerhinterziehung! Übrigens soll es sich bei Al Capone um einen ewigen Unruheherd und Quertreiber im Gefängnis gehandelt haben – u. a. weigerte er sich, Putzarbeiten auszuführen, weil das „unter seiner Würde“ wäre…

Neben dem berühmtesten Häftling waren auf „The Rock“ die schlimmsten Schwerverbrecher eingesperrt, die die amerikanische Gesellschaft hervorbrachte. Vor allem jene Gangster, die in normalen Gefängnissen untragbar waren, weil sie selbst dort mit ihren Straftaten nicht aufhörten, wurden nach Alcatraz verlegt.

Nun gab es natürlich auch hier immer wieder Häftlinge, die sich Anordnungen widersetzten oder Unruhe stifteten. Hierfür gab es den Zellentrakt D – Isolations- und Dunkelhaft. Je nach dem Vergehen, das der Häftling auf Alcatraz begangen hatte, konnte diese von einigen Tagen bis hin zu Jahren (!) dauern. Hierbei wurde der Häftling bei völliger Dunkelheit 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche in die Zelle gesperrt – wie man so etwas aushalten kann, ist mir schleierhaft; ich hielt es schon nach zwei Minuten nicht mehr aus. Insgesamt mussten nur sehr wenige Häftlinge in „The Hole“, wie diese Zellen genannt wurden. Diejenigen, die längere Zeit darin verbringen mussten, vertrieben sich u. a. die Zeit damit, dass sie einen Knopf von ihrer Jacke abtrennten, im Dunkeln in die Luft warfen und versuchten, diesen wieder zu fangen bzw. zu suchen.

Das Wort „Alcatraz“ kommt übrigens aus dem Spanischen – ursprünglich hieß die Insel nämlich „La Isla de los alcatraces“ – Die Insel der Pelikane. Während der gesamten Zeit, in der das Gefängnis aktiv war, gab es nur einen mehr oder weniger erfolgreichen Ausbruchsversuch – Frank Morris und die Brüder John und Clarence Anglin schafften es, durch einen Versorgungsschacht auf das Dach des Gebäudes und anschließend von der Insel zu fliehen – allerdings wurden die drei nie mehr gesehen. Man vermutet, dass sie im etwa 8 Grad kalten Wasser ertranken – einige Wochen später ist auch in der Nähe der Golden Gate Bridge eine Leiche angespült worden; die Rechtsmedizin war aber damals noch nicht so weit, den völlig entstellten Leichnam einem der drei Ausbrecher zuzuordnen. Offiziell werden die drei Geflohenen aber auch heute noch mit Haftbefehl und ausgelobter Fangprämie gesucht – wer also einen der drei Verbrecher, die mittlerweile knapp 80 Jahre alt sein müssten, antrifft, kann sich schnell $100.000 verdienen…

Allgemein ist zu sagen, dass zwar die etwa 1,8 km Entfernung zum Festland auf den ersten Blick für einen guten Schwimmer kein Problem wären – das kalte Wasser lähmt aber nach einiger Zeit die Muskeln und nur wirklich Durchtrainierte können dann noch weiterschwimmen. Hinzu kommt, dass es sich bei der Bay ja eigentlich um ein gigantisches Flussdelta handelt, in dem starke Strömungen in Richtung Pazifik vorherrschen. Zudem hatte man auf Alcatraz eine ausgefeilte Taktik, um Ausbrüche zu verhindern: Aus den Duschen kam z. B. nur warmes Wasser, damit sich kein Insasse an das kalte Wasser der Bay gewöhnen konnte. Außerdem wurde man nicht müde, den Gefangenen von blutrünstigen Haien zu erzählen, die in der Bucht ihr Unwesen treiben sollen. Tatsächlich gibt es aber dort nur drei Hai-Arten, von denen eine harmloser als die andere ist…

Nach der Besichtigung der Gebäude sahen wir uns noch im Außenbereich um. Dabei wurde man auch von der Besetzung der Insel durch vier Indianer am 09.11.1969 informiert – die mittlerweile ungenutzten Gefängnisgebäude und der Felsen wurden von ihnen kurzerhand zu „Indianergebiet“ erklärt, um auf die Unterdrückung der Indianerstämme in den USA aufmerksam zu machen. Am 20.11.1969 folgten ihnen weitere 90 Indianer auf die Insel. Die Besetzung dauerte insgesamt 19 Monate, in denen immer wieder mit der Regierung verhandelt wurde und in denen -teils absichtlich, teils unabsichtlich- ein Gebäude nach dem anderen auf der Insel in Flammen aufging. Nachdem der Anführer der Indianer aber seine junge Tochter verlor, die beim Spielen vom Dach eines Gebäudes gefallen war und hierdurch tödlich verletzt wurde, verließ er freiwillig die Insel und die Revolte brach mehr und mehr auseinander, bis schließlich am 11.06.1971 die verbliebenen 11 Indianer durch US-Truppen verhaftet wurden, die die Insel erstürmt hatten.

Wir ließen uns noch vor der wunderschönen Skyline von San Francisco ablichten und fuhren dann wieder zurück. Während der Rückfahrt eröffnete sich uns ein schöner Blick auf die Golden Gate Bridge.

Das Wetter war mittlerweile sonnig und warm und wir aßen an den zahlreichen Seafood-Ständen des Fisherman’s Wharf zu Mittag. Für mich als Fischliebhaber war das Ganze wie im Paradies, und so testete ich eine Spezialität nach der anderen. Mit einem Taxi fuhren wir dann zum Union Square – der heutige Tag sollte nämlich noch zum Shopping und Sightseeing genutzt werden. Vom Union Square aus spazierten wir erst einmal mehr oder weniger drauf los und trafen kurz darauf schon auf den Eingang zu Chinatown – übrigens eine der größten chinesischen Ansiedlungen außerhalb Asiens. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, man würde sich wirklich in China befinden.

In Chinatown stöberten wir dann in einigen Souvenirläden herum und staunten ein ums andere mal, wie viel verschiedenen überflüssigen Krimskrams sich die Menschheit einfallen lassen kann. Gottlob gab es auch noch normale Dinge wie Postkarten und Sweatshirts zu wirklich günstigen Preisen; und so fanden wir schließlich auch das ein oder andere Erinnerungsstück. Wirklich überrascht waren wir aber an einem größeren China-Restaurant, in dessen Eingangstür doch tatsächlich ein Schild mit der Aufschrift: „Man spricht deutsch“ hing – ich glaub’s nicht…!

Zurück am Union Square war nun Shopping angesagt. Der örtliche Ableger der Kaufhauskette „Macy*s“ ist hier gleich mit zwei getrennten Häusern für Damen und Herren vertreten, und so trennten wir uns für eine Stunde, um jeder für sich einkaufen zu können. Wir fanden schließlich auch das ein oder andere, und auch die anschließenden Besuche im nahen „Old Navy“, „Nordstrom“ und „Payless Shoe Store“ blieben nicht ohne Beute.

Da ein derartiger Beutezug über mehrere Stunden natürlich auch hungrig macht, statteten wir „Tad’s Steaks“ noch einen Besuch ab. Diese Selbstbedienungs-Steakhouse-Kette kannte ich schon von meiner Reise nach New York City im Jahr 2000 und erinnerte mich an ebenso schmackhafte wie preiswerte USDA Prime Rib Steaks. Ein eben solches verspeiste ich dann auch, während sich Claudia an einem Lachsfilet schadlos hielt.

Nach dem Essen war wieder mal Sportsbar-Time angesagt: Die Red Sox setzten ihren Siegeszug fort, besiegten die St. Louis Cardinals erneut und waren nur noch einen Sieg von der Sensation entfernt. In der Bar traf ich auf einen weiteren Deutschen, der gerade erst am selben Tag in San Francisco eingetroffen war und einige Wochen Praktikum machte. Wir plauderten ein wenig und ich erklärte ihm die aus seiner Sicht etwas eigenwilligen Regelungen mit dem Vorzeigen einer ID Card bei einer bloßen Bierbestellung.

Schön langsam wurden wir auch ein wenig melancholisch, schließlich handelte es sich um den letzten Abend unserer Reise – wo war bloß die Zeit geblieben? Wir schwelgten ein wenig in den Erinnerungen und Eindrücken der vergangenen Wochen und trösteten uns mit einigen Pints Molson Canadian. Gegen 23.30 Uhr ließen wir uns dann von einem Taxi zurück ins Hotel chauffieren.

22. Tag – San Francisco

Gegen 09.00 Uhr wurden wir vom Zimmermädchen geweckt – obwohl wir das in keinster Weise gewollt oder in Auftrag gegeben hatten. Ich als passionierter Morgenmuffel hatte dann auch einige geharnischten Worte für die Dame parat, was zwar wahrscheinlich nicht den höflichsten Eindruck machte, aber zumindest den Zweck nicht verfehlte – nach einer rasanten Kehrtwendung zog sie es nämlich vor, von dannen zu ziehen.

Wir packten unsere Reisetaschen mit den im Hotelzimmer befindlichen persönlichen Dingen und gingen danach gleich zur Rezeption, um auszuchecken. Dies ging wie immer reibungslos, und nach dem Verladen unserer Siebensachen ins Auto fuhren wir los.

Erstes Tagesziel war der Hügel Twin Peaks, von dem aus man den besten Überblick über die Stadt haben soll. Erst einmal galt es aber, überhaupt hinzukommen. Dies gestaltete sich nicht allzu einfach, weil wir erst nach längerem Suchen die recht unscheinbare Auffahrt fanden. Schließlich erreichten wir aber doch das ersehnte Ziel.

Der Ausblick von hier oben war wirklich gigantisch, und man erkannte gut den Verlauf der Market Street, die Transamerica Pyramid und die anderen wichtigen Gebäude der Stadt. Überhaupt war dank des hervorragenden Wetters der Überblick über die Bay beeindruckend. Richtete man den Blick nach Norden, konnte man gut die rot glänzende Golden Gate Bridge erkennen.

Leider wurde der tolle optische Eindruck von dem Geschrei und Gekicher der japanischen Touristen, die hier in ganzen Hundertschaften eingefallen waren, etwas getrübt. So fotografierte ich noch schnell den Sutro Tower, der auf dem gleichnamigen Hügel gleich nebenan steht und einer überdimensionierten Kartoffelschäl-Gabel ähnelt.

Anschließend verließen wir den Hügel wieder und fuhren Richtung Golden Gate Park. Da wir das Frühstück im Motel ausgelassen hatten (allein der Gedanke an die Muffins und den dünnen Kaffee erzeugte mittlerweile bei uns schon Brechreiz), suchten wir uns ein kleines Restaurant, das auch Frühstück anbot und zudem gut besucht war. Wir erhielten dort dann wirklich ein leckeres Frühstück mit Bratkartoffeln, Spiegelei und gebratenen Speck. Kostenlose Refills beim endlich mal ordentlich starken Kaffee waren ebenfalls inklusive. Leider kann ich mich weder an den Namen noch die Adresse erinnern (es lag in irgendeiner Nebenstraße nahe des Golden Gate Parks), sonst würde ich hier eine Empfehlung abgeben.

Wir suchten uns dann einen Parkplatz und wurden unmittelbar an der „Panhandle“, also die schmale Verlängerung des Golden Gate Park in Richtung Osten, fündig. Von dort aus starteten wir bei warmem und sonnigem Wetter unseren Spaziergang durch den Park. Obwohl dieser weitaus weniger bekannt ist als der Central Park in New York City, ist er diesem in Größe und meiner Meinung nach auch in Sachen Schönheit und Angeboten überlegen. Zuerst schlenderten wir einfach mal ohne explizites Ziel los in Richtung Westen. Im Park war wegen des Werktags nicht allzu viel los, aber einige Leute lagen in der Sonne und lasen Bücher; andere amüsierten sich mit dem Zuwerfen eines Footballs. Zwischendurch kam ein Schwarzer auf mich zu und bot mir „some weed“, also Marihuana, zum Kauf an – ich lehnte dankend ab und dachte mir mit einem süffisanten Grinsen: „Junge, wenn Du wüsstest, als was ich in Deutschland arbeite, hättest Du mir bestimmt nichts angeboten…“ – Claudia musste ebenfalls herzhaft lachen.

Nach etwa einer Stunde spazieren gehen erreichten wir den Japanese Tea Garden. Bei den Planungen für die Reise hatte ich von der Schönheit dieses Gartens gelesen und so beschlossen wir, auch diesen zu besichtigen. Hinein in den Garten ging man gleich durch ein im japanischen Stil gehaltenes Tor. Nach der Entrichtung des Eintrittsgeldes spazierten wir durch den Garten, der wirklich sehr schön war. Neben einem Teehaus, das dem Garten letztlich auch den Namen gab, sind mehrere kleine Teiche, Brücken und liebevoll gepflegte Pflanzen, aber auch japanische Pagoden und Statuen zu sehen.

In den Teichen wohnen Populationen von Koi Goldfischen und Enten. Der Garten hatte eine unheimlich entspannende Wirkung und es machte wirklich Spaß, sich dort aufzuhalten und alles anzusehen. In einem Bereich des Garten befindet sich eine Stelle, an der Steine und Büsche in einer bestimmten Anordnung platziert wurden – dabei soll es sich um einen Ort mit einer spirituellen Bedeutung handeln. Ein paar Meter weiter trifft man auf eine Buddha-Statue – soweit ich mich erinnere, ist diese ein Geschenk Chinas; in Japan ist ja der Buddhismus nicht so stark verbreitet.

Wir blieben noch eine Weile im Garten und schlenderten umher. Was mich ein wenig irritierte, war die Tatsache, dass man direkt neben dem Teehaus, das eigentlich Ort der Entspannung sein sollte, ein Häuschen mit einem Souvenirartikelverkauf platziert hatte, aus dem auch noch penetrantes Gedudel irgendwelcher Spieluhren drang – so etwas gehört meiner Meinung nach vor den Eingang. Ansonsten ist der Garten aber durchaus einen Besuch wert, auch wenn ich ihn mir größer vorgestellt hatte.

Anschließend verließen wir den Garten und gingen weiter. Gleich neben dem Garten befand sich der Eingang zum „San Francisco Botanical Garden“. Eine Informationstafel neben dem Eingang besagte, dass jeden Mittwoch um 14.00 Uhr Gratisführungen durch den Botanischen Garten durchgeführt werden, die hier starten. Hm… Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet mir, dass es exakt 13.50 Uhr war; und Mittwoch noch dazu. Bingo!

Kurz darauf traf tatsächlich ein Angestellter des Parks ein, der uns durch den Garten führte und alles genau erklärte. Der Garten ist nicht nur ein Highlight für Besucher, sondern es wird hier auch sehr viel Forschung betrieben, u. a. wird versucht, ausgestorbene Pflanzen nachzuzüchten. So steht im Park auch ein eigentlich unscheinbarer Baum, bei dem es sich aber um die Urform der Mammutbäume handelt – von ihm sollen also die Sequoias und Redwoods abstammen.

Daneben gibt es Pflanzen aus aller Herren Länder. Der Strauch unten beispielsweise ist aus Chile. Neben unzähligen Pflanzen gibt es auch einen größeren Teich im Garten, der neben Wasserpflanzen auch etliche Tiere beheimatet. Etwa zwei Stunden wurden wir von unserem Guide durch den Park geführt, und er wurde nicht müde, uns alles haarklein zu erklären. Nachdem er von uns erfahren hatte, dass wir aus Deutschland kommen, erwähnte er, dass er dort auch schon andere Botanische Gärten besucht habe und ihm davon der in Hamburg als vorbildlich in Erinnerung blieb. War mir bis dahin auch nicht bekannt…

Gegen 16.00 Uhr verabschiedeten wir uns von unserem Führer und gingen zurück zum Auto – was übrigens ein ganz schönes Stück war, man hatte beim spazieren gehen gar nicht gemerkt, wie weit wir uns schon in den Park vorgewagt hatten. Wir fuhren auf der 19th Avenue in Richtung Süden und hielten an einem kleinen Einkaufszentrum, um die verbleibende Zeit bis zum Abflug dort zu verbringen. Dort tankte ich den Pontiac ein letztes mal voll, schließlich war dies Vertragsgegenstand und ich hatte keine Lust, bei Hertz überteuerten Sprit in Rechnung gestellt zu bekommen.

Das Einkaufszentrum selbst hatte indes nicht wirklich viel zu bieten, und so beließen wir es bei einem Schaufensterbummel mit anschließendem Aufenthalt im unvermeidlichen Food Court zu einem extra großen Kaffee bei Starbuck’s. Gegen 17.30 Uhr fuhren wir dann los in Richtung des Airports. Die Fahrt dahin verlief zwar relativ problemlos, aber ich war schon irritiert, dass der Flughafen zuerst überhaupt nicht ausgeschildert war. Etliche Male überprüfte ich, ob wir uns wirklich auf der richtigen Straße befanden – ja, Nummer und Richtung stimmte. Schließlich aber dann doch der Hinweis auf den „San Francisco International Airport“. Alles klar, von nun an einfach in Richtung der Schilder. Jetzt galt es, die richtige Abfahrt zu unserem Autoverleiher zu nehmen – ich hoffte inständig, mich auf diesen mehrspurigen Highways im dichten Verkehr nicht zu verfransen. Aber erneut zeigte sich, wie modern der örtliche Flughafen ist: Sämtliche Car Rental Companies waren exzellent beschildert und so landeten wir ohne größere Problem in der Garage von Hertz. Ich erwartete nun eigentlich eine genaue Inaugenscheinnahme des Wagens durch die Angestellten, um etwaige Schäden festzustellen – aber weit gefehlt. Wir konnten gar nicht schnell genug unser Gepäck aus dem Wagen bringen, nur schnell eine Unterschrift auf der Rechnung und fertig. So einfach hätte ich mir das nicht vorgestellt… Ach ja: Ob die Fa. Hertz mit uns wirklich ein gutes Geschäft gemacht hat, wage ich zu bezweifeln – über 4000 Meilen hatte ich auf den Pontiac gespult und damit den Meilenstand im Tacho fast verdoppelt…

Mit dem Gepäck im Schlepptau ging es mittels AirTrain zu unserem Terminal, welches offensichtlich nagelneu und wirklich riesig war. Die Schlange bei Lufthansa bestand lediglich aus drei Personen vor uns, und so war das Einchecken völlig unproblematisch. Froh, endlich unser Gepäck los zu sein, suchten wir uns eine Beschäftigung bis zum Abflug – die Maschine ging schließlich erst in gut zwei Stunden. Wir entdeckten eine Sportsbar, in der – was auch sonst – das MLB-Finale übertragen wurde. Ach ja, die Red Sox könnten ja heute die Sensation schaffen…

Nichts wie hinein also. Die Bar war gut gefüllt und es wurde richtig mitgezittert mit den Red Sox. Wir ließen uns anstecken und fieberten ebenfalls mit. Und es sollte sich lohnen: Die Jungs aus Beantown machten den Sack zu, schickten die Cardinals mit 3-0 in die Versenkung und sich selbst in den 7. Himmel – 86 Jahre Warten sind vorbei! Die Stimmung in der Bar an der Westküste schwappte förmlich über – eigentlich erstaunlich angesichts der Location in einem Flughafen.

Nun wurde es auch Zeit zum Boarding, welches recht zügig ging. Der Heimflug nonstop nach München erfolgte mit einem Airbus A340-300; für mich eine kleine Enttäuschung, weil eigentlich der A340-600 angekündigt war, das (damals) längste Verkehrsflugzeug der Welt. Was soll’s, dafür hatten wir Fensterplätze auf der rechten Seite. Dieser eigentlich nicht ungewöhnliche Umstand sollte uns aber gleich nach dem Start eine allerletzte, überwältigende Show liefern. Der Airbus startete in Richtung Nordwesten, flog kurz über dem Pazifik und bog dann in einer langgezogenen Rechtskurve genau über der Golden Gate Bridge und die Bay auf Nordostkurs ein. Statt des sonst üblichen Nebels herrschte heute glasklare Sicht, und wir genossen minutenlang den Ausblick auf das Lichtermeer der Brücke, der Stadt und der Bay. Einfach unvergesslich!!! Ach ja: Sollte jemand den Lufthansapiloten kennen, der am 27.10.2004 den Flug LH459 durchgeführt hat: Ich würde ihm gern einen Drink spendieren…

Auf Wiedersehen, San Francisco! Drei unvergessliche Wochen gingen zu Ende. Es war die erste Reise in den Westen der USA, aber schon im Flugzeug nach Hause beschlossen wir, dass es nicht die letzte war.

Elf Stunden später erreichten wir den Flughafen von München. Anders als sonst hatte ich unterwegs ein paar Stunden schlafen können und so hielt sich der Jetlag in Grenzen. Claudias Eltern holten uns vom Flughafen ab und lachten natürlich erst mal herzlich über meinen Renegade Cowboyhut…

So, Leute, das war’s!!! Ich danke allen Mitfahrern für ihr Interesse und hoffe, in Einigen von Euch Erinnerungen und bei Anderen die Neugier auf bestimmte Ziele geweckt zu haben. Danke auch an Utah für die großzügige Bereitstellung von Webspace für die ganzen Bilder. Wer Fragen zu bestimmten Zielen hat oder Tipps benötigt – immer her damit! Freue mich immer, wenn ich jemand helfen kann…