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Unabhängigkeitskrieg der Kolonien in Amerika

Entgegen der verbreiteten Ansicht, dass der Unabhängigkeitskrieg zwischen den 13 amerikanischen Kolonien und der britischen Kolonialmacht mit der Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 begann, gab es die ersten bewaffneten Auseinandersetzungen bereits im Jahr 1775. Bis dahin war es aber ein langer Prozess, der auch in den Kolonien selbst nicht unumstritten war. Immerhin sahen die meisten Bewohner sich als britische Bürger und betrachteten das Streben nach Unabhängigkeit als Verrat.

Wunsch nach Selbstbestimmung

Die Spannungen zwischen dem Mutterland und den britischen Kolonien wuchsen nach dem Amtsantritt von König Georg III., der von 1760 bis 1820 regierte. Sie hatten bereits in den Jahren zuvor ihren Anfang genommen und hatten zunächst ausschließlich wirtschaftliche und finanzielle Gründe. So war der Aufbau einer eigenen Industrie in den Kolonien untersagt, was dazu führte, dass die Bürger wichtige Waren und Produkte aus Großbritannien beziehen mussten. Beschränkungen bei der Einführung einer kolonialen Währung und Siedlungsverbote im Westen sorgten ebenfalls für Unmut unter den Kolonisten. Kosten, die dem Mutterland durch Kriege in Europa entstanden, sollten unter anderem durch höhere oder neue Steuern in den Kolonien gedeckt werden. Auf der anderen Seite forderten die Kolonien ein höheres Maß an Mitsprache und eine gewisse Eigenständigkeit. Eine echte Unabhängigkeit stand aber zunächst nicht zur Debatte. Als Reaktion auf die Forderungen ihrer Überseekolonien entsandte Großbritannien 1767 weitere Truppen nach Amerika, um den Machtanspruch des Mutterlandes zu unterstreichen. Außerdem wurden Zölle auf viele Dinge des täglichen Bedarfs erhoben, zum Beispiel auf Tee, Zucker oder Papier.

Mount Rushmore

Mount Rushmore ©iStockphoto/Jonathan Larsen

Boston Tea Party

In den folgenden Jahren wuchs der Unmut der Kolonisten und eine Unabhängigkeitsbewegung entstand. Zwei der späteren Gründerväter, Thomas Jefferson und Samuel Adams, gehörten zu den Anführern dieser Bewegung, die sich vor allem in Boston einen Namen machte. Die berühmt gewordene Boston Tea Party war eines von vielen weiteren Ereignissen, die das Verhältnis zwischen Kolonisten und Mutterland weiter verschlechterten. Bei diesem Akt des Widerstands gegen die als ungerecht empfundenen Steuern und Abgaben, hatten sich Bürger Bostons am 16. Dezember 1773 symbolisch als Indianer verkleidet und warfen mehrere Ladungen Tee in den Hafen. Der Begriff „no taxation without representation“ (keine Besteuerung ohne politische Vertretung) wurde zum geflügelten Wort. Zwar hatten die Bürger der Kolonien ein Wahlrecht, waren aber aufgrund der großen Entfernung nicht in der Lage, dieses in Großbritannien wahrzunehmen.

Milizen gegen Söldner

Der eigentliche Beginn des Unabhängigkeitskrieges, der auch als „American Revolutionary War“ oder „American War of Independence“ bezeichnet wird, wird durch die ersten ernsthaften Gefechte markiert, die am 19. April 1775 bei Lexington und Concord stattfanden. Eine amerikanische Miliz und britische Truppen lieferten sich hier erste Scharmützel. Es wurde danach immer deutlicher, dass eine friedliche Beilegung des Konflikts nicht mehr zu erreichen war. Rein militärisch war die Ausgangslage für die Kolonisten denkbar schlecht. Sie verfügten über keine organisierten Truppen und hatten auch keine großen militärischen Führer, auf die sie zurückgreifen konnten. Hinzu kam ein eklatanter Mangel an Waffen und kriegswichtigen Gütern. Dennoch stellten die Kolonien eine eigene Streitmacht mit einer Stärke von 15.000 Mann auf, die vom Gutsbesitzer George Washington kommandiert wurde. Bei dieser „Kontinentalarmee“ handelte es sich um schlecht organisierte Miliztruppen aus Pennsylvania, Maryland und Virginia. Die Gegenseite konnte neben den bereits im Lande stationierten britischen Truppen auf ein großes Söldnerheer zurückgreifen, das rund 30.000 Mann umfasste. Dabei handelte es sich zum Teil um Loyalisten aus den Kolonien, aber auch um Söldner aus deutschen Landen, vor allem aus Hessen. Ebenfalls unterstützt wurde England von Indianerstämmen, die befürchteten, dass die Unabhängigkeit zum weiteren Verlust von Territorien führen würde.

Vorstoß nach Kanada

Zunächst konzentrierten die Kolonisten sich auf den Versuch, den Briten Kanada abzunehmen, was allerdings mit der Schlacht von Québec im Dezember 1775 scheiterte. Der kommandierende Offizier dieser Truppen auf amerikanischer Seite, Benedict Arnold, erlangte später als Inbegriff des Verräters Berühmtheit. Im Jahre 1781 wollte er das strategisch wichtige Fort West Point im heutigen Bundesstaat New York an die Briten übergeben, was den Ausgang des Krieges möglicherweise entscheidend beeinflusst hätte. Da diese Pläne vorzeitig aufgedeckt wurden, desertierte Arnold und lief zu den Briten über. Später zog er nach London, wo er im Jahr 1801 starb.

Der 4. Juli 1776

Der sogenannte Kontinentalkongress, der als Versuch einer eigenen politischen Vertretung gegründet worden war, kam zur Übereinkunft, dass eine formelle Unabhängigkeitserklärung der 13 Kolonien der nächste logische Schritt sei. Bereits am 2. Juli 1776 wurde die formelle Erklärung unter Enthaltung New Yorks von den anderen 12 Kolonien verabschiedet. Das heute als Unabhängigkeitserklärung bekannte Dokument wurde erst zwei Tage später von den Vertretern der Gründerstaaten angenommen. Verfasst wurde das Dokument in erster Linie von Thomas Jefferson, wenngleich andere Gründerväter einige redaktionelle Änderungen vornahmen. Gestrichen wurde Jeffersons Vorschlag, auch die Sklaverei für unrechtmäßig zu erklären. Das Komitee, dass die Unabhängigkeitserklärung vorbereitete, bestand neben Jefferson aus Benjamin Franklin, John Adams, Roger Sherman und Roger Livingston. Noch heute wird der 4. Juli als Unabhängigkeitstag gefeiert.

Der Schlüssel zum Sieg

Zunächst sah es nicht so aus, als würde die Unabhängigkeit tatsächlich erreicht werden können, denn der militärische Verlauf war mehr als ungünstig für die Kolonien. Im August 1776 eroberten die Briten New York und trieben die Truppen der Aufständischen von einer Niederlage zur nächsten. George Washington gab in dieser Zeit ein eher schlechtes Bild als militärischer Führer ab, schaffte es aber schließlich mit dem Sieg bei Trenton im Dezember 1776, eine erste Stabilisierung zu erreichen. Unterstützt wurden die Amerikaner dabei unter anderem durch französische Waffenlieferungen, denn Frankreich war daran interessiert, die Briten zu schwächen. Obwohl die Briten im Verlauf des Jahres 1777 die wichtige Stadt Philadelphia besetzen konnten, schien mit dem amerikanischen Sieg in der Schlacht von Saratoga ein erster Wendepunkt gekommen. Es wurde deutlich, dass die amerikanischen Truppen besser organisiert werden mussten. Der preußische Offizier Friedrich Wilhelm von Steuben gilt mit seinem Drill als einer der wichtigsten Faktoren für den letztlichen Sieg der Kolonisten. Er schaffte es, die Truppen neu zu organisieren und führte Regeln für die Ausbildung und Truppenführung ein, die im Prinzip noch heute Gültigkeit in den US-Streitkräften besitzen. Mit der Schlacht von Monmouth im Jahre 1778 bewiesen die Kolonisten, dass sie den Briten nun auch in offenen Feldschlachten gewachsen waren.

Die Wende bei Yorktown

Nach einer Reihe von wechselhaft verlaufenden Schlachten kam es im Oktober 1781 nach der Belagerung von Yorktown zu einer entscheidenden Wende. Die dort eingeschlossenen britischen Truppen mussten tatsächlich kapitulieren, zumal sie gleichzeitig vom Nachschub aus dem Heimatland abgeschnitten waren. Die Franzosen hatten die Amerikaner mit ihrer Flotte unterstützt und die britischen Nachschubwege empfindlich getroffen. Am 30. November 1782 sahen sich die Briten schließlich gezwungen, eine Vorabvereinbarung über einen Friedensschluss mit den Amerikanern zu treffen. England war durch die Kriege mit Frankreich, Spanien und den Niederlanden an zu vielen Fronten gebunden und verlor weitere Territorien in Nordamerika. Der Frieden von Paris legte 1783 schließlich fest, dass Großbritannien die Unabhängigkeit seiner Kolonien anerkannte und auf alle Gebiete östlich des Mississippi River verzichtete. Frankreich und Spanien konnten ihre Territorien auf dem nordamerikanischen Kontinent in der Folge weiter festigen, während die nunmehr offiziell als Vereinigten Staaten von Amerika bezeichneten Ex-Kolonien ihr Gebiet bis an die Großen Seen ausdehnten. Erster Präsident der jungen Nation wurde General George Washington. Viele Kolonisten hatten angestrebt, Washington zum König zu machen, was dieser jedoch ablehnte. Nach der Erarbeitung einer Verfassung im Jahr 1787 wurden die Grundlagen für die föderale Republik geschaffen, die bis heute existiert.

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