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Joshua Tree

Mit seiner bizarren Erscheinung gilt der Joshua Tree als einer der einprägsamsten Gewächse der Vereinigten Staaten. Er ist nur im gleichnamigen Nationalpark zu finden, der sich im Süden des Bundesstaates Kalifornien über eine Fläche von fast dreitausend Quadratkilometern erstreckt. Innerhalb dieser naturbelassenen Wildnis treffen mit der Mojave Wüste und der Colorado Wüste zwei Ökosysteme verschiedener Höhenlagen aufeinander. Die Yucca brevifolia oder Josua-Palmlilie, wie dieses einzigartige Gewächs im deutschen Sprachraum genannt wird, ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Wüstenvegetation und prägt das Landschaftsbild maßgeblich. Yucca brevifolia beschreibt eine Agavenart, die ein Alter von bis zu neunhundert Jahren und Wuchshöhen von weit über zehn Metern erreicht. Im Leben der amerikanischen Ureinwohner spielte dieser Baum eine wichtige Rolle. Seine harten Blätter wurden zu Körben und Schuhwerk verarbeitet, die Blüten und Samen dienten als wertvolle Nahrungsmittel. Ihren Namen verdanken das Gewächs und seine Heimat, der Joshua Tree Nationalpark den Mormonen, die die Landschaft Mitte des 19. Jahrhunderts auf ihrer Suche nach Siedlungsgebieten durchquerten. Da die charakteristische Form dieser Palmlilie, mit ihren nach oben zeigenden und dünnen Ästen die Menschen an die biblische Figur Josua erinnerte, tauften sie den Baum Joshua Tree.

Geografische Lage und Eintrittspreise

Der Nationalpark, der mit seiner einzigartigen Wüstenlandschaft jährlich fast zwei Millionen Touristen, Naturliebhaber und Fotografen aus der ganzen Welt anzieht, liegt circa 225 Kilometer von Los Angeles Richtung Palms Springs entfernt. Im Joshua Tree Nationalpark lässt sich die karge und unendliche Wüste der westlichen USA hautnah erleben, denn in der abwechslungsreichen Landschaft ist es Besuchern möglich, nicht nur einfach durchzufahren, sondern das Fahrzeug zu verlassen und die Gegend zu Fuß entlang verschiedener Wanderpfade zu erkunden. Dieser Wüstenpark, der seit den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts unter Naturschutz steht und von Präsident Roosevelt in den Dreißigerjahren zum National Monument ernannt wurde, kann über drei Eingänge erreicht werden. Acht Kilometer südlich von Joshua Tree Village befindet sich der Westeingang, der Nordeingang liegt fünf Kilometer von Twentynine Palms entfernt. Im Süden gelangen Besucher vierzig Kilometer östlich der Stadt Indio, entlang der Interstate 10 in den Wüstenpark. Alle Eingänge sind rund um die Uhr geöffnet und können jederzeit passiert werden. In den angeschlossenen Besucherzentren können Touristen Bücher, Postkarten, Poster und Souvenirs erwerben und Zugang zu Wasser finden. Innerhalb des Parks gibt es jedoch weder Geschäfte, noch Restaurants oder Unterkünfte. Lediglich einige Campingplätze sind vorhanden, allerdings verfügen die meisten nicht über fließendes Wasser oder moderne Sanitäranlagen.
Wer als Besucher der Vereinigten Staaten über einen Annual Pass verfügt, hat wie in jedem anderen Nationalpark auch hier Zutritt. Alternativ können Touristen einen Sieben-Tage-Pass für fünfzehn Dollar erwerben, der für ein Privatfahrzeug inklusive aller Insassen gilt. Walk-in-Permits sind bereits für fünf Dollar zu haben, sind jedoch angesichts der weiten Distanzen, die zu Fuß zu bewältigen sind, kaum sinnvoll.

Joshua Tree

Joshua Tree

Atemberaubende Naturgeschichte

Wer den Joshua Tree Nationalpark nur vom Auto aus erlebt, kann sich angesichts der trockenen und kargen Wüstenlandschaft kaum vorstellen, dass das Gebiet eine abwechslungsreiche Flora und Fauna beherbergt. Bei genauerem Hinsehen können in diesem Wüstenpark jedoch unterschiedliche Pflanzen und Tierarten entdeckt werden. Nicht nur die uralten Josua-Palmlilien, die viele Meter hoch in den Himmel ragen, sind hier sehenswert. Insgesamt fast siebenhundert unterschiedliche Pflanzenarten besiedeln diese unendliche Wildnis. Botanisch interessierte Menschen entdecken hier zahlreiche Kakteenarten sowie Pinion Pines, Ocotillos, Mojave Yuccas oder Palo Verdes. Viele der Pflanzen und Bäume wirken vor der Kulisse der bizarren Felsformationen besonders eindrucksvoll. Die klimatischen Extreme, geprägt von starken Winden, Regengüssen und Flash Floods haben hier ihre Spuren hinterlassen und eine einzigartige Welt geformt. Die geologische Beschaffenheit dieser Landschaft entwickelte sich im Ansatz bereits vor hundert Millionen Jahren, als flüssiges Vulkangestein aus dem Pinto-Mountain nach oben drang und direkt unter der Erdoberfläche abkühlte. Im Laufe von Millionen Jahren drang immer wieder Wasser durch kleine Risse in das Gestein und wandelte die oberen Schichten in Lehm und Sand um. Diese Materialien formten und schliffen die darunterliegenden Granitbrocken und verliehen ihnen ihre rundlichen und bizarren Formen. Nachdem sich diese Entwicklung noch im Erdinneren vollzogen hatte, brachte eine Änderung des Klimas die sogenannten Flash Floods mit sich, wodurch die obersten Lehmschichten allmählich weggespült und die darunterliegenden Granitbrocken freigelegt wurden. Die rundgeschliffenen Felsen und zerklüfteten Schluchten, die als wahre Kletterparadiese gelten, ergeben in Kombination mit den Joshua Trees und anderen Pflanzen mit skurrilen Wuchsformen eine fast unwirklich anmutende Optik, die für eine eindrucksvolle Naturstimmung sorgt.

Die Tierwelt des Joshua Tree Nationalparks

Im westlichen Teil des Parks liegen insgesamt fünf Wasserstellen, an denen Wälder mit Washington-Palmen wachsen. In diesen fünf Oasen, beziehungsweise in deren Nähe konzentriert sich die abwechslungsreiche Tierwelt des Nationalparks. Hier können Besucher eine Vielzahl an Tierarten hautnah erleben. Wie in allen Wüstengebieten sind die Tiere auch hier vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, weshalb sich Besucher vor allem in den Abendstunden im Park aufhalten sollten. Entlang der Parkstraßen können Kojoten bei ihren Streifzügen beobachtet werden, Dickhornschafe durchqueren in kleinen Herden die Landschaft auf der Suche nach Nahrung. Tierliebhaber können hier mit etwas Glück auch Känguru-Ratten, Luchse und Hasen sowie Taranteln und Eidechsen beobachten. Hobbyornithologen sollten den Joshua Tree Nationalpark in den Frühlings- und Sommermonaten besuchen, denn in dieser Zeit können zahlreiche Arten von Zugvögeln gesichtet werden, die entlang der Pacific Flyway in ihre Sommerquartiere fliegen. Das ganze Jahr über leben im Park Steinadler, Geier, Kaninchenkäuze und der Wegekuckuck oder Roadrunner, der als Vorbild für die legendäre gleichnamige Looney-Toons-Figur diente.

Tipps für den Aufenthalt im Nationalpark

Urlauber und Fans spektakulärer Naturlandschaften, die den Joshua Tree Nationalpark besuchen und sich dort längere Zeit aufhalten möchten, sollten sich eines immer vor Augen halten: Das Gebiet ist eine Wüstenlandschaft, deren beeindruckende Felsformationen durch extreme Wetterbedingungen entstanden. Dementsprechend ist der Nationalpark ein Ort stark schwankender Temperaturen, die im Sommer nicht selten auf bis fünfzig Grad hochklettern und in der Nacht bis unter den Gefrierpunkt fallen. Die extreme Hitze, Sonneneinstrahlung und Trockenheit, die im Sommer tagsüber herrschen, verlangen eine verantwortungsvolle und sorgfältige Vorbereitung auf eine mehrstündige Besichtigungstour. Da innerhalb des Nationalparks keine Geschäfte vorhanden sind, müssen Besucher vor allem auf eine ausreichende Versorgung mit Treibstoff, Wasser und Lebensmitteln achten. Die direkte Sonne verlangt ausreichenden UV-Schutz und das Tragen einer Sonnenbrille. Um auf extreme und oft unerwartete Wetterumstürze vorbereitet zu sein, empfiehlt es sich, mehrere Schichten an Kleidung übereinander zu ziehen. Die für diese Wüstenlandschaft typischen Flash Floods, die das Erscheinungsbild des Joshua Tree Nationalparks maßgeblich prägten, können bereits von minimalen Regenschauern verursacht werden. Daher sollten bei wechselhaftem Wetter trockene Flussbetten und Felsschluchten auf jeden Fall gemieden werden.

Besucher des Gebietes sollten sich auch vor den sogenannten Jumping Cacti in Acht nehmen. Diese entwickeln nämlich stachelbesetzte Kugeln, die wie Kletten an jedem hängenbleiben, der in unmittelbarer Nähe an ihnen vorbeigeht. Bei manchen Exemplaren können die Stachelbälle sogar über kurze Distanzen springen. Die Entfernung dieser Pflanzenkugeln ist nicht nur sehr schmerzhaft, sondern kann auch offene Wunden hinterlassen. Eine weitere, mitunter sogar folgenreiche Gefahr in dieser ursprünglichen und daher rauen Wildnis stellen Begegnungen mit Klapperschlangen. Mehrere Arten dieser hochgiftigen Schlangen finden in der felsigen, trockenen Landschaft ideale Lebensbedingungen. Daher sollte jeder Schritt und jede Bewegung mit Vorsicht durchgeführt werden, und wer, um eine prachtvolle Aussicht zu genießen, einige Felsen hochklettern möchte, sollte immer genau schauen, wo er sich festhält. Grundsätzlich ist es einfach, Klapperschlangen aus dem Weg zu gehen. Wer dennoch auf ein Exemplar trifft, sollte sich ruhig und sehr langsam rückwärts gehend von dem Tier wegbewegen. Festes Schuhwerk ist grundsätzlich wichtig, da auch Skorpione und Spinnen in dieser Wildnis leben. Besonders gefährlich sind die vielen, im ganzen Nationalpark verstreuten Bergwerkschächte, die vor mehr als hundert Jahren stillgelegt wurden. Einige von ihnen wurden bis heute nicht fachgerecht verschlossen. Auch wenn der Abenteuersinn in diese verlassenen Schächte lockt, wird von Besuchen dieser unterirdischen Gänge abgeraten. Hochgiftige Skorpione finden hier Unterschlupf, das uralte morsche Holz birgt eine gewisse Einsturzgefahr, und toxische Dämpfe können der Gesundheit beträchtlichen Schaden zufügen. Wer die atemberaubende Landschaft in ihrem besten Licht erleben möchte, sollte sich im Park am frühen Morgen oder am Abend aufhalten, denn dann färbt sich der Boden durch die auf- oder untergehende Sonne tiefrot.

Die beste Reisezeit

Wer sich über längere Zeit im Nationalpark aufhalten und diesen näher erkunden möchte, sollte die mit den Jahreszeiten wechselnden Wetterbedingungen und deren Auswirkungen auf die Natur beachten. Mit durchschnittlichen 38, oft auch weit über 40 Grad Celsius sind die Tage im Hochsommer heiß und trocken. Während der Nacht sinken die Temperarturen kaum unter 25 Grad. Im Winter hingegen ist mit Frost und in höheren Lagen sogar mit Schnee zu rechnen. Angenehme Temperaturen herrschen im Frühjahr und Herbst, wenn es tagsüber warm, aber nie zu heiß ist, und die Nacht Abkühlung bringt. Als beste Reisezeit gelten die Monate Oktober und November sowie März und April. Besonders zu empfehlen ist ein Besuch im Frühjahr, denn dann verwandelt sich der karge Wüstenboden in einen bunten Blütenteppich.

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